Serbien mobilisiert Militär nach Polizeirazzia in Kosovo

DPA

28.5.2019

Polizeiaktion gegen mutmassliche Schmuggler im Norden Kosovos:  Schwer bewaffnete Beamte kontrollieren die Gegend beim Dorf Cabra.
Keystone

Eine Polizeirazzia im überwiegend von Serben bewohnten Teil Kosovos lässt die Spannungen auf dem Balkan hochkochen. Die Regierung in Belgrad versetzt Truppen in Alarmbereitschaft – und Serbiens Verbündeter Russland ist erzürnt.

Eine Polizeirazzia in von Serben bewohnten Gebieten im Kosovo hat die Spannungen auf dem Balkan verschärft. Der serbische Präsident Aleksandar Vucic ordnete in einer Reaktion am Dienstag an, das Militär in volle Alarmbereitschaft zu versetzen. «Serbien wird versuchen, Frieden und Stabilität zu bewahren, aber wird auch bereit sein, unsere Leute innerhalb kürzester Zeit zu beschützen», sagte Vucic.

Die Spannungen zwischen Serbien und seiner früheren Provinz Kosovo kochen immer wieder hoch. Anlass sind oft Auseinandersetzungen oder Polizeieinsätze im Nordkosovo, wo fast 90 Prozent der Bevölkerung ethnische Serben sind, die ein unabhängiges Kosovo ablehnen. Serbien verlor die Kontrolle über das Kosovo nach einer Intervention der Nato im Jahr 1999. 2008 erklärte sich die frühere Provinz für unabhängig, was die Regierung in Belgrad aber nie anerkannte.



Vucic sagte, die kosovarische Polizei habe 23 Serben und Bosnier festgenommen, nachdem eine Sondereinheit mit gepanzerten Wagen in den Ort Mitrovica im Norden «gestürmt» sei. Er habe Videos gesehen, in denen Polizisten mit scharfer Munition über die Köpfe unbewaffneter Serben hinweg gefeuert hätten. Ziel der Aktion sei offenbar gewesen, die Serben im mehrheitlich albanischen Kosovo einzuschüchtern. Das serbische Staatsfernsehen berichtete, auch Tränengas sei eingesetzt worden.

Der kosovarische Regierungschef Ramush Haradinaj schrieb auf Twitter, die Razzia habe einem Schmugglerring und dem organisierten Verbrechen gegolten. Präsident Hashim Thaci rief die serbische Minderheit zur Ruhe auf. Die Drohungen aus Serbien tat er als «populistisches» Gerede ab. Die Polizeiaktion sei völlig legal gewesen. Es seien neben Serben und Bosniern auch Albaner und ein Russe festgenommen worden, der sich als Diplomat ausgegeben habe.

Die Nachrichtenagentur Kosovapress berichtete, bei dem Einsatz seien drei Beamte verletzt worden. Der Aktion waren nach Angaben der Polizei monatelange Ermittlungen gegen kriminelle Banden vorausgegangen, die in Schmuggel, Machtmissbrauch, Bestechung und Hehlerei verstrickt seien.



Der Fernsehsender RTS berichtete nach den Anweisungen von Vucic von serbischen Truppenbewegungen an der Grenze zum Kosovo. Vucic sagte, die Soldaten sollten sich kampfbereit halten. Würden sie in das Kosovo eindringen, könnte das eine direkte Konfrontation mit der dortigen KFOR-Truppe unter Führung der Nato bedeuten. Deren Sprecher sagte, man beobachte die Entwicklungen.

Serbiens Verbündeter Russland warf dem Kosovo vor, ethnische Spannungen anzustacheln und Serben einschüchtern zu wollen. Aussenministeriumssprecherin Maria Sacharowa sagte, die Fortschritte in der Aussöhnung zwischen Serben und Kosovaren seien damit zunichte gemacht worden. Botschafter Alexander Tschepurin forderte zudem die Freilassung des bei der Razzia inhaftierten Russen. Dieser arbeite mit der Verwaltungsmission der Vereinten Nationen im Kosovo zusammen. Seine Festnahme sei eine «Provokation».

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