Bauern-Proteste

Indische Regierungsanhänger empört über Tweet von Rihanna

AP/toko

5.2.2021 - 00:00

Indische Landwirte protestieren auf Traktoren gegen neue Landwirtschaftsgesetze
Indische Landwirte protestieren auf Traktoren gegen neue Landwirtschaftsgesetze
Altaf Qadri/AP/dpa

Rihanna hatte auf die Proteste von Bauern in Indien verwiesen. Unterstützung bekommen die Demonstranten von Greta Thunberg und der Nichte von US-Vizepräsidentin Kamala Harris. Anhänger der Partei von Premierminister Narendra Modi nennen das Propaganda.

Ein Tweet von Sängerin Rihanna über die Massenproteste von Bauern in Indien hat für Aufsehen gesorgt. Die Kontroverse begann am Dienstag, als Rihanna bei Twitter an ihre mehr als 101 Millionen Follower schrieb: «Warum reden wir nicht darüber?!». Sie verlinkte auf einen Bericht des Senders CNN, in dem es darum ging, dass in Indien der Internetzugang an den Protestorten der Bauern blockiert wurde. Inzwischen haben Regierungsminister und indische Prominente dazu aufgerufen, Ausländer anzuprangern, die versuchten, das Land zu teilen.

Seit mehr als zwei Monaten protestieren Bauern gegen Agrargesetze in Indien, die nach ihren Angaben für mehr Armut unter ihnen sorgen werden. Zehntausende von ihnen harren an der Stadtgrenze von Neu Delhi aus. Für den indischen Premierminister Narendra Modi stellen die Proteste eine grosse Herausforderung dar. Modi hat die Gesetze als notwendig für eine Modernisierung der indischen Agrarwirtschaft dargestellt.

Die grösstenteils friedlichen Proteste waren am 26. Januar mit Gewalt verbunden. Damals stürmte ein Teil der Bauern die Anlage Rotes Fort aus dem 17. Jahrhundert. Hunderte Polizisten und Dutzende Bauern wurden verletzt. Ein Demonstrant wurde getötet. Seitdem haben die Behörden die Sicherheit an Protestorten vor Neu Delhi verschärft. Sie brachten dort Zacken aus Eisen und Stahlbarrikaden an, um Demonstranten von der Einfahrt in die Hauptstadt abzuhalten. Die Regierung schränkte bis Dienstagabend den Zugang zu mobilem Internet dort ein.



Nach dem Tweet von Rihanna folgte Empörung von Anhängern der Partei von Modi. Das indische Aussenministerium warf «ausländischen Einzelpersonen» und Prominenten «Sensationalismus» vor. Die Klimaaktivistin Greta Thunberg und die Nichte der US-Vizepräsidentin Kamala Harris, Meena Harris, äusserten bei Twitter ihre Unterstützung für die Proteste. Die Tweets von Rihanna und Thunberg veranlassten fast jedes ranghohe Mitglied der Bharatiya Janata Party von Modi zu einer Reaktion. Der indische Innenminister Amit Shah teilte mit, «keine Propaganda kann Indiens Einheit aufhalten».

Seit mehr als Monaten protestieren indische Bauern gegen die Deregulierung der Landwirtschaft.
Seit mehr als Monaten protestieren indische Bauern gegen die Deregulierung der Landwirtschaft.
Manish Swarup/AP/dpa

Entertainer aus der Bollywood-Szene und Sportstars traten in Tweets für die Regierung ein. Sie verwendeten die Hashtags #IndiaAgainstPropaganda (Indien gegen Propaganda) und #IndiaTogether (Indien gemeinsam). Sie forderten Personen von ausserhalb des Landes auf, sich nicht in die inneren Angelegenheiten einzumischen.

Die Bollywood-Schauspielerin Kangana Ranaut zitierte in einem Tweet die Nachricht von Rihanna und schrieb, «niemand redet darüber, weil sie keine Bauern sind, sie sind Terroristen, die versuchen, Indien zu spalten».

Der Chef der oppositionellen Kongresspartei, Shashi Tharoor, teilte mit, die Schäden am indischen Image durch das «undemokratische Verhalten» der Regierung könnten nicht dadurch behoben werden, dass ein Prominenter Tweets absetze.

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