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Selenskyj nimmt Putins Atomdrohungen ernst +++ Russland greift Odessa mit Drohnen an

Agenturen, smi

25.9.2022

Selenskyj rät russischen Soldaten zum Desertieren

Selenskyj rät russischen Soldaten zum Desertieren

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat russischen Soldaten geraten, sich der ukrainischen Armee zu ergeben. Niemand in Russland werde herausfinden, dass sich jemand freiwillig ergeben habe, sagte Selenskyj.

25.09.2022

Der Schweizer Nachrichtendienst rechnet mit steigendem Druck auf die Schweiz. Präsident Selenskyj lädt russische Soldaten dazu ein, sich in Kriegsgefangenschaft zu begeben und er nimmt Putins Atomdrohung ernst. Die Entwicklungen in der Übersicht.

Agenturen, smi

25.9.2022

«Odessa wurde erneut von feindlichen Kamikaze-Drohnen angegriffen», teilte die ukrainische Armee am Sonntag mit. Ein Verwaltungsgebäude im Zentrum der südukrainischen Hafenstadt sei dreimal getroffen worden. Es habe sich um iranische Drohnen gehandelt, sagte eine Militärsprecherin. Tote oder Verletzte gab es den Angaben zufolge nicht, eine Drohne wurde von der ukrainischen Luftabwehr abgeschossen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat deutlich gemacht, dass er die Atomdrohungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin ernst nimmt. «Vielleicht war es gestern ein Bluff. Jetzt könnte es Realität sein», sagte Selenskyj dem US-Sender CBS News in einem am Sonntag veröffentlichten Interview laut Übersetzung.

Bei einem Protest gegen die Mobilmachung von Reservisten sind Polizisten laut Bürgerrechtlern in der russischen Teilrepublik Dagestan im Kaukasus mit Warnschüssen gegen Demonstranten vorgegangen. Im Dorf Endirej blockierten Anwohner eine Strasse, um so die von Russland Präsident Wladimir Putin angeordnete Teilmobilisierung zu behindern, wie die unabhängige Organisation OVD-Info am Sonntag mitteilte.

Der belarussische Aussenminister Wladimir Makei hat die Nato für den russischen Angriff auf die Ukraine verantwortlich gemacht und Hilfe beim Vermitteln eines Waffenstillstands angeboten. Die Nato habe mit ihrer Osterweiterung nach dem Ende des Kalten Krieges die Sicherheitsinteressen von Russland und Belarus missachtet und versucht, in «historische ostslawische und angrenzende Länder vorzudringen», sagte Makei am Samstag (Ortszeit) in der UN-Vollversammlung. «Deshalb ist es der kollektive Westen, der die volle Verantwortung für das Blutvergiessen in der Ukraine tragen muss», sagte er.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat deutlich gemacht, dass er die Atomdrohungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin ernst nimmt.
  • Am Sonntag hat Russland erneut Odessa angegriffen. Die Attacken mit iranischen Kamikaze-Drohnen verursachten laut ukrainischer Armee aber keine Todesopfer.
  • 2500 Autos versuchen an der russisch-georgischen Grenze das Land in Richtung Süden zu verlassen. Die Wartezeit beträgt rund 36 Stunden.
  • In den von Moskau besetzten Gebieten im Osten und Süden der Ukraine ziehen die Besatzer die Scheinreferenden über einen Beitritt der Regionen zu Russland trotz Beschuss weiter durch.
  • In einer Videobotschaft hat Ukraines Präsident Wolodymr Selenskyj russische Soldaten zur Fahnenflucht aufgerufen.
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  • 21.35 Uhr
    Brite berichtet über Folter in russischer Gefangenschaft

    Ein durch einen Gefangenenaustausch im Ukraine-Krieg freigekommener Brite hat in einem Interview von Folter in russischer Gefangenschaft berichtet. Er sei während Verhören wiederholt mit einem Schlagstock geprügelt und gezwungen worden, die russische Nationalhymne zu singen, sagte Aiden Aslin der britischen Zeitung «The Sun» (Sonntagsausgabe). Aslin ist einer von fünf Briten, die am Mittwoch aus russischer Kriegsgefangenschaft nach Riad ausgeflogen wurden.

    Der 28-Jährige aus dem zentralenglischen Nottinghamshire lebte zu Beginn des Krieges in der Ukraine und diente im dortigen Militär. Er wurde bei Kämpfen um Kiew gefangen genommen und im Juni von prorussischen Separatisten in Donezk als Söldner zum Tode verurteilt.

