«Mir fällt keine Stärke von Biden ein» – «Trump spaltet das Land»

Gil Bieler

4.8.2020 - 18:00

Donald Trump gegen Joe Biden: Im November entscheidet sich das Duell um das Weisse Haus.
Bilder: Keystone

In gut drei Monaten wählen die USA einen neuen Präsidenten – und die beiden Parteien von Donald Trump und Joe Biden schenken sich nichts. Das zeigt sich auch bei den Republikanern und Demokraten in der Schweiz.

Vier weitere Jahre Donald Trump? Oder soll der Demokrat Joe Biden ins Weisse Haus einziehen? In knapp drei Monaten wählen die Amerikanerinnen und Amerikaner einen neuen Präsidenten. Beide Parteien müssen ihre Kandidaten zwar noch offiziell nominieren, doch das gilt als reine Formsache: Das Duell Trump vs. Biden ist gesetzt.

Im US-Wahlkampf wird traditionell mit harten Bandagen gekämpft – und auch die Schweizer Ableger der beiden US-Parteien lassen kein gutes Haar am Kandidaten der Gegenseite. «Mir fällt keine einzige Stärke von Joe Biden ein», sagt der Republikaner James Foley auf Anfrage von «Bluewin».

Für den Demokraten Vance White dagegen steht fest: Die Regierung Trump habe das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Nation und des Präsidentenamtes schwer beschädigt. «Joe Biden müsste diese Wunden heilen», erklärt White auf Anfrage.

«Bluewin» hat beide Seiten zu den wichtigsten Aspekten der US-Wahlen befragt. In der Folge die Antworten, die der Übersichtlichkeit halber mit «Demokraten» respektive «Republikaner» eingeführt werden.

Welche Herausforderungen warten auf den Sieger?

Demokraten: Eine der grössten Herausforderung im Amt wäre es für Biden, das Land zu einen: «Die USA sind tiefer gespalten und polarisiert, als vorstellbar war, und die Bürger mussten sich leider an die negative und spaltende Rhetorik aus dem Präsidentenamt gewöhnen», kritisiert White, Vorsteher der Democrats Abroad Switzerland.

Im Inland werde Biden Brücken schlagen und das angeschlagene Vertrauen der Mittelklasse in die Regierung wiedergewinnen müssen, deren Interessen ignoriert worden seien. Auf internationaler Ebene müsste er «auf unsere Verbündeten zugehen und die Beziehungen und Vereinbarungen, die in den letzten Jahren zerstört wurden, wiederaufbauen». 

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Republikaner: Und was befürchtet die Gegenseite, sollte Biden gewinnen? «Chaos und einen Abstieg in den Sozialismus wie in Venezuela», antwortet James Foley, der Vorsitzende der Republican’s Overseas Switzerland. Ganz auf Trumps Linie sieht auch er Biden als Marionette einer radikalen Linken. Für Foley steht fest: «Sie werden die Kontrolle übernehmen, wenn Biden gewinnt.»

Würde dagegen Trump wiedergewählt, müsste er «die Ordnung in von Demokraten kontrollierten Städten wiederherstellen», sagt der Republikaner. Er spricht damit die Ausschreitungen an, zu denen es im Zuge der anhaltenden Proteste gegen Rassismus vor allem in Portland kam. Die US-Regierung hatte gegen den Willen der lokalen Behörden bewaffnete Sicherheitskräfte dorthin entsandt. Erst vor Kurzem erklärte sich Washington bereit, diese wieder abzuziehen.

Als weitere Prioritäten nennt Foley, «alle US-Truppen heimzuholen und die Staatsschulden abzubauen». Auch im Dauerstreit zwischen Trump und den Sicherheitsbehörden schlägt sich Foley bedingungslos auf die Seite des Präsidenten und übernimmt dessen Narrativ: «Korrupte Agenten des FBI und des Justizdepartements» müssten rechtlich belangt werden.

Der Glaube an den Sieg

Republikaner: Daran, dass ihre Seite im November gewinnt, haben beide Parteien keine Zweifel: «Die Demokraten haben keine Message und Joe Biden ist ein schrecklicher Nominierter», meint der Republikaner Foley.

Demokraten: Ganz anders sieht man das in Bidens Partei: «Joe Biden hat die stärkere Botschaft für die amerikanischen Wähler», sagt der Demokrat White, «dank seiner programmatischen Vorschläge, um die amerikanischen Interessen, Werte und Infrastruktur wiederaufzubauen und zu stärken». Zudem werde Biden eine Regierungsmannschaft aus erfahrenen Experten zusammenstellen, die «die Verfassung verstehen und wissen, was es bedeutet, zu seinem Wort zu stehen und stets die Wahrheit zu sagen».

Schwächen der Kandidaten

Demokraten: Beide Kandidaten sind nicht ohne Schwächen: Dass die Demokraten mit dem 77-jährigen Biden einen älteren weissen Mann ins Rennen schicken, sorgte in den parteiinternen Vorwahlen bereits für Kritik. Dass in der demokratischen Partei Diskussionen über die Geschlechterfrage und Hautfarbe («gender and racial issues») geführt würden, sei unvermeidbar, sagt Vince White. Er sieht darin eine Stärke der Partei. Und beteuert, dass Biden diese Vielfalt auch bei der Zusammenstellung seiner Regierungsmannschaft berücksichtigen werde. So habe Biden bereits angekündigt, eine Frau als Vizepräsidentin zu ernennen.

White ist sich sicher: «Viele der aktuellen Konflikte in den USA kochen hoch, weil die aktuelle Regierung weder das nötige Mitgefühl noch Verständnis dafür hat, wie Ungleichheit das tägliche Leben und die wirtschaftliche Realität all jener beeinflusst, die keine weissen Männer sind.»

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Republikaner: Trump wiederum schlägt dieser Tage viel Kritik für sein Handeln in der Coronakrise entgegen. Auch hier argumentiert der Republikaner James Foley voll auf Linie des Präsidenten: Er sieht darin «Übertreibungen der Fake-News-Presse, die Präsident Trump hasst». Auf Nachfrage, was genau er anzweifelt, sagt Foley: «Die Covid-Fallzahlen sind überhöht. Für US-Spitäler gibt es finanzielle Anreize, die Zahlen zu frisieren.»

Er verweist konkret auf Ungereimtheiten im – republikanisch regierten – Bundesstaat Florida, wo einige kleinere Kliniken laut Medienberichten nur die positiven Testergebnisse dem Gesundheitsamt gemeldet haben. Ob dies jedoch erklären würde, dass Florida zu einem Hotspot der Pandemie geworden ist, ist zweifelhaft.

Wie steht es eigentlich um Trumps Image in der Schweiz? Als offizieller Vertreter der republikanischen Partei in der Schweiz erhalte er «viele überraschend positive Reaktionen» auf den US-Präsidenten, sagt Foley. «Viele Schweizer sind Gegner der EU und der Globalisierung.» Oft werde auch gelobt, dass Trump sich nicht scheue, zu sagen, was er denke.

Demokraten: Trump habe es tatsächlich geschafft, eine Basis an Unterstützern zu halten, die ihm loyal ergeben seien – das attestieren ihm auch die Demokraten. «Trotzdem glauben wir, dass Trump nicht das Beste für alle Amerikaner im Sinn hat.» Man hoffe, dass die Wähler die «Inkompetenz und Ablenkungsmanöver» des Präsidenten durchschauen – und dass die US-Bürger in Übersee sicherstellen, dass sie ihre Stimme rechtzeitig abgeben könnten.

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