Hunderte Verletzte bei schwerer Explosion am Hafen von Beirut

dpa/sda/toko

4.8.2020 - 20:12

In Beirut hat sich eine schwere Explosion ereignet — über der libanesischen Hauptstadt stieg eine grosse Rauchwolke auf. Das Rote Kreuz spricht von «hunderten» Verletzten.

In der libanesischen Hauptstadt Beirut hat sich am Dienstag eine schwere Explosion mit Hunderten Verletzten ereignet. Über der Stadt stieg eine riesige Rauchwolke auf. Eine Reporterin der Deutschen Presse-Agentur berichtete von einer starken Erschütterung im Zentrum und von grossen Schäden. Durch die Wucht der Explosion, die sich am Hafen der Küstenstadt ereignete, gingen Fenster zu Bruch. Einige Strassen waren mit Trümmern und Glasscherben übersät.

«Ich kann sagen, dass es Hunderte Verletzte gibt, aber keine klare Zahl», sagte der Generalsekretär des libanesischen Roten Kreuzes, Georges Kettaneh, am Abend der dpa. Über mögliche Todesopfer gab es zunächst keine offiziellen Angaben. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge soll es zehn Todesopfer gegeben haben.

Augenzeugen berichteten aber von Leichen auf den Strassen und Menschen, die unter Trümmern verborgen seien. Das Rote Kreuz war mit 30 Teams im Einsatz. Die Armee half, Verletzte in Krankenhäuser zu bringen. Bürger wurden aufgerufen, Blut zu spenden.

Im Internet kursierten Fotos von zerstörten Fenstern an Wohnhäusern und Trümmern auf den Strassen. Dutzende Autos wurden beschädigt. Ein Polizist sagte, die Schäden erstreckten sich kilometerweit. Kurz nach der Explosion fielen Telefon und Internet in der Stadt aus. «Wir sassen in unserem Wohnzimmer, und plötzlich fielen uns die Wand und Glas auf den Kopf», sagte ein Anwohner namens Rumi. Grosse Teile des Hafens wurden durch die Explosion zerstört.

Die Hintergründe blieben zunächst unklar. Ersten Berichten zufolge ereignete sich die Explosion in einem Lager für Feuerwerkskörper. Die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete, am Hafen sei in einem Lagerhaus in der Nähe mehrerer Getreidespeicher Feuer ausgebrochen. «Starke Explosionen» seien in Beirut und den Vororten zu spüren gewesen. Einsatzkräfte der Feuerwehr kämpften gegen die Flammen. Der Hafen liegt nur wenige Kilometer von der Innenstadt Beiruts entfernt.

Der Hafen von Beirut mit der riesigen Rauchwolke. Dieses Foto wurde mit einem Mobiltelefon aufgenommen. 
Keystone/EPA/WADEL HAMZEH

Hinweise auf einen Anschlag oder einen politischen Hintergrund gab es zunächst nicht. Wenige Kilometer vom Ort der Explosion entfernt waren 2005 der damalige libanesische Ministerpräsident Rafik Hariri und 21 weitere Menschen bei einem Sprengstoffanschlag getötet worden. Die Residenz seines Sohnes, der frühere Ministerpräsident Saad Hariri, wurde bei der Explosion am Dienstag beschädigt.

An diesem Freitag will das UN-Libanon-Sondertribunal in Den Haag sein Urteil gegen vier Angeklagte in dem Fall von 2005 verkünden. Viele Libanon machen die Führung des Nachbarlandes Syrien für den Anschlag auf Hariri verantwortlich. Er hatte vor seinem Tod den Abzug der damals im Libanon stationierten syrischen Truppen verlangt.

«Wir haben keine Informationen darüber, was genau passiert ist und was der Auslöser war, ob es ein Unfall oder ein herbeigeführter Akt war», sagte ein UN-Sprecher kurz nach der Tat am Dienstag in New York. «Zu diesem Zeitpunkt sind unsere Gedanken bei den Menschen im Libanon. Was auch immer passiert ist: Wir hoffen, dass der Schaden begrenzt ist und dass die Sicherheit des libanesischen Volkes garantiert ist.»

Eine Sprecherin des Weissen Hauses, Alyssa Farah, erklärte auf Twitter, US-Präsident Trump sei über die Situation unterrichtet. Man bete «für die Sicherheit der Menschen im Libanon». Trump-Sprecherin Kayleigh McEnany sagte, man beobachte die Situation «genau».

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