    Aslin erzählte, während eines Verhörs gegen die Stirn geschlagen worden und dann zu Boden gefallen zu sein. Ein Offizier habe sich neben ihn gekniet und auf Russisch gesagt: «Ich bin dein Tod.» Der Mann habe dann auf Aslins Rücken gezeigt. «Er zeigte mir sein Messer und mir wurde klar, dass er damit zugestochen hatte», sagte der 28-Jährige, der mehrere Narben auf seinem Rücken zeigte.

    Aslin sagte, er sei in einer Einzelzelle mit Läusen, Kakerlaken und ohne Tageslicht eingesperrt gewesen und «schlimmer als ein Hund behandelt» worden. Die Zeitung schrieb, seine Bewacher hätten «die russische Nationalhymne in Dauerschleife gespielt» und ihn unter Androhung weiterer Schläge gezwungen, aufzustehen und mitzusingen.

    Aslin wurde im Zuge eines Häftlingsaustauschs zwischen Russland und der Ukraine befreit. Die Gefangenen aus Russland wurden nach Saudi-Arabien überstellt. Die Ukraine hatte Russland bereits kurz nach dem Austausch Folter vorgeworfen.

  • 20.48 Uhr
    Ultraorthodoxe Juden pilgern trotz Kriegs in die Ukraine

    Zehntausende orthodoxe Juden haben sich ungeachtet des russischen Angriffskriegs für eine jährliche Pilgerfahrt in der ukrainischen Stadt Uman versammelt. Die ukrainische Polizei wollte am Sonntag aus Sicherheitsgründen keine genauen Pilgerzahlen veröffentlichen. Die United Jewish Community of Ukraine erklärte jedoch, dass 23.000 Pilger gekommen seien. Die Gläubigen wollten in Uman das Neujahrsfest Rosch Haschana feiern.

    Jedes Jahr kommen chassidische Juden aus der ganzen Welt am jüdischen Neujahrsfest in die Stadt, um das Grab von Rabbi Nachman zu besuchen, dem Gründer der ultraorthodoxen Strömung. Die zentralukrainische Stadt ist zwar relativ weit von der Front entfernt. Doch sowohl ukrainische als auch israelische Behörden hatten die Gläubigen gedrängt, die Feierlichkeiten vom 25. bis 27. September in diesem Jahr ausfallen zu lassen.

    Doch trotz der Warnungen kamen zahlreiche Chassiden in traditionell schwarzer Kleidung nach Uman und feierten auf der Strasse. Pilger Aaron Allen sagte der Nachrichtenagentur AFP, es handele sich um «den wichtigsten Tag des Jahres, um mit Gott in Verbindung zu treten und dies ist ein grossartiger Ort, um es zu tun». Er habe Sirenen gehört, doch als Israeli «sind wir an Sirenen gewöhnt, wir wissen was zu tun ist. Wir fühlen uns recht sicher», sagte der 48-Jährige.

    Die Polizei sperrte die Gegend weiträumig ab und erlaubte nur Anwohnern und Pilgern den Zutritt. Der Verkauf von Alkohol, Feuerwerk und Spielzeugpistolen wurde verboten. Zudem wurde eine nächtliche Ausgangssperre verhängt.

  • 20.03 Uhr
    Selenskyj: Annexion macht Verhandlungen mit Russland unmöglich

    Eine Annexion ukrainischer Gebiete durch Russland macht Verhandlungen mit dem Kreml aus Sicht des ukrainischen Präsident Wolodymyr Selenskyj unmöglich. Die Regierung in Moskau könne den Abschluss der Abstimmungen und die Ergebnisse offiziell verkünden.

    «Dies würde eine Fortsetzung der diplomatischen Verhandlungen mit dem Präsidenten der Russischen Föderation auf jeden Fall unmöglich machen», sagte Selenskyj dem US-Sender CBS News in einem am Sonntag veröffentlichten Interview laut Übersetzung. Kremlchef Wladimir Putin wisse das sehr gut.

    Seit Freitag wird in den vier russisch besetzten Gebieten Cherson, Donezk, Luhansk und Saporischschja in Scheinreferenden über einen Beitritt zu Russland abgestimmt. Die international als Bruch des Völkerrechts kritisierten Abstimmungen sind noch bis Dienstag angesetzt. Erwartet wird, dass Putin die Gebiete schon am Freitag in die Russische Föderation aufnehmen könnte.

