«Ungeimpft würde ich nicht nach Portugal reisen»

lmy/uri/sda

30.6.2021

Bundesrat Alain Berset zieht gemaess den aktualisierten Richtlinien die Maske aus, bevor er im Anschluss an die Bundesratssitzung die neusten Massnahmen zur Bewaeltigung der Krise um die Pandemie des Coronavirus COVID-19 erlaeutert, am Mittwoch, 30. Juni 2021 in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)
Alain Berset freute sich, dass er die Maske an der Pressekonferenz abziehen konnte.
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Neue Varianten rasch entdecken, weiter impfen und testen: So will sich der Bundesrat auf einen Anstieg der Fallzahlen im Herbst und Winter vorbereiten.

lmy/uri/sda

30.6.2021

Der Bundesrat will aus den Fehlern des Vorjahres lernen und auf einen allfälligen Wiederanstieg der Corona-Fallzahlen besser vorbereitet sein. Im Sommer 2020 war die epidemiologische Lage ähnlich wie heute. Man fühlte sich in Sicherheit – bis im Herbst die zweite Corona-Welle das Land erfasste und überraschte. Das soll sich nicht wiederholen.

Sollten die Ansteckungszahlen steigen – zum Beispiel, weil der Anteil nicht geimpfter Personen zu hoch ist oder sich das Wetter ändert –, sieht der Bundesrat drei zentrale Massnahmen vor: die schnelle Erkennung von neuen Virusvarianten, die Erhöhung der Impfbereitschaft und die Vorbereitung der dritten Impfung nach zwölf Monaten.

Impfstoffe könnten schnell angepasst werden

Sollte eine Virusvariante auftreten, bei der der Impfschutz nicht trägt, müssen laut Bundesrat Anpassungen beim mRNA-Impfstoff vorgenommen werden. Diese würden innerhalb von sechs Monaten möglich sein.

Da in Ländern, in denen die Delta-Variante vorherrschend ist, überdurchschnittlich viele Ansteckungen in Schulen festgestellt werden, werden die Kantone aufgefordert, dass der Schulbetrieb mit repetitiven Tests nach den Ferien aufrechterhalten werden kann.

Im Hinblick auf den Herbst sollen auch die Kapazitäten für die Kontaktverfolgung sichergestellt werden.

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  • 15.26 Uhr
    Ende der Pressekonferenz

    Es gibt keine weiteren Fragen mehr, die Pressekonferenz wird an dieser Stelle beendet. Wir schliessen den Ticker hier ab und bedanken uns für die Aufmerksamkeit.

  • 15.25 Uhr
    Covid-Zertifikat ab zweiter Impfdosis gültig

    Das Zertifikat wird direkt nach der zweiten Impfung ausgestellt – die Impfung wirkt aber erst nach zwei Wochen. Wann ist es nun gültig? Ab dem Tag der zweiten Dosis ist das Zertifikat gültig, stellt Mike Schüpbach klar. Andere Länder hätten hier andere Modelle.

  • 15.21 Uhr
    Datensparsames Zertifikat

    Was ist mit dem Zertifikat light? In der App könne man ein «datensparsames Zertifikat» generieren, das 48 Stunden gültig ist, sagt Mike Schüpbach. Damit könne man etwa eine Veranstaltung besuchen, und die prüfende Person könne keine Gesundheitsdaten auslesen.

  • 15.19 Uhr
    Anerkennung des Covid-Zertifikats durch EU

    Die Anerkennung des Schweizer Covid-Zertifikats durch die EU sei gewährleistet, betont Berset nun auf eine entsprechende Frage. Es gebe in der EU aber verschiedene Situationen. Der Anerkennungsprozess sei von seiten der Schweiz initiiert, ergänzt Mike Schüpbach vom BAG. Der formelle Entscheid der EU sei noch ausstehend, dieser werde sicher zeitnah erfolgen – wann genau, könne man momentan nicht sagen.

  • 15.18 Uhr
    Fragen zum neuen Ärzte-Tarifmodell

    Die Journalisten fragen den Gesundheitsminister nun nach dem neuen Ärzte-Tarifmodell Tardoc, das der Bundesrat heute abgelehnt hat.

  • 15.09 Uhr
    Wie gross ist der wirtschaftliche Schaden durch Fehltage nach der Impfung? 

    «Ich bin nicht in der Lage, hier Zahlen zu geben», sagt Berset. Mögliche Fehltage stünden aber in keinem Verhältnis zum volkswirtschaftlichen Schaden der Pandemie. Auch sei es für Firmen nun ein riesiger Vorteil, wenn sie wüssten, dass ihre Mitarbeitenden geimpft seien, auch wenn sie vielleicht ein oder zwei Tage fehlen würden. Bei einer Erkrankung seien es zehn Tage oder mehr gewesen. 

