Verhandlungen mit Wladimir Putin

Wie ein Tisch derzeit die Weltpolitik prägt

Von Maximilian Haase

17.2.2022

Russlands Präsident Wladimir Putin (links) und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) sitzen sich an einem langen Tisch im Kreml gegenüber.
Am langen Tisch: Russlands Präsident Wladimir Putin (links) und der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz sitzen sich im Kreml gegenüber.
Mikhail Klimentyev/Russian President Press Office/Sputnik/dpa

Ein Möbelstück im Zentrum folgenreicher Weltpolitik: Mit grossem Abstand platziert Wladimir Putin seine staatstragenden Gäste an einem aussergewöhnlich langen Tisch. Was steckt dahinter?

Von Maximilian Haase

17.2.2022

Normalerweise sind Möbelstücke in der Politik kaum mehr als Staffage, im besten Fall strahlen sie repräsentatives Flair aus. Anders verhält es sich mit jenem Tisch, über den Beobachter weltweit aktuell staunen: ein weiss-gemustertes Prachtstück, an das der russische Präsident Wladimir Putin im Zuge der Ukraine-Krise seine wichtigen Gäste lädt.

Der französische Präsident Emmanuel Macron durfte daran ebenso Platz nehmen wie der deutsche Kanzler Olaf Scholz. Es ist der Ort im Kreml, an dem derzeit Weltpolitik gemacht wird.

Doch warum ist der Tisch überhaupt in aller Munde – und damit natürlich auch Gegenstand Social-Media-Memes? Keine Frage: Es ist seine aussergewöhnliche Länge.

Sechs Meter misst der Abstand zwischen den Sitzenden, wenn Putin seine Gäste in Empfang nimmt – wahrscheinlich nur knapp ausreichend, um ein Gespräch in Zimmerlautstärke führen zu können.

Will der russische Präsident seine Kolleg*innen symbolisch auf Distanz halten? Oder ist es tatsächlich Putins angeblich grosse Angst vor einer Ansteckung und der Unwillen der Besucher zu einem PCR-Test, die den konkreten physischen Abstand nötig machen?

Ein Corona-Tisch also? «Möglich, dass er sich dafür als nützlich erwiesen hat, aber die Länge hat nichts mit der Pandemie zu tun», stellte nun der Hersteller des Tisches klar. Er habe das Möbelstück schliesslich vor 25 Jahren gefertigt, wie Renato Pologna in einem Interview mit der italienischen Zeitung «Corriere della sera» erklärte.

Der Tisch rege zu Kreativität an, so der Unternehmer aus der Nähe von Como, der mit weiteren Details aufwarten konnte: Hergestellt worden sei der Tisch aus weiss lackiertem Holz, hinzu kämen Verzierungen mit Ornamenten aus Blattgold. Alles handgemacht und anspruchsvoll. 

Damals, zwischen 1995 und 1997, habe er einen grossen Teil der Kreml-Einrichtung gefertigt, sagt Pologna im Interview. Zwei Stockwerke, 7000 Quadratmeter, ausgestattet mit Decken, Fussböden, Möbeln und Beleuchtung. Er habe die Möbel selbst hergestellt, alles andere aber an Subunternehmen ausgelagert.

Ein paar Milliarden Lira habe es damals dafür gegeben, bleibt er über die Entlohnung in dem Artikel vage.

Wie viel heute zahlen müsste, wer eine Kopie des Putin-Tisches sein Eigen nennen wollte, kann Pologna dann doch beziffern: Um die 100'000 Franken dürften es wohl sein. 

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