Die Kantone bauen das Contact Tracing wieder aus

Von Lukas Meyer

26.8.2021

Bundesrat Alain Berset, links, beim Besuch im Contact Tracing Bueros im Urner Kantonsspital in Altdorf anlaesslich seines Besuchs im Kanton Uri waehrend der Coronapandemie, am Donnerstag, 27. Mai 2021, in Altdorf. (KEYSTONE/Urs Flueeler)
Bundesrat Alain Berset (hinten Mitte) besucht das Contact-Tracing-Zentrum im Urner Kantonsspital in Altdorf.
KEYSTONE

Im Sommer haben einige Kantone ihr Contact Tracing stark abgebaut. Die steigenden Zahlen bedeuten wieder mehr Arbeit in diesem Bereich, und die Kapazitäten müssen hochgefahren werden.

Von Lukas Meyer

26.8.2021

Die Fallzahlen steigen, die Spitäler schlagen Alarm wegen der Auslastung der Intensivstationen, der Bundesrat will den Einsatz des Covid-Zertifikats ausweiten. Das bringt auch mehr Arbeit fürs Contact Tracing – bei jedem positiven Fall müssen die Behörden die Kontaktdaten zurückverfolgen. Dabei hatten einige Kantone ihre Kapazitäten in diesem Bereich im Sommer abgebaut.

Im Kanton Zürich kann das Contact Tracing weiterhin alle neuen Fälle nachverfolgen, sagt der Zuständige Beat Lauper auf Anfrage von «blue News». «Wir haben bereits Ende letztes Jahr die Prozesse so optimiert, dass sofort ein SMS an die positiv getestete Person geschickt wird, sobald wir die Labormeldung erhalten haben.» Darin sei ein Link zu einem Online-Formular, auf dem auch Kontaktpersonen angegeben werden können, auch der mögliche Ansteckungsort wird erfragt.



Erst danach erfolgt der erste telefonische Kontakt mit allen positiv Getesteten, ein sogenanntes Speed Tracing. Wenn die Tracer Verunsicherung oder Verständigungsprobleme feststellen, machen sie einen weiteren Anruf zur Klärung. «Zusätzlich kommt dazu, dass wir mittlerweile doch sehr erfahrenes Personal haben, was uns erlaubt, mit weniger Mitarbeitenden mehr zu leisten, unterstützt durch etliche Automatisationen und Digitalisierung der Prozesse.»

Der Kanton arbeite mit Personalpools, so Lauper. Derzeit seien in zwei Standorten jeweils rund 30 respektive 60 Personen pro Tag in zwei Schichten im Einsatz. Bisher musste kein zusätzliches Personal eingestellt werden, ausser um natürliche Fluktuation abzudecken. «Aber sollte der Trend weiter mit steigenden Fallzahlen sein, so haben wir bereits Massnahmen vorbereitet, um die personelle Durchhaltefähigkeit sicherzustellen.»

Aargau am Anschlag, Bern stockt auf

Der Kanton Aargau etwa hatte im Juli angekündigt, 40 Stellen abzubauen und 60 Personen nur noch auf Abruf zu beschäftigen. Wie CH Media von einem Insider erfuhr, stagniert nun das Tracing, mehrere Tage in Folge wurden 300 Infizierte nicht tagesaktuell kontaktiert.

Zudem seien viele Mitarbeitende krankgeschrieben, und einige wurden positiv auf Corona getestet. Dazu kommt, dass es an mehreren Schulen Ausbrüche gab. Die Gesundheitsdirektion räumt ein, dass derzeit die Bearbeitung innert 24 Stunden «durch die Ausbruchsuntersuchungen beim repetitiven Testen und personelle Ausfälle im Contact Tracing» nicht gewährleistet sei. Man versuche, die Situation zu verbessern. 

Der Kanton Bern stellt zu den 200 Leuten, die bereits im Contact Tracing arbeiten, einige zusätzliche ein. Man wolle gewappnet sein, sagte Gesundheitsdirektion-Sprecher Gundekar Giebel SRF. Momentan sei man noch in der Lage, alle Fälle zeitnah zu verfolgen, aber: «Wir stehen hier am Anfang, wir müssen uns jetzt vorbereiten.»

Entscheidend beim Contact Tracing ist das Tempo, um ein rasches, gezieltes Eingreifen zu ermöglichen, wie Epidemiologe Marcel Tanner «blue News» sagte.