«Bin nicht sicher, ob ich Herrn Lauber zwei- oder dreimal traf»

sob

22.10.2020 - 05:26

Fifa-Präsident Gianni Infantino bei einer Pressekonferenz am 11. Dezember 2019 im EU-Parlament.
Keystone

Fifa-Präsident Gianni Infantino spricht erstmals über seine geheimen Treffen mit Bundesanwalt Michael Lauber. Er ist stinksauer über das Strafverfahren gegen ihn. Der Verdacht: Anstiftung zum Amtsmissbrauch.

Der Nachfolger von Sepp Blatter an der Spitze des Weltfussballverbands (Fifa) ist nicht zu beneiden. Gianni Infantino hat 2016 von Blatter nach eigenen Angaben einen Scherbenhaufen übernommen. «Ich wurde Chef einer durch Korruption vergifteten Firma», sagt der 50-Jährige heute in einem Interview mit dem «Blick».

Erstmals spricht Infantino über das Strafverfahren, das gegen ihn seit drei Monaten läuft. Der Verdacht ist happig: Anstiftung zum Amtsmissbrauch. Infantino soll Bundesanwalt Michael Lauber mehrmals getroffen und mit ihm einen Deal gemacht haben. Die Treffen kosteten Lauber inzwischen den Job.



Infantino ist sich keines Unrechts bewusst: «Bis heute habe ich keine Ahnung, was mir vorgeworfen wird. Man warf mich der Weltöffentlichkeit zum Frass vor, ohne zu sagen, was ich falsch gemacht haben soll.»

«Pflicht, den Bundesanwalt zu treffen»

Der neue Fifa-Boss sah es kurz nach seiner Amtsübernahme «als Pflicht an, den Kontakt zum Bundesanwalt zu suchen, um zwei Dinge zu signalisieren. Erstens: Wir räumen auf, ziehen Reformen durch und machen Geldflüsse transparent, damit sich die Dinge von früher nicht wiederholen». Zweitens wollte er dem Bundesanwalt signalisieren, dass «bei der neuen Fifa nicht nur die Türen offen, sondern auch die Fenster» offen seien. «Ich wollte ihm sagen, dass auch ich als neu gewählter Präsident mit der Bundesanwaltschaft voll kooperieren werde.»

Lauber und Infantino hatten sich in ihren Aussagen widersprochen, als es um die Anzahl der geheimen Treffen im Berner Hotel Schweizerhof ging. Waren es zwei, oder gar drei Treffen? «Da bin ich mir tatsächlich nicht sicher, ob ich Herrn Lauber zwei- oder dreimal getroffen habe», sagt Infantino heute. «Was ich aber weiss: Ich hätte mich auch 300-mal mit ihm getroffen, wenn er es gewünscht hätte. Dass daraus etwas Illegales konstruiert wird, ist nicht nachvollziehbar. Es ist nie irgendetwas zwischen mir und Herrn Lauber abgesprochen worden, weder vor noch während oder nach den Besprechungen.»

Wollte er sich beim Bundesanwalt reinwaschen?

Infantino wehrt sich insbesondere entschieden gegen die Behauptung der «Football-Leaks-Medien», dass er sich reinwaschen wollte wegen eines zweifelhaften TV-Vertrags, den er noch als Uefa-Generalsekretär unterschrieben hat. «Das ist fertiger Blödsinn! Ich weiss nicht, wer mich mit dieser Unterstellung anschwärzen wollte, aber daran stimmt hinten und vorne nichts. Dieser Uefa-Vertrag wurde von der Bundesanwaltschaft gründlich untersucht und für mich als absolut problemlos erachtet.»

Nach Mauschelei sah es auch aus, weil Infantino zu den Treffen seinen Kumpel, den Walliser Oberstaatsanwalt Rinaldo Arnold, mitgenommen hatte. Dieser bekam von Infantino regelmässig WM- und Champions-League-Tickets. Infantino heute: «Ich fragte ihn um Rat, um den Bundesanwalt zu treffen. Das ist sicher nichts Illegales. Es war für mich naheliegend, dass ich einem Freund, der zusätzlich noch Oberstaatsanwalt ist, vertrauen kann.»



Infantino glaubt zwar nicht, dass ihm die Geschichte gefährlich werden könnte. «Aber ich muss schon ehrlich sein, dass es mich sehr trifft, auch meine Familie, jeden Fifa-Angestellten, jeden Präsidenten eines Fifa-Verbandes. Der Imageschaden ist enorm. Darum muss man das jetzt so schnell als möglich aufklären. Ich werde deshalb die Fragen des ausserordentlichen Staatsanwalts jederzeit gerne beantworten.»

Ein Tor beim Weissen Haus

Der neue Fifa-Boss ist inzwischen längst in der Welt der Schönen und Mächtigen angekommen. Er trifft sich mit Staatsoberhäuptern und Regierungschefs rund um die Welt. Auch beim US-Präsidenten Donald Trump ist er regelmässig zu Gesprächen im Oval Office. Mittlerweile sei er nicht mehr so nervös wie am Anfang. «Aber es ist schon speziell im Weissen Haus. Da spürt man den Druck der Geschichte.»

Gemäss Infantino beginnen die Gespräche bei Trump jeweils mit dem üblichen Smalltalk. Dann aber sei es «mit einem wirtschaftlich denkenden Präsidenten auch spannend, über das Potenzial des Fussballs in den USA zu sprechen und über die WM in Kanada, Mexiko und den USA. Und es hilft, dass sein Sohn Fussball spielt. Im Garten des Weissen Hauses steht sogar ein Tor».

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