Russland

Nemzow-Stiftung zeichnet ukrainischen Präsidenten Selenskyj aus

SDA

12.6.2022 - 14:46

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, spricht auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der EU-Kommissionspräsidentin. Foto: Natacha Pisarenko/AP/dpa
Keystone

Die nach dem ermordeten Kremlgegner Boris Nemzow benannte Stiftung hat den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj für dessen Mut im Kampf um die Freiheit des Landes ausgezeichnet. Das teilte die in Bonn ansässige und von Nemzows Tochter Schanna Nemzowa geführte Stiftung am Sonntag mit. «Zweifellos hat Wolodymyr Selenskyj unglaublichen Mut an den Tag gelegt», sagte Nemzowa dem kremlkritischen Internetportal Meduza. Auch der 2015 in Kremlnähe erschossene Nemzow galt als grosser Unterstützer einer nach Loslösung von Russland strebenden Ukraine.

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12.6.2022 - 14:46

Es sei nicht selbstverständlich, dass Selenskyj nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Land geblieben ist. Er habe tapfer an der Seite seines Volkes das Land verteidigt, habe Waffen gefordert und sich nicht um seine Sicherheit gekümmert, sagte Nemzowa. «Am bedeutendsten ist, dass das niemand von ihm erwartet hätte. Alle hatten Selenskyj doch nicht so richtig ernst genommen», sagte sie.

«Ich denke, dass Wladimir Putin – vorsichtig ausgedrückt – erstaunt war, dass Selenskyj sich als mutiger Mensch herausstellte – und im Moment der Anführer der freien Welt ist», sagte Nemzowa, die selbst nicht mehr in Russland lebt. Ihr Vater hatte zu den schärfsten Kritikern von Kremlchef Putin gehört, bis er erschossen wurde.

Nemzowa reagierte auch auf Kritik, wonach Selenskyj selbst schon vor dem Krieg Freiheiten eingeschränkt hatte in der Ukraine. Der grosse Teil seiner Politik zeuge davon, dass er sich demokratischen Werten verpflichtet fühle, sagte sie. Vor allem habe er anders als andere Präsidenten nicht einfach die Flucht ergriffen, um das eigene Leben zu retten.

Im vergangenen Jahr hatte der inhaftierte Kremlgegner Alexej Nawalny die Auszeichnung zugesprochen bekommen. Nemzowa erinnert mit ihrer 2015 in Bonn ins Leben gerufenen Stiftung jährlich mit dem Preis für Zivilcourage an den Tod ihres Vaters. Der Mord an Nemzow wirft noch immer viele Fragen auf. Die EU drängte Russland wiederholt dazu, den Fall weiter aufzuklären. Ein Gericht in Moskau verurteilte 2017 den mutmasslichen Mörder und vier Komplizen aus dem Nordkaukasus zu langen Haftstrafen. Die Familie Nemzows beklagte, dass nach den Drahtziehern nie wirklich gesucht worden sei.

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