    Selenskyj hatte bereits in der Vergangenheit gewarnt, dass die Scheinreferenden alle Chancen auf Friedensverhandlungen zunichte machen würden.

  • 18.49 Uhr
    Selenskyj nimmt Putins Atomdrohungen ernst

    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat deutlich gemacht, dass er die Atomdrohungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin ernst nimmt. «Vielleicht war es gestern ein Bluff. Jetzt könnte es Realität sein», sagte Selenskyj dem US-Sender CBS News in einem am Sonntag veröffentlichten Interview laut Übersetzung.

    Selenskyj verwies auf die Gefechte um das von Russland besetzte ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja und sagte: «Er (Putin) will die ganze Welt erschrecken. Dies sind die ersten Schritte seiner nuklearen Erpressung. Ich glaube nicht, dass er blufft.»

    Wolodymyr Selenskyj hält einen Atomschlag Putins für möglich.
    Wolodymyr Selenskyj hält einen Atomschlag Putins für möglich.
    Bild: Keystone/AP/Ukrainian Presidential Press Office

    Putin hatte am Mittwoch die Mobilisierung von 300'000 Reservisten für den Angriffskrieg gegen die Ukraine angekündigt – er sagte dabei auch: «Wenn die territoriale Integrität unseres Landes bedroht wird, werden wir zum Schutz Russlands und unseres Volkes unbedingt alle zur Verfügung stehenden Mittel nutzen. Das ist kein Bluff.» Beobachter sahen darin eine Drohung mit dem Einsatz von Atomwaffen.

    Der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, sagte dem Sender am Sonntag, die US-Regierung habe dem Kreml «direkt, privat, auf sehr hoher Ebene» mitgeteilt, dass jeder Einsatz von Atomwaffen katastrophale Folgen für Russland haben werde. Russland sei auch gewarnt worden, dass die USA und ihre Verbündeten entschlossen reagieren würden.

  • 17.39 Uhr
    Serbien wird Scheinreferenden nicht anerkennen

    Trotz der guten Beziehungen Serbiens zu Moskau wird die Regierung in Belgrad die Ergebnisse der Scheinreferenden in den von Russland besetzten Gebieten in der Ukraine nicht anerkennen. Das sagte Serbiens Aussenminister Nikola Selakovic am Sonntag bei einer Pressekonferenz in Belgrad, wie serbische Medien berichteten. Eine Anerkennung dieser Scheinreferenden «würde völlig gegen unsere nationalen und staatlichen Interessen, die Wahrung der Souveränität und territorialen Integrität und die Unverletzlichkeit der Grenzen verstossen», sagte der Minister.

    Selakovic bezog sich damit auf die aus Belgrader Sicht vorliegende Parallele zwischen Russlands Angriff auf die Ukraine und dem Kosovo-Problem. Darauf hatte auch Serbiens Präsident Aleksandar Vucic zuletzt bei der UN-Vollversammlung in New York hingewiesen: «Was ist der Unterschied zwischen der (Souveränität) der Ukraine und der Serbiens? Die Souveränität und territoriale Integrität Serbiens wurden grob verletzt und das haben Sie, oder zumindest einige von Ihnen, legitimiert und international anerkannt», sagte Vucic.

    Die ehemalige serbische Provinz Kosovo hatte 2008 ihre Unabhängigkeit erklärt. Diese wird von Serbien nicht anerkannt, wohl aber von den meisten anderen Staaten. Zum Thema Ukrainekonflikt laviert Vucic zwischen Russland und dem Westen. Er akzeptierte eine Verurteilung des russischen Angriffs auf die Ukraine durch die UN, lehnte aber Sanktionen gegen Russland ab.

  • 16.45 Uhr
    Britische Premier: Sollten nicht auf Putins Säbelrasseln hören

    Die britische Premierministerin Liz Truss hat die Länder des Westens aufgefordert, sich nicht vom russischen Präsidenten Wladimir Putin provozieren zu lassen. «Wir sollten nicht auf sein Säbelrasseln und seine leeren Drohungen hören», sagte Truss dem US-Sender CNN in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview. «Stattdessen müssen wir Russland weiterhin mit Sanktionen belegen und die Ukrainer unterstützen.»

    Wenn Putin Erfolg hätte, wäre das nicht nur eine schreckliche Botschaft in Europa und eine grosse Bedrohung für die ukrainische Bevölkerung selbst, sagte Truss. «Es wäre auch eine Botschaft an andere autoritäre Regime auf der ganzen Welt, dass es irgendwie akzeptabel ist, in ein souveränes Land einzufallen.» Deshalb sei es so wichtig, dass der Westen weiterhin geschlossen handle.

