Trump stellt frappierenden Vergleich zwischen Capone und Manafort auf

AP

2.8.2018

US-Präsident Donald Trump (l.) hat in einem Tweet den berüchtigten Mafiaboss Al Capone (Mitte) mit seinem ehemaligen Wahlkampfmanager Paul Manafort (r.) verglichen.
Keystone

Der US-Präsident deutet an, dass sein früherer Wahlkampfchef schlimmer behandelt werde als einer der bekanntesten Verbrecher in der amerikanischen Geschichte. Eine Parallele: Beide werden der Steuerhinterziehung beschuldigt.

US-Präsident Donald Trump hat in einem Tweet den berüchtigten Mafiaboss Al Capone mit seinem ehemaligen Wahlkampfmanager Paul Manafort verglichen und damit verblüfft. Capone wird von Historikern als schlimmster Gangster in der amerikanischen Geschichte betrachtet. Er vertrieb während der Prohibition in den 20er und 30er Jahren illegal hergestellten Alkohol. Ihm wird nachgesagt, dass er bereit gewesen sei, seine Rivalen kaltblütig zu ermorden oder ermorden zu lassen. Manafort wird dagegen keines Gewaltverbrechens beschuldigt, wie ein Bundesrichter anmerkte.

Trump twitterte am Mittwoch, wobei er den Vornamen Capones, Alphonse, falsch buchstabierte: «Zurückblickend auf die Geschichte, wer wurde schlimmer behandelt, Alfonse Capone, legendärer Mafiaboss, Mörder und "Staatsfeind Nummer Eins", oder Paul Manafort, politischer Funktionär & Reagan/Dole-Liebling, der jetzt Einzelhaft absitzt - obwohl wegen nichts verurteilt? Wo ist die russische illegale Zusammenarbeit?»

Capone wurde verurteilt und inhaftiert

Capone wurde verurteilt und inhaftiert. Manafort wurde nach Vorwürfen der versuchten Zeugenbeeinflussung inhaftiert, aber, wie Trump richtig schrieb, nicht verurteilt. Capone und Manafort haben eine Sache gemeinsam: Manafort steht wegen Steuerhinterziehung vor Gericht. Das ist die gleiche Straftat, die letztendlich Capone ins Gefängnis brachte.

Capone dominierte als Händler von illegalem Alkohol in Chicago das organisierte Verbrechen, als Alkohol verboten war. Noch bekannter wurde er 1929 mit dem sogenannten Valentinstag-Massaker. Damals wurden sieben Männer mit mutmasslichen Verbindungen zu einer rivalisierenden Bande in Chicago in einer Reihe aufgestellt und erschossen. Eine Anklage wegen der Morde gab es nie, Experten verweisen aber auf Capone. Er festigte seine Kontrolle über das Geschäft mit dem illegalen Alkohol nach dem Massaker.

Capone terrorisierte die Öffentlichkeit dermassen, dass die Behörden Zeugen oder Geschäftspartner nicht dazu bringen konnten, den Mafiaboss wegen Gewaltverbrechen anzuschwärzen. Folglich verfolgten die Behörden Capone wegen des geringeren Delikts der Steuerhinterziehung, für das er zu elf Jahren Haft verurteilt wurde.

Capones Haft verlief recht luxuriös

Man könnte «argumentieren, dass Capone ziemlich gut wegkam», sagte Jonathan Eig, der Autor von «Get Capone: The Secret Plot That Captured America's Most Wanted Gangster».

Capones Haft verlief offenbar recht luxuriös. Die Webseite der Haftanstalt Eastern State Penitentiary, heute eine historische Stätte, zeigt eine Zelle, die so ausgestattet sein soll wie damals, als Capone dort Insasse war. Die Gefängnisvertreter «erlaubten Capone Annehmlichkeiten, die normalerweise nicht Häftlingen gewährt werden, darunter edle Möbel, orientalische Teppiche, Ölgemälde und ein aufwendiges Radio», steht auf der Webseite. Als Capone in Chicago wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung 1931 vor Gericht stand, bekam er Mahlzeiten serviert, die seine Mutter gekocht hatte, wie Eig sagte.

Die Verhältnisse änderten sich aber, als Capone nach Alcatraz kam, das berüchtigte Inselgefängnis in der Bucht von San Francisco. Dort wurde Capone wie jeder andere Häftling behandelt. Er arbeitete im Wäschedienst des Gefängnisses und in der Schuhreparatur.

Manafort darf im Gefängnis ein Telefon und einen Laptop in seiner Zelle nutzen. Seine Verteidiger haben in Gerichtsdokumenten berichtet, dass Manafort 23 Stunden am Tag in seiner Gefängniszelle eingesperrt sei, abzüglich Besuchen von seinen Anwälten, und zur eigenen Sicherheit in Einzelhaft sei.

Eigentumswohnung und Teppiche gekauft

In einer Hinsicht wird Manafort wie Capone behandelt: Als Capone 1931 angeklagt war, wollten die Staatsanwälte zeigen, dass der Gangster viel Geld verdient habe. Sie hätten den Geschworenen gesagt, dass Capone französische Unterwäsche getragen habe, teure Anzüge gehabt habe, die speziell mit passenden Taschen angefertigt worden seien, um eine Feuerwaffe tragen zu können, und dass er sehr hohe Rechnungen vom Metzger gehabt habe, erläuterte Eig.

Knapp 90 Jahre später haben Staatsanwälte in dieser Woche Geschworenen von Käufen berichtet, die Manafort getätigt habe. Er habe Dinge wie eine gehobene Eigentumswohnung, seidene Teppiche im Wert von 160 000 Dollar und eine Jacke aus Straussenleder im Wert von 15'000 Dollar gekauft.

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