Russland

Festnahmen bei Nawalny-Protesten

dpa/toko

23.1.2021 - 09:51

Erst Nawalnys Inhaftierung, dann die Enthüllungen seines Teams über einen angeblichen Riesenpalast Putins: Viele Russen sind empört. Die Opposition ruft für heute zum Protest auf. Doch Behörden warnen die Demonstranten. Im Osten Russlands kam es zu ersten Verhaftungen.

Bei Protesten für die Freilassung des inhaftierten Kremlkritikers Alexej Nawalny hat es im äussersten Osten Russlands Festnahmen gegeben. Nawalnys Anhänger haben für diesen Samstag in mehr als 90 russischen Städten zu Protesten aufgerufen.

In der Grossstadt Chabarowsk, die der Hauptstadt Moskau aufgrund der Zeitverschiebung sieben Stunden voraus ist, veröffentlichten Aktivisten am Samstag Videos von Polizisten, die Demonstranten schlagen und in Gefangenentransporter stecken. Hier richtet sich die Unzufriedenheit der Menschen auch gegen die Inhaftierung eines beliebten Ex-Gouverneurs im Sommer.



Die Behörden drohen mit hohen Strafen für die Teilnahme an den nicht genehmigten Kundgebungen. In den vergangenen Tagen waren bereits zahlreiche Mitstreiter des Oppositionspolitikers festgenommen worden, darunter seine Pressesprecherin Kira Jarmysch. Auch in den Städten Wladiwostok und Irkutsk versammelten sich trotz eisiger Temperaturen Hunderte Demonstranten. Sie skandierten «Wir sind die Macht» und «Putin ist ein Lügner».

Nawalnys Team hatte Anfang der Woche unter dem Titel «Ein Palast für Putin» ein Enthüllungsvideo veröffentlicht, das beweisen soll, dass der Präsident sich aus Schmiergeldern ein riesiges Anwesen am Schwarzen Meer bauen liess. Der fast zweistündige Film hatte nach wenigen Tagen mehr als 65 Millionen Aufrufe auf Youtube. Der Kreml bezeichnet die Vorwürfe als «Unsinn» und «Lüge».

Nawalny war am Montag in Moskau in einem umstrittenen Eilverfahren zu 30 Tagen Haft verurteilt worden. Der 44-Jährige soll gegen Meldeauflagen in einem früheren Strafverfahren verstossen haben, während er sich in Deutschland von einem Attentat erholte. Ihm drohen weitere Prozesse und viele Jahre Gefängnis. Hinter dem Anschlag gegen ihn mit dem Nervengift Nowitschok vom 20. August sieht er ein «Killerkommando» des Inlandsgeheimdienstes FSB unter Wladimir Putins Befehl. Putin und der FSB weisen die Anschuldigungen zurück.

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dpa/toko