    Putin habe erkannt, dass er den Krieg nicht gewinnen werde, sondern mit der Invasion in die Ukraine einen strategischen Fehler gemacht habe. Das sei der Grund für sein Handeln.

    Die britische Premierministerin Liz Truss forderte weitere Sanktionen gegen Russland – trotz der Teilmobilmachung, die Wladimir Putin zuletzt angeordnet hatte.
    Die britische Premierministerin Liz Truss forderte weitere Sanktionen gegen Russland – trotz der Teilmobilmachung, die Wladimir Putin zuletzt angeordnet hatte.
    Bild: Keystone/ZUMA Press Wire/Tayfun Salci
  • 16.03 Uhr
    Deutschland erhält Flüssiggas aus den Emiraten

    Als Ersatz für ausbleibende Energielieferungen aus Russland erhält Deutschland Flüssiggas (LNG) aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Während des Besuchs von Bundeskanzler Olaf Scholz in dem Golfstaat schloss der Essener Energiekonzern RWE am Sonntag einen Vertrag über eine erste Lieferung von 137'000 Kubikmetern LNG ab.

    Es soll die erste Lieferung sein, die im Dezember 2022 am neuen LNG-Terminal in Brunsbüttel bei Hamburg eintreffen soll. Laut RWE wurde ein Memorandum über mehrjährige Lieferungen ab 2023 unterzeichnet.

    Zum Vergleich: Vor Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine floss allein am 1. Februar nach Angaben des Betreibers Gas mit einer Energiemenge von 1,7 Millionen Kilowattstunden durch die Pipeline Nord Stream 1. Die jetzt vereinbarte erste Lieferung von 137'000 Kubikmetern Flüssiggas für RWE per Schiff aus den Vereinigten Arabischen Emiraten entspricht 1,37 Millionen Kilowattstunden.

    Der Besuch des deutschen Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD) zeigt Wirkung: Deutschland erhält Flüssiggaslieferungen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.
    Der Besuch des deutschen Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD) zeigt Wirkung: Deutschland erhält Flüssiggaslieferungen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten.
    Bild: Keystone/dpa/Carsten Koall
  • 15.25 Uhr
    Warnschüsse bei Anti-Kriegs-Protest in Russland

    Bei einem Protest gegen die Mobilmachung von Reservisten sind Polizisten laut Bürgerrechtlern in der russischen Teilrepublik Dagestan im Kaukasus mit Warnschüssen gegen Demonstranten vorgegangen. Im Dorf Endirej blockierten Anwohner eine Strasse, um so die von Russland Präsident Wladimir Putin angeordnete Teilmobilisierung zu behindern, wie die unabhängige Organisation OVD-Info am Sonntag mitteilte.

    Auf Videos ist zu sehen, wie Polizisten Gewehre in die Luft richten, dann sind Schüsse zu hören. Auch Gerangel zwischen Anwohnern und Beamten ist zu sehen. Laut dagestanischen Medien war der Protest eine Reaktion darauf, dass aus dem Dorf 110 Männer in den Krieg gegen die Ukraine gezwungen wurden.

    Angesichts jüngster Niederlagen seiner Armee hatte Kremlchef Putin am vergangenen Mittwoch angeordnet, nun auch Reservisten zum Kampf in der Ukraine zu verpflichten. Seitdem herrscht bei vielen Russen grosse Panik. Der russische Angriffskrieg dauert bereits seit mehr als sieben Monaten an.

    Das muslimisch geprägte Dagestan gehört zu den Regionen Russlands, aus denen Beobachtern zufolge besonders viele Männer eingezogen werden. Aktivisten beklagen, dass Angehörige ethnischer Minderheiten besonders stark von der Mobilmachung betroffen sind und sprechen deshalb teils sogar von «ethnischen Säuberungen».

  • 15.05 Uhr
    Belarus gibt Nato Schuld an Ukrainekrieg

    Der belarussische Aussenminister Wladimir Makei hat die Nato für den russischen Angriff auf die Ukraine verantwortlich gemacht und Hilfe beim Vermitteln eines Waffenstillstands angeboten. Die Nato habe mit ihrer Osterweiterung nach dem Ende des Kalten Krieges die Sicherheitsinteressen von Russland und Belarus missachtet und versucht, in «historische ostslawische und angrenzende Länder vorzudringen», sagte Makei am Samstag (Ortszeit) in der UN-Vollversammlung. «Deshalb ist es der kollektive Westen, der die volle Verantwortung für das Blutvergiessen in der Ukraine tragen muss», sagte er.