  • 15.08 Uhr
    Impfbereitschaft weiter steigern

    «Wichtig ist, dass alle, die es wollen, jetzt Zugang zur Impfung haben», sagt Berset. Einige hätten zugewartet und geschaut, wie es anderen gehe, und melden sich nun an. Die Situation mit der Delta-Variante habe auch viele Unentschlossene überzeugt.

    Man versuche weiterhin, die Impfbereitschaft zu steigern, gerade auch bei Gruppen, die man bisher nicht erreicht habe. Hier seien vor allem die Kantone in der Verantwortung. «Es ist freiwillig, sich impfen zu lassen», so Berset weiter. Wenn man sich anstecke, müsse man selber die Folgen tragen.

  • 15.06 Uhr 
    Kann man nach Portugal reisen?

    Man muss schon aufpassen, sagt Berset. In Grossbritannien würden die Fallzahlen wegen Delta explodieren. «Ich würde nicht hinreisen, wenn ich nicht vollständig geimpft wäre.»

  • 15.05 Uhr
    Gehört Russland auf die Risikoliste?

    Viele finnische Fussball-Fans haben sich in St. Petersburg mit der Delta-Variante angesteckt – gehört Russland auf die Risikoliste? Man habe diese Frage erörtert, aber aus verschiedenen Gründen verzichtet, dies so zu beschliessen. Um nach Russland zu reisen, müsse man sowieso beweisen, dass man nicht infiziert ist, auch bei der Rückkehr in die Schweiz werde das nochmals angeschaut. Man wolle nicht die Flüge verbieten, sondern sicherstellen, dass die Regeln bezüglich Reisen und Quarantäne auch angewendet werden.

  • 15.03 Uhr
    Kann man Astrazeneca guten Gewissens an andere Länder abgeben? 

    Berset sagt, er sei schon immer der Meinung gewesen, dass der Impfstoff von Astrazenca hervorragend sei. Es sei lediglich eine andere Technik als bei den mRNA-Impfstoffen und er sei in der Schweiz lediglich noch nicht genehmigt worden, weil nicht genug Daten vorlagen. Es sei gut, wenn dieser Impfstoff nun anderen zur Verfügung gestellt werde.

  • 15.01 Uhr
    «Der richtige Moment, sich impfen zu lassen»

    «Es gibt momentan genug Platz für sehr viele», sagt Berset. Manche Leute hätten ihre Impftermine verpasst, teils weil sie anderswo schneller einen Termin bekamen, teils weil sie ein Fussballspiel schauen wollten. Ingesamt seien das aber nur sehr wenige. Jetzt sei wirklich der richtige Moment, um sich impfen zu lassen. Die Pandemie sei noch nicht am Ende, man habe sie aber immer besser im Griff.

  • 14.56 Uhr 
    Muss man sich Sorgen um die Stimmung machen? 

    Berset verweist auf das letzte Spiel der Nationalmannschaft gegen Frankreich, wo sich die meisten Leute auch beim Public Viewing an die Anordnungen gehalten haben. «Das war fantastisch und auch weitgehend coronakonform», sagt Berset. Wenn die Situation es erlaube, habe man gelockert. «Damit sind wir Risiken eingegangen». Er hoffe aber, dass die Imfungen auch ab Herbst zu einer guten Situation führen würden.

  • 14.55 Uhr
    Ausnahmen für Geimpfte bei Verschärfungen?

    Wenn die Massnahmen verschärft würden, welche Ausnahmen würden für Geimpfte gelten? Die Situation sei in den Kantonen sehr unterschiedlich, einige seien besser in der Lage, mit einer neuen Welle umzugehen als andere, sagt Berset. Die Kantone könnten Massnahmen treffen, das wäre auch der Normalfall.

    Im Winter würden sich hauptsächlich Leute infizieren, die nicht geimpft sind, so Berset weiter. Scharfe Massnahmen wären in einer solchen Situation nicht verhältnismässig. Ob Geimpfte dann keine Maske mehr tragen müssten und Nicht-Geimpfte schon, wäre eine sehr schwierige Frage für die Gesellschaft. «Die Regeln werden einheitlich sein.»

  • 14.50 Uhr 
    Hängt man beim Impfziel weit hinterher? 

