«Bei Gewalt hört das demokratische Mitspracherecht auf»

SDA/phi/dor/uri

16.9.2021 - 23:23

In Bern ist es bei einer unbewilligten Kundgebung gegen die Corona-Politik zu Zusammenstössen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen. Bundespräsident Parmelin verurteilt die Ausschreitungen in deutlichen Worten. 

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16.9.2021 - 23:23

Schätzungsweise drei- bis viertausend Menschen haben am Donnerstagabend in der Berner Innenstadt gegen Corona-Schutzmassnahmen demonstriert. Als Teilnehmer an einem Zaun vor dem Bundeshaus rüttelten, setzte die Polizei den Wasserwerfer ein.

Nach einem Aufruf, mit dem Rütteln an diesem am Boden verankerten Zaun aufzuhören, kam es auch zu einem Einsatz von Gummischrot. Zudem versprühte die Berner Kantonspolizei Reizstoff. Dies aber in geringen Mengen, wie Reto Nause, der Sicherheitsdirektor der Stadt Bern, auf Anfrage sagte. Die unbewilligte Kundgebung löste sich gegen 22 Uhr auf.

Der Einsatz war nach Angaben der Polizei nötig geworden, weil einzelne Demonstranten gegen die Sperre vor dem Bundeshaus gedrängt und Feuerwerkskörper abgeschossen hatten. Dieser war zum Schutz des Regierungsgebäudes – wie auch bei anderen Gelegenheiten – quer über den Bundesplatz errichtet worden.

Die Polizei habe einen «möglichen Sturm aufs Bundeshaus» verhindert, twitterte Sicherheitsdirektor Nause kurz nach 22 Uhr.

Die Berner Kantonspolizei meldete per Twitter, es habe einen Verletzten gegeben. Dies nach der Konfrontation von Personengruppen. 

Nachdem die Freiheits-Trychler den Bundesplatz verliessen, leerte sich dieser relativ rasch. Wie ein Reporter der Nachrichtenagentur Keystone-SDA beobachtete, kam es danach noch zu verbalen Auseinandersetzungen zwischen Demonstrationen und der Polizei in der Nähe des Bahnhofs.

Parmelin verurteilt Gewalt 

Bei seiner heutigen Medienkonferenz erklärte Bundespräsident Parmelin gegenüber den Bundeshaus-Medien: «Ich verurteile jeden gewalttätigen Akt zutiefst. Gewalt ist nie gut, da hört das demokratische Mitspracherecht auf.»

Das sagt der Bundespräsident zur Demo in Bern

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«Wir verurteilen uneingeschränkt Gewaltakte, sei es gegen Menschen, privates oder öffentliches Eigentum». So kommentierte Bundespräsident Parmelin die Demonstration der Gegner des Covid-Zertifikates vor dem Bundeshaus.

17.09.2021

Auch die Rastpräsidenten verurteilten die Ausschreitungen, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Nationalratspräsident Andreas Aebi (SVP, Bern) erklärte das Verhalten der Protestierenden als unschweizerisch und sagte gemäss der Zeitung: «Wegen ein paar Hitzköpfen lassen wir uns nicht aus der Fassung bringen.» 

Auch Ständeratspräsident Alex Kuprecht (SVP, Schwyz) kritisierte, er verstehe die Welt nicht mehr, wenn man aufgrund der Corona-Massnahmen gewalttätig werde: «Mit Gewalt und Demonstrationen lösen wir kein einziges Problem.»

«Nein zur Zerti-Diktatur»

Am frühen Abend hatten sich auf dem Berner Bahnhofplatz mehrere tausend Personen zu der Kundgebung gegen die Ausweitung der Corona-Zertifikatspflicht versammelt.

Auf Transparenten waren Parolen zu lesen wie: «Nein zur Zerti-Diktatur» und «Nein zum Impfterror». Wiederholt wurde in Sprechchören «Liberté, liberté» gerufen.

Immer wieder waren auch Pfeiff-Konzerte zu hören. Viele der Demonstrierenden schwangen Schweizer- und Kantonsfahnen. Aufgerufen worden war zu der Kundgebung auf den sozialen Medien. Sie war von den Behörden nicht bewilligt worden.

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