Nach Urteil in London

Mexiko bietet Assange Asyl an

sda/dpa/toko

4.1.2021 - 20:35

Nach der Ablehnung des US-Auslieferungsantrages hat Mexiko Wikileaks-Gründer Julian Assange politisches Asyl angeboten.

Mexiko will dem Wikileaks-Gründer Julian Assange politisches Asyl bieten. Er werde Aussenminister Marcelo Ebrard anweisen, einen entsprechenden Antrag bei den Behörden Grossbritanniens zu stellen, erklärte Staatspräsident Andrés Manuel López Obrador am Montag in seiner täglichen Pressekonferenz. Er verwies auf Mexikos Tradition, politisch Verfolgten Schutz zu bieten. Das nordamerikanische Land sorge aber auch dafür, dass diese sich nicht in die Angelegenheiten anderer Staaten einmischten.

Ein Gericht in London hatte eine Auslieferung von Assange an die USA am Montag abgelehnt. Die Richterin begründete dies mit dem psychischen Gesundheitszustand Assanges und den Haftbedingungen, die ihn in den USA erwarten würden. Die US-Justiz wirft dem gebürtigen Australier vor, gemeinsam mit der Whistleblowerin Chelsea Manning – damals Bradley Manning – geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan gestohlen und veröffentlicht zu haben. Der 49-Jährige habe damit das Leben von US-Informanten in Gefahr gebracht. Seine Unterstützer sehen in ihm einen investigativen Journalisten, der Kriegsverbrechen ans Licht gebracht hat.

Wikileaks-Gründer Julian Assange spricht 2016 von einem Balkon der Botschaft von Ecuador zu Journalisten.
Wikileaks-Gründer Julian Assange spricht 2016 zu Journalisten — damals noch von einem Balkon der Botschaft von Ecuador in London.
picture alliance / Facundo Arrizabalaga/EPA/dpa

López Obrador nannte das Urteil einen «Triumph der Justiz». Er sei für eine Begnadigung von Assange. Der mexikanische Staats- und Regierungschef ist ein Linkspopulist und Nationalist, hat sich bisher mit dem scheidenden US-Präsidenten Donald Trump allerdings gut verstanden hat. Mexiko war in der Vergangenheit immer wieder ein Zufluchtsort für Linke. So kamen etwa Spanier während des dortigen Bürgerkriegs, unter ihnen der Filmregisseur Luis Buñuel, und Südamerikaner während der Militärdiktaturen der 1970er Jahre. Zuletzt ging Ende 2019 Boliviens Ex-Präsident Evo Morales nach seinem erzwungenem Rücktritt für rund einen Monat ins mexikanische Exil.

Zurück zur Startseite

sda/dpa/toko