Darum trügt die epidemiologische Lage

lmy

5.5.2021

A physician assists a Covid-19 patient intubated and ready for treatment in the Intensive Care Unit at the regional hospital La Carita in Locarno, Switzerland, April 2, 2020,. (KEYSTONE/Ti-Press/Pablo Gianinazzi)
Ein intubierter Corona-Patient in Locarno.
KEYSTONE

Die sinkenden Fallzahlen sollte man mit Vorsicht geniessen, denn immer mehr Personen sind immun gegen das Corona-Virus. Was bedeutet das für die Jungen?

lmy

5.5.2021

Beim wöchentlichen Point de Presse des Bundesamts für Gesundheit wird heute Nachmittag mit Vizepräsident Urs Karrer auch die wissenschaftliche Taskforce vertreten sein und sich zur epidemiologischen Lage im Land äussern. 

Auf den ersten Blick scheint diese gut zu sein: Die Fallzahlen sinken seit kurzem wieder, der R-Wert liegt unter 1, jede fünfte Person ist mittlerweile geimpft. Doch gerade letzteres verfälscht die Statistik, wie auch die Tatsache, dass viel weniger Tests gemacht werden, seit Selbsttests verfügbar sind. Ausserdem haben viele Leute eine Erkrankung durchgemacht und so Antikörper entwickelt – auch sie sind also immun.

Somit schrumpfe die ungeschützte Bevölkerung laufend und die Zahl der Corona-Fälle verteile sich auf immer weniger Köpfe, führt der «Tages-Anzeiger» aus. Gerade für Jüngere, die noch nicht geimpft sind und nie erkrankt waren, sei das Risiko momentan deutlich höher, als es den Anschein mache.

Sind es eher 400 Fälle pro 100'000 Einwohner?

Die 14-Tage-Inzidenz liegt momentan bei rund 300 Fällen pro 100'000 Einwohner – berechnet wird diese jedoch in Relation zur Gesamtbevölkerung. Würde man davon die Geimpften und einen Schätzwert von 5 Prozent Genesenen abziehen, käme man auf über 400 Fälle pro 100'000 Einwohner und damit nahe an die Schwelle von 450, ab der wieder Verschärfungen möglich wären.

Wegen der Virusvarianten sei auch die Wahrscheinlichkeit eines schweren Krankheitsverlaufs so hoch wie noch nie, schreibt der «Tages-Anzeiger». So sei es zu deutlich mehr Hospitalisierungen in allen Altersklassen zwischen 20 und 59 gekommen. Damit steige die Belegung auf den Intensivstationen nach wie vor, der Altersdurchschnitt etwa am Inselspital Bern liegt aktuell bei 55 Jahren.