Die Welt hofft auf überschüssigen US-Impfstoff

AP/toko

3.6.2021 - 00:00

ARCHIV - 14.04.2021, USA, Elmont: Eine Krankenschwester von Northwell Health impft einen Blecharbeiter von Local 28 mit der ersten Dosis des COVID-19-Impfstoffs von Pfizer im Belmont Park in Elmont, N.Y. In den USA werden von Bundesstaaten, Kommunen und Unternehmen zahlreiche Anreize geboten, um möglichst viele Menschen zur Corona-Impfung zu bewegen. Bislang haben gut 62 Prozent der rund 260 Millionen Erwachsenen im Land mindestens die erste Impfung bekommen. (zu dpa: Millionengewinne und Kreuzfahrten: Anreize für Impfungen in den USA) Foto: Mary Altaffer/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
In den USA läuft die Impfkampagne hervorrragend. Nun hoffen arme Länder auf den überschüssigen Impfstoff aus Amerika.
Mary Altaffer/AP/dpa

Die Biden-Regierung hat versprochen, überschüssigen Covid-Impfstoff an andere Nationen auszugeben. So und so warten denn viele Länder auf das, was kommt. Oder auch nicht: Denn wohin der Segen genau geht, ist noch nicht ganz klar.

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3.6.2021 - 00:00

Die USA haben einen grossen Überschuss an Covid-19-Impfstoffen und wollen Millionen Dosen aus ihrem Arsenal bis Ende Juni an andere Länder verteilen. Das hat die Regierung im April angekündigt. Aber bislang warten Nationen rund um die Welt immer noch – und mit wachsender Ungeduld – darauf, zu erfahren, wer etwas bekommt und von welchem Prinzip sich Washington dabei leiten lässt.

Für Präsident Joe Biden dient die Verteilung der Dosen gleich mehreren Zielen. Sie lässt die USA gut aussehen, kann Partnerschaften mit anderen Ländern weiter festigen, aber ist allem voran ein notwendiges Werkzeug für globale Gesundheit, kann helfen, Millionen Leben zu retten und Freunden wie Feinden die Rückkehr zu einer Art Normalität erleichtern.

Biden hat dabei so etwas wie die Qual der Wahl, die zentrale Frage für ihn lautet: Welcher Anteil an den Dosen soll an jene gehen, die sie am dringendsten benötigen, und wie viele sollten für US-Partner reserviert werden?

Bislang scheint es danach auszusehen, dass die Regierung den grössten Teil Covax zukommen lässt, einem von den UN unterstützten Programm der Weltgesundheitsorganisation WHO und mehrerer Wohlfahrtsorganisationen. Es zielt darauf ab, ärmere Länder mit Impfstoffen zu versorgen oder ihnen bei der Beschaffung zu helfen. Mehr als 90 Länder, darunter viele, zu denen die USA eher stürmische Beziehungen haben, fallen in diese Kategorie.



Der Prozentsatz der amerikanischen Überschuss-Dosen, die an Covax gehen, steht zwar noch nicht ganz fest. Aber sicher ist, dass es eine erhebliche – und unverzügliche – Transfusion für das Programm darstellen wird, das stark hinter seinen Zielen hinterherhinkt. Covax hat sich verpflichtet, Impfstoff an mehr als 90 Länder zu verteilen, aber erst 76 Millionen Dosen ausgegeben. 

Auf der hohen Kante

Samantha Power, die neue Chefin der US-Behörde für Internationale Entwicklung, hat kürzlich angedeutet, wie die Verteilung aussehen könnte. «75 Prozent der Dosen, die wir geben, werden wahrscheinlich durch Covax verteilt werden. 25 Prozent von dem, was immer unser Überschuss-Vorrat ist, den wir spenden, wird für bilaterale Ausgabe reserviert werden», sagte Power vor einem Senatsausschuss. Das heisst, dass die Biden-Regierung ungefähr ein Viertel direkt an bestimmte Nationen ihrer Wahl austeilen wird.

Die USA können sich das leisten, sie haben genug Impfstoff auf der hohen Kante, und mehr als 50 Prozent der Amerikaner haben mindestens schon eine Dosis erhalten. Mehr als 135 Millionen sind voll geimpft. Das hat die Zahl der Neuinfektionen und Todesfälle auf den niedrigsten Stand seit den frühen Tagen der Pandemie gedrückt.

Zahlreiche Länder haben die USA um Vakzine gebeten, aber bislang sind nur Kanada und Mexiko in den Genuss gekommen, haben insgesamt 4,5 Millionen Dosen erhalten. Was sich wohl abzeichnet ist, dass Südkorea genügend Impfstoff erhalten wird, um seine 550'000 Soldaten zu versorgen, die an der Seite von US-Truppen auf der koreanischen Halbinsel dienen.

«Unsere Nation wird das Impfstoff-Arsenal für den Rest der Welt sein», sagte Biden am 17. Mai, als er eine grössere Verteilung ankündigte. Er fügte hinzu, dass die USA ihre Vakzine nicht benutzen würden, «um sich Gefälligkeiten von anderen Ländern zu sichern» – im Gegensatz zu Staaten wie Russland und China, die versucht hätten, ihre einheimisch produzierten Dosen strategisch zum eigenen Vorteil zu nutzen.

Aber der Fall Südkorea zeigt, dass die USA nicht strikt abgeneigt sind, auch verbündete Länder, die nicht zu den ärmsten zählen, an ihrem Impfstoff-Vorrat teilhaben zu lassen. Wobei nicht klar ist, ob Südkorea für die Vakzine aus den USA zahlen wird: Erwartungen gehen dahin, dass die meisten der anderen Dosen kostenlos abgegeben werden.

Alle Astrazeneca sollen verteilt werden

Biden plant, sämtliche der 60 Millionen im eigenen Land produzierten Dosen des Astrazeneca-Vakzins zu verteilen. Der Impfstoff ist in den USA noch nicht zugelassen, aber in vielen anderen Teilen der Welt. Die Dosen stehen zum Transport bereit, aber es läuft noch eine Sicherheitsprüfung durch die US-Arzneimittelbehörde FDA. Die USA wollen sich ausserdem von 20 Millionen vorrätigen Dosen der Impfstoffe von Pfizer/Biontech, Moderna sowie Johnson & Johnson trennen. Es wird erwartet, dass in den kommenden Monaten noch mehr Dosen zur Verfügung gestellt werden: Die USA haben noch zahlreiche Bestellungen im Umfang von Hunderten Millionen Dosen laufen. 

Die Biden-Regierung will Covax darüber hinaus vier Milliarden Dollar zur Verfügung stellen, um die Beschaffung und Verteilung von Vakzinen zu beschleunigen. Welche Länder davon oder auch von den für das Programm vorgesehenen US-Dosen profitieren sollen, wird von Covax entschieden – und nicht von den USA. Damit vermeidet Washington etwaige Vorwürfe der Parteilichkeit oder auch Kritik, die käme, wenn die USA Dosen direkt feindlichen Ländern zukommen liessen.

Die USA als stiller Wohltäter? Wohl nicht: Es werde sehr klar sein, «wo diese Dosen herkommen», dass sie dem amerikanischen Einfallsreichtum und der Grosszügigkeit des Volkes zu verdanken seien, versicherte Power in der Kongressanhörung.       

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