    Makeis Aussagen entsprechen weitgehend den Argumenten, mit denen Russland seine Invasion in die Ukraine zu begründen versucht. Er forderte, kein Staat dürfe seine Sicherheit auf Kosten anderer Länder suchen. Dies sei ein entscheidendes Prinzip. Die meisten Staaten wollten eine multipolare Welt, in der niemand seine Vorstellungen, Werte und Interessen anderen aufzwingen könne, wie es der Westen in den vergangenen 50 Jahren getan habe.

    Makai erklärte westliche Sanktionen gegen Russland und Belarus einerseits für wirkungslos, machte sie aber zugleich für weltweit steigende Energie- und Lebensmittelpreise verantwortlich. Belarus sei bereit, einen Waffenstillstand und ein umfassendes, strategisches Friedensabkommen zwischen Russland und der Ukraine zu vermitteln, sagte er.

  • 14.28 Uhr
    Russland greift Odessa mit Kamikaze-Drohnen an

    «Odessa wurde erneut von feindlichen Kamikaze-Drohnen angegriffen», teilte die ukrainische Armee am Sonntag mit. Ein Verwaltungsgebäude im Zentrum der südukrainischen Hafenstadt sei dreimal getroffen worden. Es habe sich um iranische Drohnen gehandelt, sagte eine Militärsprecherin. Tote oder Verletzte gab es den Angaben zufolge nicht, eine Drohne wurde von der ukrainischen Luftabwehr abgeschossen.

    Am Freitag waren in Odessa nach Angaben Kiews bei einem russischen Angriff mit iranischen Drohnen bereits zwei Zivilisten getötet worden. Der ukrainischen Armee zufolge waren im Süden des Landes zudem vier Drohnen aus iranischer Produktion abgeschossen worden.

    Als Reaktion darauf kündigte Kiew an, die diplomatische Vertretung des Iran in der Ukraine deutlich einzuschränken. Dem iranischen Botschafter solle die Akkreditierung entzogen und die Zahl des diplomatischen Personals der iranischen Botschaft in Kiew deutlich reduziert werden, kündigte das ukrainische Aussenministerium an. Die iranischen Waffenlieferungen seien «ein feindseliger Akt, der den Beziehungen zwischen der Ukraine und dem Iran schweren Schaden zufügt».

  • 13.17 Uhr
    36 Stunden Wartezeit an russisch-georgischer Grenze

    Reuters-Reporter Jake Cordell berichtet von einer Schlange von 2500 Autos, die sich an der russisch-georgischen Grenze in Richtung des südlichen Nachbarlands stauen. Die Wartezeit betrage nun rund 36 Stunden.

  • 10.24 Uhr
    Ukrainische Armee beschiesst Städte, in denen die russischen Besatzer Scheinreferenden abhalten

    In den von Moskau besetzten Gebieten im Osten und Süden der Ukraine ziehen die Besatzer die Scheinreferenden über einen Beitritt der Regionen zu Russland trotz Beschuss weiter durch. Nach Angaben der Besatzungsbehörden starben im Gebiet Cherson am Sonntag zwei Menschen in einem Hotel bei einem ukrainischen Raketenangriff. In der Stadt Altschewsk im Gebiet Luhansk teilten die Behörden mit, dass in Bombenschutzkellern abgestimmt werden könne.

    In der Stadt Enerhodar im Gebiet Saporischschja musste ein Wahllokal wegen massiven Beschusses von ukrainischer Seite an eine andere Stelle verlegt werden, wie die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass meldete. Die international als Bruch des Völkerrechts kritisierten Abstimmungen sind auch im Gebiet Donezk noch bis Dienstag angesetzt.

    Die Menschen sollen unter der Gewalt der Besatzungsmacht mit «Ja» oder «Nein» darüber abstimmen, ob die Gebiete der Russischen Föderation beitreten sollen. Die international nicht anerkannte Annexion könnte noch in dieser Woche abgeschlossen werden. Erwartet wird, dass Kremlchef Wladimir Putin die besetzten Gebiete schon an diesem Freitag in die Russische Föderation aufnehmen könnte.

