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Jetzt meldenDer Vormarsch der ukrainischen Armee im Osten des Landes geht nach Angaben aus Kiew weiter. Russlands Botschafter in Berlin kritisiert die militärische Unterstützung Kiews. Die Entwicklungen im Ticker.
Die Ukraine meldet weitere Erfolge im Kampf gegen die russischen Besatzer. In der Ostukraine seien binnen eines Tages 20 Ortschaften befreit worden, berichtete der ukrainische Generalstab am Montag. Russland will den Krieg im Nachbarland aber trotz der Rückschläge fortführen. Deutschland sieht sich unter Druck, die Ukraine gerade jetzt mit mehr schweren Waffen zu stärken. Kanzler Olaf Scholz (SPD) bekräftigte jedoch seine Linie: Artillerie und Flugabwehr ja, aber keine westlichen Kampfpanzer «im Alleingang».
Die Ukraine hatte nach eigenen Angaben schon in den vergangenen Tagen Teile der von Russland besetzten Gebiete im Osten und Süden des Landes zurückerobert. Als schwere Niederlage Russlands gilt vor allem der von Moskau eingeräumte Rückzug aus dem Gebiet Charkiw am Wochenende. Offiziell spricht Moskau von einer strategischen «Umgruppierung» der eigenen Einheiten.
«Die militärische Spezial-Operation wird fortgesetzt», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Montag laut Nachrichtenagentur Interfax. «Sie wird fortgesetzt, bis die anfangs gesetzten Ziele erreicht sind.» Dazu zählt die vollständige Eroberung der ostukrainischen Gebiete Luhansk und Donezk – also der Regionen, wo russische Truppen nun teilweise auf dem Rückzug sind.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte dem Sender CNN: «Unser Ziel besteht darin, unser gesamtes Gebiet zurückzuerobern.» Mit der Gegenoffensive werde man sich «langsam und schrittweise weiter nach vorne bewegen.» Auf die Frage, ob er mit Russland in Verhandlungen treten wolle, antwortete Selenskyj: «Zurzeit nicht. Ich sehe auf ihrer Seite keine Bereitschaft, konstruktiv zu sein.» Nach einem Rückzug der russischen Truppen könne das Gespräch beginnen.
Der frühere russische Präsident Dmitri Medwedew reagierte mit einer Drohung: Wenn Kiew nicht zu derzeitigen Bedingungen verhandeln wolle, dann werde künftig die Forderung nach der «totalen Kapitulation des Kiewer Regimes zu Russlands Bedingungen» zählen, schrieb Medwedew auf Telegram.
Der ukrainische Generalstab meldete am Montag: «Die Befreiung von Ortschaften unter russischer Besatzung in den Gebieten Charkiw und Donezk setzt sich fort.» Zuvor hatte es schon geheissen, russische Truppen zögen sich auch aus dem südlichen Gebiet Cherson zurück. Allerdings meldete die Ukraine russisches Bombardement auf kritische Infrastruktur, das zu Problemen bei Strom- und Wasserversorgung führte. In Charkiw fiel am Montag erneut der Strom aus.
Die Angaben der Kriegsparteien sind grundsätzlich kaum unabhängig zu überprüfen. Doch erklärte auch der britische Geheimdienst am Montag, die militärischen Erfolge der Ukraine hätten «erhebliche Folgen» für die Einsatzplanung der Russen. «Das bereits eingeschränkte Vertrauen, das die eingesetzten Truppen in die russische Militärführung haben, dürfte wahrscheinlich weiter schwinden», hiess es in einer Mitteilung auf Twitter. Im Süden, nahe Cherson, habe Russland Schwierigkeiten, Nachschub über den Fluss Dnipro an die Front zu bringen.
Im Zuge seiner Grossoffensive gegen die russischen Angreifer hat das ukrainische Militär nach eigenen Angaben zahlreiche Kriegsgefangene gemacht. Ein Sprecher des Militärgeheimdienstes erklärte, russische Soldaten ergäben sich massenhaft, weil sie «die Hoffnungslosigkeit ihrer Situation» verstünden.
Ein Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Olexij Arestowytsch, machte keine Angaben zur Zahl der Kriegsgefangenen, erklärte aber, es seien so viele, dass dem Land der Platz ausgehe, um sie unterzubringen. Sie würden gegen von Moskau gefangen genommene Angehörige des ukrainischen Militärs ausgetauscht, sagte er.
Grosse Sorge herrscht nach wie vor um das von Russen besetzte ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA setzt sich für eine einfach umzusetzende Sicherheitszone um das Kraftwerk ein und fordert ein Ende des Beschusses. In der Anlage sind inzwischen alle sechs Reaktoren heruntergefahren, wie die IAEA bestätigte. Zu Saporischschja hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit dem russischen Staatschef Wladimir Putin telefoniert, allerdings ohne greifbares Ergebnis.