Explosion in Beirut: Was bis jetzt bekannt ist

Julia Käser

5.8.2020 - 10:08

Am Dienstag erschütterte eine gewaltige Detonation die libanesische Hauptstadt Beirut. Bis zu 250'000 Menschen haben ihre Unterkunft verloren. Über die Hintergründe der Explosion ist noch nicht alles bekannt. 

Am frühen Dienstagabend kam es in der libanesischen Hauptstadt Beirut zu einer gewaltigen Detonation mit Dutzenden Toten und Tausenden Verletzten. Stand jetzt ist längst nicht alles rund um das tödliche Ereignis bekannt. 

Wo genau hat sich die Explosion ereignet? 

Zur Explosion kam es ersten Medienberichten zufolge in einer Lagerhalle am Hafen Beiruts, wo Feuerwerkskörper gelagert worden sein sollen. Direkt nach der Explosion hing eine riesige Pilzwolke über der Stadt. Das Ausmass ist enorm, so sprechen Stimmen vor Ort von kilometerweiten Schäden. Laut dem libanesischen Gesundheitsminister gibt es mindestens 4'000 Verletzte. Die Zahl der getöteten Personen wird laufend korrigiert. Am Mittwochmorgen sprach das Rote Kreuz von 100 Toten. Laut der Nachrichtenagentur Keystone-SDA werden gemäss einer anonymen Quelle aus Sicherheitskreisen noch mindestens 100 Personen vermisst. Zwischen 200'000 und 250'000 Menschen haben ihre Unterkünfte verloren. 

Beschädigt wurden unter anderem der Regierungspalast und die Residenz von Ex-Ministerpräsident Saad Hariri. Auch die schweizerische sowie die finnische Botschaft sind beschädigt worden. Wie das EDA bestätigt, wurde die Schweizer Botschafterin Monika Schmutz leicht verletzt ins Spital gebracht. Mittlerweile hat sie ihre Arbeit wieder aufgenommen. 

So sieht es in der Schweizer Botschaft in Beirut aus. 
Bild: EDA

US-Präsident Trump spricht von einer Bombe – wie kommt er darauf? 

Im Weissen Haus äusserte sich auch US-Präsident Donald Trump zu den Vorfällen in Beirut und liess durchblicken, dass der diese als Anschlag einstuft: «Seine Generäle» gingen von einer «Art von Bombe» aus, so Trump im Weissen Haus. Wo Trump diese Information herhat, bleibt zunächst unklar, wie auch zwei US-Regierungsvertreter, die anonym bleiben möchten, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters bestätigten.

Die libanesischen Behörden verneinen eine Attacke oder einen politischen Hintergrund der Explosion. Auch, dass Israel, mit dem sich der Staat offiziell noch im Krieg befindet, etwas mit dem Vorfall zu tun haben könnte, schloss der israelische Aussenminister Gabi Aschkenasi aus.

Was kommt sonst als Ursache für die Detonation infrage? 

Ausgelöst haben könnte die Explosion eine riesige Menge Ammoniumnitrat. Gemäss Angaben des libanesischen Ministerpräsidenten Hassan Diab sind schätzungsweise 2'750 Tonnen der gefährlichen Substanz jahrelang und ohne Sicherheitsvorkehrungen im Hafen der Küstenstadt gelagert worden. 

Was genau ist Ammoniumnitrat? 

Bei Ammoniumnitrat handelt es sich um ein Salz, das aus Ammoniak und Salpetersäure besteht. Es wird vor allem zur Produktion von Düngemitteln sowie Sprengstoffen verwendet. Auch zum Raketenantrieb dient die Substanz. Bekannt ist, dass sie bei höheren Temperaturen detonieren kann. 

Es wäre nicht der erste Vorfall dieser Art, der in einen Zusammenhang mit  Ammoniumnitrat gesetzt wird. Die Substanz befand sich unter anderen auch in dem Container-Lager der chinesischen Hafenstadt Tianjin, wo 2015 nach einer Serie von Explosionen 173 Menschen getötet wurden. 

Wie steht es unabhängig von der Explosion um den Libanon?

Seit Längerem befindet sich der Libanon in einer Wirtschaftskrise. Das Land hat einen riesigen Schuldenberg, wie Ministerpräsident Hassan Diab zu Beginn dieses Jahres bestätigte. Die politische Lage ist ebenfalls alles andere als stabil. So wurde der Küstenstaat in der letzten Zeit wiederholt von Unruhen und Protesten eingeholt. 

Auch an der Grenze zu Israel kommt es immer wieder zu Spannungen. Den Einwohnerinnen und Einwohnern des Küstenstaats sind sämtliche Kontakte mit Israelis verboten. Bei den letzten gewaltsamen Auseinandersetzungen im Jahr 2006 kamen auf libanesischer Seite über 1'200 Menschen ums Leben. 

Wie geht es der Schweizer Botschafterin?

«Mir geht es den Umständen entsprechend gut», sagte Botschafterin Monika Schmutz in einem Interview, welches das Aussendepartement (EDA) am Mittwoch auf seiner Webseite veröffentlichte. Die Szenen in den Spitälern und auf den Strassen seien unbeschreiblich und der Einsatz aller Personen, die im Gesundheitsbereich arbeiteten, sei beeindruckend.
Zum Zeitpunkt der Explosion sei sie in ihrem Büro in der Botschaft gewesen.

«Die Druckwelle hat mich mit aller Kraft erfasst und wortwörtlich durch den Raum geschleudert», sagte die Botschafterin. Dann sei sie von Arbeitskollegen begleitet zu Fuss in ein nahegelegenes Spital gegangen. «Die ganz Strasse war ein Teppich aus Blut und Scherben.»

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