Taskforce erklärt ihre pessimistischen Szenarien

lmy

6.5.2021

Martin Ackermann, Praesident National COVID-19 Science Task Force, spricht waehrend einer Medienkonferenz zur aktuellen Situation des Coronavirus, am Dienstag, 20. April 2021 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)
Taskforce-Präsident Martin Ackermann ist erfreut über die gute Entwicklung.
KEYSTONE

Die wissenschaftliche Covid-Taskforce präsentierte noch Ende April Szenarien mit deutlich steigenden Fallzahlen. Präsident Martin Ackermann begründet nun, wie das zustande kam.

lmy

6.5.2021

Die Experten von Bund und Kantonen sahen am Point de Presse gestern Grund für verhaltenen Optimismus. «Die Öffnungsschritte vom April haben bisher keine negativen Auswirkungen», hielt Patrick Mathys vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) fest.

Die anwesenden Journalisten fragten Urs Karrer, Vizepräsident der wissenschaftlichen Taskforce, wiederholt nach den Szenarien, die Präsident Martin Ackermann Ende März präsentiert hatte. Diese kamen je nach Impffortschritt auf bis zu 10'000 Ansteckungen pro Tag. Auch Ende April gingen sie noch von einem Wachstum aus.

Gegenüber CH Media äussert sich nun Ackermann selber. Er betont erneut, dass es sich bei diesen Szenarien nicht um Prognosen handelt, auch wenn diese in der Öffentlichkeit oft so verstanden würden. Es gehe darum, Trends aufzuzeigen und die Einflüsse von verschiedenen Massnahmen zu untersuchen. «Das Szenario mit einem Höhepunkt von über 10'000 Fällen im Sommer beruhte auf einer deutlich schnelleren und stärkeren Öffnung, als dann tatsächlich umgesetzt wurde, und zudem auf einer langsameren Impfkampagne», erklärt er weiter. 

Die Sache mit dem Präventions-Paradox

Zudem gebe es Unsicherheitsfaktoren bei solchen Modellen. Am schwierigsten einzuschätzen sei das Verhalten der Menschen. Wenn diese vorsichtig seien und sich schützten, komme es zu weniger Ansteckungen, so Ackermann, was sehr erfreulich sei. Auch die wärmeren Temperaturen helfen, da sich das Virus im Freien weniger schnell verbreite.

Vizepräsident Karrer verneinte an der Pressekonferenz, dass die Taskforce bewusst Schreckensszenarien verbreite. «Ich lasse mich lieber positiv überraschen als negativ.» Die Taskforce sei unter anderem wegen des Präventions-Paradoxes oft in einer No-Win-Situation, damit könne man aber leben. Wenn man warne und sich die Leute dann vorsichtiger verhalten, wirkten die Warnungen im Nachhinein oft übertrieben, dabei hätten gerade die Warnungen dazu geführt, dass es nicht so schlimm kam.