US-Präsidentschaft

Sanders droht das Aus – was hat er falsch gemacht? 

AP

13.3.2020

US-Senator Bernie Sanders hat trotzig auf seine jüngsten Niederlagen bei den Vorwahlen der US-Demokraten reagiert.
Bild: Charles Krupa/AP/dpa

Wie 2016 könnte Bernie Sanders' furioser Lauf in den Vorwahlen der US-Demokraten bald beendet sein. Seine Chancen, Joe Biden noch zu überflügeln, sind gering. Woran liegt das?

Für Bernie Sanders sieht es düster aus. Nach der Niederlage bei den Vorwahlen in Michigan und anderen US-Staaten am Dienstag schwinden die Chancen des Senators aus Vermont, noch irgendwie Präsidentschaftskandidat der Demokraten zu werden. Er hofft, am kommenden Dienstag noch einmal in Arizona punkten zu können, um seinem Rivalen, Ex-Vizepräsident Joe Biden, auf den Fersen zu bleiben. Doch die Anfangseuphorie ist geschwunden. Sanders' Versprechen, neben den jungen Wählern auch Schwarze und Arbeiter zu einer Bewegung zusammenzuführen, scheint gescheitert.

Stattdessen konnte sich Biden von South Carolina bis Mississippi und im so wichtigen Michigan bei den afroamerikanischen Wählern durchsetzen. Der Ex-Vizepräsident unter Barack Obama punktete ausserdem bei den Demokraten ohne Universitätsabschluss und in vielen Vororten, die bei der Wahl gegen den Republikaner Donald Trump im November entscheidend sein könnten.

Niederlage in Michigan besonders bitter

«Die letzte Nacht war offenkundig keine gute Nacht für unsere Wahlkampagne, mit Blick auf die Delegierten», sagte Sanders am Mittwoch (Ortszeit). Die Niederlage in Michigan, dem Staat mit den meisten Delegierten bei den Vorwahlen am Dienstag, war für Sanders besonders bitter. Denn genau dort hatte er 2016 bei den Vorwahlen gegen Hillary Clinton gewonnen und damit deutlich gemacht, dass er tatsächlich Präsidentschaftskandidat werden könnte.

Am Ende wurde es dann doch Clinton, aber Sanders blieb bis zum Ende der Vorwahlen im Juni im Rennen. Diesmal könnte noch früher klar sein, dass Sanders wieder geschlagen wird. Bidens Wahlkampfteam veröffentlichte am Mittwochabend eine Mitteilung, wonach Sanders kaum noch Chancen habe, die nötige Zahl an Delegierten zu erreichen, um beim Parteitag der Demokraten im Sommer zum Kandidaten gekürt zu werden.

Tatsächlich bräuchte Sanders dafür 57 Prozent der noch ausstehenden Delegiertenstimmen. Sowohl die Regelung, wie diese Stimmen vergeben werden, als auch Wahlmuster aus der Vergangenheit legen nahe, dass das sehr schwierig werden dürfte.

Erst einmal bleibt Sanders aber im Rennen, wie er am Mittwoch klarmachte. Am Sonntag liefert er sich in Arizona ein Wahlkampfduell mit Biden. Wenn in dem US-Staat dann am Dienstag gewählt wird, hofft er vor allem auf die Unterstützung der lateinamerikanischstämmigen Wähler.

Doch nach wie vor sind es vor allem die Jungen, die Sanders unterstützen. Laut einer Umfrage von AP Vote Cast stimmten etwa in Michigan am Dienstag 70 Prozent der Unter-30-Jährigen für Sanders. Doch sie machten nur 14 Prozent der gesamten Wählerschaft bei der Vorwahl aus.

«Demokratischer Sozialismus» bereitet vielen Angst

Der 78-jährige Sanders habe fälschlicherweise geglaubt, dass er über die Jungen die Wählerschaft der Demokraten substanziell ändern konnte, sagt der demokratische Stratege James Carville. «Das war aussichtslos.»

Sanders' Team dürfte auch unterschätzt haben, wie sehr sich die Wähler in den Vororten weg von Trump und hin zu gemässigten Demokraten orientiert haben. Das zeigte sich bereits beim Sieg der Demokraten im Repräsentantenhaus bei den Zwischenwahlen 2018. Gerade die gut gebildeten moderaten Demokraten können mit Sanders' «demokratischem Sozialismus» wenig anfangen, ja er bereitet ihnen — anders als vielen Jungen — regelrecht Angst. Ausserdem stimmen sie oft strategisch ab und zwar für den «wählbarsten» Kandidaten, um Trump im November zu besiegen.

Warnsignal für Trump

«Bernie ist der Kapitän der 35 Prozent. Das ist die magische Zahl der Ultraliberalen, Ultraprogressiven, die ohne Einschränkung zu ihm stehen», sagte der demokratische Meinungsforscher Jeff Pollock. «Ihm ist es nicht gelungen zu wachsen.»

Für Sanders ist das natürlich enttäuschend, aber es sollte auch ein Warnsignal für Trump sein, der ebenso wie Sanders vor allem auf seine glühendesten Unterstützer setzen kann. Sowohl Trump als auch Sanders profitierten 2016 von der Ablehnung von links und rechts gegen Hillary Clinton. «Joe Biden hat diese Feinde nicht», sagt Pollock.


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