    Auto-Korso in Luhansk zur Unterstützung des Anschlusses der Region an Russland am 23. September 2022.
    Auto-Korso in Luhansk zur Unterstützung des Anschlusses der Region an Russland am 23. September 2022.
    Bild: Keystone/AP
  • 10.14 Uhr
    London: Russische Nationalgarde in Personalnot

    Wegen ihres Einsatzes im Krieg gegen die Ukraine und zunehmender Proteste in Russland gerät die russische Nationalgarde (Rosgwardija) nach britischer Einschätzung zunehmend unter Druck. «Es besteht eine realistische Möglichkeit, dass die Mobilisierung genutzt wird, um die Rosgwardija-Einheiten mit zusätzlichen Kräften zu verstärken», teilte das Verteidigungsministerium in London am Sonntag unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse mit. Ein einflussreiches Duma-Mitglied habe diese Forderung gestellt.

    «Rosgwardija-Einheiten haben sowohl im Kampf als auch bei der Sicherung des Hinterlands in der Ukraine eine wichtige Rolle gespielt und unterstützen derzeit Beitrittsreferenden in den besetzten Gebieten», hiess es in London.

    Die Truppe, die zum Innenministerium gehört, sei eigentlich für den Einsatz in Russland vorgesehen und solle dazu beitragen, das Regime von Präsident Wladimir Putin zu sichern. «Sie war besonders schlecht auf die intensiven Kämpfe in der Ukraine vorbereitet», so das Ministerium. «Angesichts der Notwendigkeit, den wachsenden Dissens in Russland zu unterdrücken, sowie operativen Aufgaben in der Ukraine steht Rosgwardija höchstwahrscheinlich unter besonderem Druck.»

  • 9.30 Uhr
    Der Druck auf die Schweiz nimmt zu

    Bundespräsident Ignazio Cassis musste vergangene Woche viel Kritik einstecken, weil er sich beim Handschlag mit dem russischen Aussenminister Sergej Lawrow hatte fotografieren lassen. Wenig später forderte Russland die Schweiz auf, zur Neutralität zurückzukehren. Die Schweiz werde in den nächsten Monaten weiteren Druckversuchen ausgesetzt sein, steht in einem vertraulichen Bericht des Schweizer Nachrichtendienstes NDB, welchen der «Sonntagsblick» einsehen konnte. 

    Die Teil-Mobilisierung eskaliere den Krieg in der Ukraine und beeinflusse das Sicherheitssystem der Schweiz. «Die Fortsetzung des Konflikts ist mit weitreichenden Konsequenzen in den Bereichen Diplomatie, Politik, Wirtschaft, Energie und Migration verbunden», steht dazu gemäss Sonntagsblick in der Analyse des NDB.  

    Der diplomatische Druck wird voraussichtlich noch zunehmen, wenn die Schweiz ab Januar ihren Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen einnimmt, welchen Sie für zwei Jahre innehaben wird.

    Bundespräsident Ignazio Cassis (an der rechten Tischseite in der Mitte) beim Gespräch mit dem russischen Aussenminister Sergej Lawrow ihm gegenüber (links in der Mitte).
    Bundespräsident Ignazio Cassis (an der rechten Tischseite in der Mitte) beim Gespräch mit dem russischen Aussenminister Sergej Lawrow ihm gegenüber (links in der Mitte).
    Twitter/Ignazio Cassis
  • 8.30 Uhr
    Selenskyj ruft russische Soldaten zur Fahnenflucht auf

    Es sei besser, die Einberufung zum Dienst abzulehnen, als auf fremder Erde als Kriegsverbrecher zu sterben, sagte Selenskyj in seiner am Samstagabend veröffentlichten Videobotschaft in russischer Sprache. Zugleich bot er an, dass sich russische Soldaten freiwillig in Kriegsgefangenschaft begeben könnten. Dort würden sie zivilisiert behandelt.

    Mit Blick auf die hohen Strafen für Fahnenflüchtige in Russland, die Kremlchef Wladimir Putin am Samstag in Kraft setzte, sagte Selenskyj, dass niemand erfahren werde, unter welchen Umständen die Soldaten aufgeben. «Wenn Ihr Angst habt zurückzukehren und keinen Gefangenenaustausch wollt, dann werden wir einen Weg finden, auch das sicherzustellen.»

    Das russische Aussenministerium veröffentliche zwei Bilder auf seinem Twitter-Account. Dieses vom Treffen von Aussenminister Lawrow mit Bundespräsident Cassis.
    Das russische Aussenministerium veröffentliche zwei Bilder auf seinem Twitter-Account. Dieses vom Treffen von Aussenminister Lawrow mit Bundespräsident Cassis.
    MFA Russia (Twitter)