USA schieben früheren Nazi-Lageraufseher nach Deutschland ab

AP

21.8.2018

Heinrich Himmler begrüsst neue Aufseher des Nazi-Zwangsarbeitslagers Trawniki.
Uncredited/public prosecutor's office in Hamburg via the United States Holocaust Memorial Museum/dpa

Die USA haben einen früheren Aufseher des Nazi-Zwangsarbeitslagers Trawniki nach Deutschland ausgewiesen. Die Abschiebung des 95-jährigen Jakiw Palij sei am frühen Dienstagmorgen erfolgt, erklärte das Weisse Haus. Ein Richter hatte die Ausweisung bereits 2004 angeordnet, doch wollte kein Land Palij aufnehmen. Der Mann lebte in New York.

Palij landete am Flughafen Düsseldorf. Der Landrat des Landkreises Warendorf bei Münster deutete an, dass Palij in ein Pflegeheim in Ahlen gebracht werde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Palij seine Rolle im Lager Trawniki im besetzten Polen verschleiert. Er gab sich gegenüber den US-Behörden als Bauer und Fabrikarbeiter aus und konnte so 1949 in die USA einreisen, wo er jahrelang unbehelligt zunächst als technischer Zeichner und dann als Rentner lebte.

Vor 25 Jahren wurde er von Ermittlern erstmals mit seiner Rolle während des Zweiten Weltkriegs konfrontiert. Ein anderer früherer Lageraufseher hatte den Hinweis gegeben, dass Palij «irgendwo in Amerika» lebe.

Palij gab 1993 gegenüber Ermittlern des US-Justizministeriums zu, falsche Angaben gemacht zu haben. «Ich hätte niemals mein Visum bekommen, wenn ich die Wahrheit gesagt hätte. Alle haben gelogen.» Er räumte ein, in Trawniki gedient zu haben, bestritt aber, an Kriegsverbrechen beteiligt gewesen zu sein.

Laut Justizministerium diente er 1943 im Lager Trawniki. Einer Beschwerdeschrift des Justizministeriums zufolge diente Palij in einer Einheit, «die Gräueltaten gegenüber polnischen Zivilisten und anderen verübte», sowie im berüchtigten SS-Bataillon Streibel. Bei einer zweiten Befragung 2001 unterzeichnete er ein Dokument, in dem er einräumte, Wachmann in Trawniki und Mitglied des Bataillons Streibel gewesen zu sein. Hätte er es abgelehnt, als Wachmann zu arbeiten, hätte ihn das das Leben gekostet, sagte er.

2003 entzog ihm ein Richter die US-Staatsbürgerschaft wegen «Beteiligung an Aktionen gegen jüdische Zivilisten» während seiner Zeit als bewaffneter Aufseher im Lager Trawniki.

Ein Jahr später wurde seine Abschiebung angeordnet. Deutschland, Polen, die Ukraine und andere Staaten lehnten eine Aufnahme Palijs jedoch ab. Dass er viele Jahre weiter in seinem Haus im Stadtteil Queens lebte, empörte die jüdische Gemeinde. Häufig kam es zu Protesten. Palij und seine Frau hatten das Haus 1966 von einem polnisch-jüdischen Ehepaar gekauft, das den Holocaust überlebt hatte und von Palijs Vergangenheit nichts wusste.

Der Abschiebung vom Dienstag gingen nach Angaben des Weissen Hauses wochenlange diplomatische Verhandlungen voraus, denen Präsident Donald Trump Priorität eingeräumt habe.

Videoaufnahmen von ABC News zeigten, wie US-Bundesbedienstete Palij am Montag auf einer Krankenliege aus seinem Haus transportierten.

Es war die erste Abschiebung eines mutmasslichen NS-Kriegsverbrechers durch die USA seit dem Fall John Demjanjuk. Deutschland hatte sich 2009 bereit erklärt, den in Ohio lebenden Demjanjuk aufzunehmen. Er wurde 2011 schuldig gesprochen, als Wachmann im deutschen Vernichtungslager Sobibor im besetzten Polen an der Ermordung von mehr als 28 000 Menschen beteiligt gewesen zu sein. Gegen das Urteil legte er Revision ein, zehn Monate nach dem erstinstanzlichen Urteil starb er im Alter von 91 Jahren.

Palij war nun der letzte mutmassliche NS-Verdächtige in den USA, für den eine Abschiebungsanordnung galt.

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