    Nein, sagt Berset. Man sei nahe am ursprünglichen Impfziel dran und könne allen Impfwilligen Zugang zur ersten Impfung bis Mitte Juli ermöglichen. Bis Mitte August dürften dann alle die zweite Dosis und damit den Vollschutz erhalten haben.

  • 14.48 Uhr
    «Virus wird bleiben»

    Man müsse pragmatisch bleiben, sagt Berset. Man habe eine hohe Impfbereitschaft und sei gut aufgestellt, aber es sei nicht wahrscheinlich, dass die Fallzahlen immer tief bleiben. Handkehrum rechne man auch nicht damit, dass bald eine impfevasive Variante auftrete. Man rechne damit, dass die Impfung weiterhin einen guten Schutz bietet.

    Man habe schon mehrmals neue Varianten gesehen, die viel ansteckender seien als die ursprünglichen, sagt Berset weiter auf eine Nachfrage. «Das Virus bleibt hier und wird auch hierbleiben.»

  • 14.45 Uhr
    Unsicherheit bleibt

    «Es bleibt ein bisschen Unsicherheit», betont Berset. Darum bereite man sich zusammen mit den Kantonen auf einige Szenarien vor. Es gebe verschiedene Varianten, man müsse weiter arbeiten, damit man auf einem guten Weg bleibe. Man müsse mit der guten Situation verantwortungsvoll umgehen.

  • 14.44 Uhr
    Vier Millionen Dosen Astrazeneca für Covax

    Der Bundesrat habe weiterhin entschieden, vier Millionen Dosen des Impfstoffes von Astrazeneca an das Covax-Programm abzutreten. «Alle sollen sich gegen eine Erkrankung schützen können.»

    Man behalte einen Teil der bestellten 5,3 Millionen, um flexibel zu bleiben, so Berset. Momentan kämen nur mRNA-Impfstoffe zum Einsatz, aber es könnte nötig sein, auch andere Arten von Impfstoffen einzusetzen. 

  • 14.40 Uhr
    Im Impfen noch besser werden

    «Wir beherrschen die Situation, auch wenn es immer noch gewisse Unsicherheiten gibt», sagt Berset. Die Zusammenarbeit mit den Kantonen sei sehr gut. Die Impfkampagne schreite gut voran – «wir müssen aber noch besser werden», betont Berset. Die Situation im Herbst werde von den Geimpften abhängen. 

  • 14.37 Uhr
    Drei Szenarien

    Berset informiert nun über die drei Szenarien für die nächsten Monate – ein optimistisches, ein pessimistisches und eines dazwischen. Dieses steht im Zentrum der mittelfristigen Planung des Bundes. Man erwarte einen Anstieg der Fallzahlen wegen der Saisonalität des Virus und dem Auftreten von neuen Varianten. Die Impfung bleibe wichtig.

  • 14.35 Uhr
    Positive Situation, aber Virus noch nicht weg

    Das Virus sei noch nicht verschwunden, sagt Berset, die Situation sei aber sehr positiv. Darum könne man die letzten Lockerungsschritte wagen. Man beobachte die Situation sehr genau, auch in umliegenden Ländern, etwa die Delta-Variante. Diese werde auch in der Schweiz wohl bald dominieren.

  • 14.33 Uhr
    Pressekonferenz wird eröffnet

    «Es tut gut, die Maske abzuziehen – zum Glück habe ich mich heute Morgen rasiert», sagt Alain Berset zu Beginn. Und wird gleich ernst: Der Bundesrat habe sich an seiner Sitzung damit befasst, wie man sich auf den Herbst und den Winter vorbereiten könne.

Die aktuelle Lage in der Schweiz ist gut: 129 Corona-Fälle meldet das Bundesamt für Gesundheit (BAG) heute, gleich viele wie gestern. Seit Samstag gelten noch weitergehende Lockerungen, und das Covid-Zertifikat kommt nun zum Einsatz. 

Nun hat der Bundesrat diskutiert, wie sich das Land auf die Herbst- und Wintermonate und einen möglichen Anstieg der Fallzahlen vorbereiten kann. Wichtig sind dabei das rasche Entdecken besorgniserregender Virusvarianten, die Weiterführung der Impfkampagne sowie genug Kapazitäten für das Testen und das Contact Tracing in den Kantonen

Bereits kommuniziert wurden die Entscheide des Bundesrats zu Mediensubventionen: Die finanzielle Unterstützung für Printmedien wird wegen der Corona-Pandemie bis Ende Jahr fortgesetzt. Ausserdem hat der Bundesrat bekannt gegeben, dass er die rund 30 Milliarden Franken Schulden aus der Corona-Krise ohne Sparprogramm abbauen will.