US-Wahl – der einzige Kandidat, der Trump sicher schlagen kann

Von Philipp Dahm

26.6.2019

Bill Maher hat den perfekten Gegenkandidaten zu Donald Trump gefunden.
Screenshot: YouTube

«Es kann nur einen geben», heisst es im Leinwandepos «Highlander». Das gilt auch für die US-Demokraten, wenn sie in der Wahl 2020 Donald Trump schlagen wollen. Nur eine Person könne das schaffen, meint Maher.

Manchmal sucht man sich nicht die Geschichte aus, sondern die Geschichte sucht dich aus, weiss Bill Maher. So wie vor zwei Monaten, als es angesichts des «Ja-und-Amen-Senats» und des «albernen Justizministers an dem Sonderermittler war, das Staatsschiff auf Kurs zu bringen.

«Mueller hat den Anruf der Geschichte gehört – und direkt die Voicemail rangehen lassen», leitet der «Real Time»-Moderator seine These ein, die nun folgt.

«Ich glaube, für die kommende Wahl hat sich die Geschichte wieder eine Person ausgesucht. Sie hat wie Mueller eine einzigartige Qualifikation, um die dringende Aufgabe, Trump zu schlagen, zu bewältigen. Durch eine Laune des Schicksals erfüllt nur diese Person alle Kriterien, und nur sie kann die Antwort auf die Frage sein, die ich hier oft stelle: Wen haben die Demokraten, der Trump sicher besiegen kann?»

Bill Maher ist zwar ein erklärter Anhänger der Demokraten, aber die aktuellen Spitzenkandidaten der Partei bekommen trotzdem eine Breitseite. Wenn man Joe Biden den Schlüssel zum Auto gäbe, würde er den Karren womöglich an die Wand fahren – und für junge Leute sei er so attraktiv wie eine Schreibmaschine.

Bill mag Bernie – aber Maher glaubt, Sanders ist zu alt fü den Präsidentenjob.
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Auch Elizabeth Warren findet Maher einerseits sympathisch, andererseits: «Sie ist eine dreisilbige Frau in einem einsilbigen Land. Und viele Amerikaner sehen eine Frau mit vielen Plänen, die alles zu wissen scheint, die Veränderungen fordert – und sie denken: ‹Ich habe schon eine Ehefrau.›»

Bernie Sanders wiederum sei angesichts seines Baujahres einer jener Kandidaten, die ihren Kardiologen auf Schnellwahl gespeichert hätten. «Ich mag auch Bürgermeister Pete [Buttigieg], aber wir müssen uns die Frage stellen: Ist Amerika bereit, von einem schwulen Teenager geführt zu werden? Er ist 37 Jahre alt und sieht aus wie 27. Er ist der einzige Veteran, der aus Afghanistan zurückgekommen ist und erfrischt ausgesehen hat. Wenn er im Wahlkampf von Tür zu Tür ginge, würde keiner aufmachen, weil man Angst hätte, er sei ein [Zeuge Jehovas].»

Pewte Buttigieg bringt frischen Wind in die demokratische Partei, doch Maher sieht keine Mehrheit für ihn.
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Nein, ein sicherer Gewinner sei keiner der Kandidaten. Doch eines Abends, so erzählt Maher, als er sich selbst Medizin verabreicht habe, sei ein Name im Dampf über ihm erschienen. «Die einzige Person, die es sicher schaffen würde, ist Oprah Winfrey.»

Wie kommt der Comedian ausgerechnet auf die Fernseh-Frau, obwohl er nach eigener Aussage «kein Fan» sei und Oprah ihm einst seine Einschaltquote vermiest hat? Welche essentiellen Kriterien erfüllt die Milliardärin bloss?

Der alte Bill Maher (links) erzählt rührig, wie der junge Bill Maher ein paar Zuschauer an Oprah Winfrey verloren hat.
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«Erstens: Es ist ausschlaggebend, die afroamerikanische Basis zu mobilisieren. Sie würde dafür sorgen, dass die Umfragewerte bei schwarzen Wählern emporschiessen wie eine Kardashian. Zweitens: Die Mehrheit der Wähler sind Frauen und 58 Prozent der demokratischen Wählerschaft ebenso. Kann Oprah diese Frauen mobilisieren?» Maher lacht: «Frauen lieben Oprah mehr als ‹Luxemburgerli›-Läden.» Mahers drittes Argument für die 65-Jährige: Sie vergraule weisse Männer nicht.

Weil Trump Elizabeth Warren Sozialistin schmipft, betont die Politikerin stets, wie kapitalitisch sie sei.
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«Man darf nie unterschätzen, wie mächtig es macht, seit Jahrzehnten in anderer Leute Wohnzimmer zu sein. Deshalb wurde Trump gewählt. Vielleicht lieben weisse Männer Oprah nicht gerade, aber sie ist angenehm und vertraut wie ein Paar Cargo Shorts mit elastischem Hüftband.»

Oprah Winfreys Haus: Die schmipft niemand Sozialistin.
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Man müsse schon ein Promi sein, um in der modernen US-Politik bestehen zu können – so hat es ja Affe Bonzo auch ins Weisse Haus geschafft. Oder war es doch dieser Ronald Reagan, sein menschlicher Filmpartner aus «Bedtime for Bonzo»?

Projezierter weiblicher Urnensturm, wenn Oprah gewählt werden könnte.
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Maher stellt noch klar, dass er diesen Zustand nicht gutheisst und dass es anders laufen sollte in der Politik. Aber: «Wir leben jetzt offiziell in der post-belesen post-Wahrheit Starfucker-Gesellschaft.» Seine düstere Prognose: «Das wird der dreckigste Wahlkampf, den es je gegeben hat.»

Late Night USA – Amerika verstehen

50 Staaten, 330 Millionen Menschen und noch mehr Meinungen: Wie soll man «Amerika verstehen»? Wer den Überblick behalten will, ohne dabei aufzulaufen, braucht einen Leuchtturm. Die Late-Night-Stars bieten die wohl beste Navigationshilfe: Sie sind die perfekten Lotsen, die unbarmherzig Untiefen bei Land und Leuten benennen und dienen unserem Autor Philipp Dahm als Komik-Kompass für die Befindlichkeit der amerikanischen Seele.

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