Schwindel aufgeklärt

Mysteriöser Monolith war Werbeaktion der türkischen Regierung

dpa/tpfi

9.2.2021 - 21:24

Sicherheitskräfte wurden nach Sanliurfa gerufen, um das Gebiet absperrten, während neugierige Einheimische sich um das Fundstück herum sammelten.
Sicherheitskräfte wurden nach Sanliurfa gerufen, um das Gebiet absperrten, während neugierige Einheimische sich um das Fundstück herum sammelten.
Bild: Keystone

Ein auf mysteriöse Weise in der Türkei aufgetauchter und wieder verschwundener Monolith war eine Werbeaktion der Regierung. Sie ging einer Veranstaltung voraus, auf der Präsident Recep Tayyip Erdogan am Donnerstag ein Raumfahrtprogramm bekannt gab.

Die drei Meter hohe Metallsäule war am Freitag von einem Bauern in der Provinz Sanliurfa gefunden worden. Auf dem Block lautet eine Inschrift in altem Türkisch: «Schau in den Himmel, du wirst den Mond sehen.» Er befand sich auf einem Feld in der Nähe von Göbekli Tepe, wo Steinsäulen sind, die bis ins zehnte Jahrtausend vor Christus zurückreichen. Sie sind Tausende Jahre älter als die Anlage Stonehenge.

Am Dienstag wurde jedoch berichtet, dass der Monolith verschwunden sei. Später wurde ein Bild der Säule auf einem Bildschirm gezeigt, als Erdogan das Raumfahrtprogramm des Landes bei einer im Fernsehen übertragenen Veranstaltung vorstellte. «Ich präsentiere Ihnen jetzt die Zehn-Jahres-Vision, -Strategie und -Ziele der Türkei und ich sage: «Schau in den Himmel, du wirst den Mond sehen.»

Zuvor hatte der Besitzer des Felds der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge gesagt, dass er sowohl über das Erscheinen als auch das Verschwinden des Monolithen verblüfft sei. «Wir wissen nicht, ob er für Marketingzwecke oder als Werbung auf meinem Feld platziert wurde», sagte Fuat Demirdil demnach. «Bewohner können das Rätsel des metallenen Blocks auch nicht lösen.» Der örtliche Bewohner Hasan Yildiz wurde von Anadolu mit der Aussage zitiert, die Säule sei am Montagabend noch auf dem Feld gewesen.

In mehreren Ländern sind in den vergangenen Monaten ebenfalls mysteriöse Monolithen aufgetaucht. Einige von ihnen sind auch wieder verschwunden.

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dpa/tpfi