Absicht oder Versehen?

Trump hält seine Comeback-Rede auf einer SS-Rune

tsha

1.3.2021

Schwere Vorwürfe: Die Bühne, auf der Donald Trump am Wochenende zu seinen Anhängern sprach, erinnert an die von den Nazis verwendete Odal-Rune.

Dass Donald Trump immer wieder am ganz rechten Rand fischt, ist kein wirklich neuer Vorwurf. Dass der ehemalige US-Präsident aber mit Symbolen der SS um Anhänger wirbt, hätte eine neue Dimension. So zumindest interpretieren Internetnutzer und eine Hotelgruppe ein Bühnenbild, auf dem Trump am Wochenende eine Rede hielt.

Trump war am Sonntag nach Orlando im US-Bundesstaat Florida gereist, um auf einer Veranstaltung der American Conservative Union zu sprechen. Bei seinem ersten Auftritt nach seinem Auszug aus dem Weissen Haus rief er zur Einheit der Republikaner auf und kritisierte Joe Bidens erste Wochen im Amt als «den desaströsesten ersten Monat» eines Präsidenten in der jüngeren Geschichte.



Während seiner Ansprache auf der Conservative Political Action Conference stand Trump auf einer Bühne, die von oben betrachtet an die Odal-Rune erinnert, die neben der SS auch die Hitler-Jugend verwendet hatte: ein Quadrat mit abgewinkelten Zuläufen rechts und links oben. Im Internet wiesen Nutzer auf die Ähnlichkeit hin.

Die Hyatt-Gruppe, in deren Hotel in Orlando Trump gesprochen hatte, distanzierte sich von dem Bühnenbild und sprach in einer Stellungnahme von «Symbolen des Hasses». Für das Design der Bühne seien die Veranstalter verantwortlich gewesen, nicht das Hotel. Diese hätten zugesichert, «dass jede Ähnlichkeit mit einem Symbol des Hasses unbeabsichtigt ist». Wie der «Spiegel» schreibt, bezeichnete Matt Schlapp, Vorsitzender der American Conservative Union, die Vergleiche mit einer SS-Rune als «empörend und verleumderisch».

Kritik kommt unterdessen auch vom Internationalen Auschwitz Komitee. «Seit mehreren Jahren nutzen Nazi-Gruppen in den USA im Umgang mit der Öffentlichkeit die Odal-Rune, um auf ihre ideologische Verankerung hinzuweisen und ihre Botschaft in die Öffentlichkeit zu tragen», teilte der Vizepräsident des Komitees, Christoph Heubner, am Montag in Berlin mit.

«Emoji» oder Nazi-Symbol?

Es ist nicht der erste Vorfall, bei dem Trump für die angebliche Verwendung von Symbolen aus der Zeit des Nationalsozialismus kritisiert wird. Während des Wahlkampfes hatte Trumps Team auf Facebook in einer Werbeanzeige vor «gefährlichen Mobs von linksradikalen Gruppen» geschrieben, die «durch unsere Strassen laufen und absolutes Chaos verursachen». Illustriert war der Post mit einem auf dem Kopf stehenden roten Dreieck – mit demselben Symbol hatten die Nazis in den Konzentrationslagern politische Gegner gekennzeichnet.

Nachdem Facebook den Post wegen der Verwendung von Hasssymbolen gelöscht hatte, behauptete Trumps Wahlkampfteam, bei dem Dreieck habe es sich lediglich um ein «Emoji» gehandelt.

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