Reaktionen zum Bundesratsentscheid

«Es ist wichtig, dass den Menschen eine Perspektive gegeben wird»

Von Alex Rudolf

20.1.2022

Berset: «Wir müssen den Weg zu Ende gehen»

Berset: «Wir müssen den Weg zu Ende gehen»

Obwohl Alain Berset die Pandemie-Situation am Mittwoch zurückhaltend zuversichtlich kommentierte, warnte der Gesundheitsminister davor, zu schnell vorpreschen zu wollen. «Es gibt keine Abkürzung in der Pandemie.»

19.01.2022

Handelt der Bundesrat voreilig mit seinem Plan, Homeoffice und Quarantäne früher zu beenden? Obwohl besonders bei den Schulen Unsicherheit herrscht, ist man optimistisch.

Von Alex Rudolf

20.1.2022

Mit seiner Entscheidung, die Homeoffice- und die Quarantäne-Pflicht zu verkürzen, geht der Bundesrat stark auf die Wünsche der Wirtschaft und der Kantone ein. Zu stark? Das glaube er nicht, sagt der Tessiner Epidemiologe Andrea Cerny zu blue News.

«Bei der tatsächlichen Umsetzung der Massnahmen ist der Bundesrat offen. Ob die Homeoffice- und Quarantäne-Pflicht auch wirklich fallen, hängt von den Fallzahlen ab, die wir Ende Februar verzeichnen», sagt er.

«Dass wir bei diesen Rekordzahlen von heute 38'000 Neuinfektionen aber von Lockerungen sprechen, mag irritieren», sagt Cerny weiter. Dennoch zeichne sich nun in anderen Ländern eine Abflachung der Omikron-Kurve ab, was eine Planung der Lockerungen legitimiere. «Es ist wichtig, dass den Menschen eine Perspektive gegeben wird.»

Die Planung der Lockerungen sei legitim, sagt Andrea Cerny.
blue News

Was auffällt: Der Bundesrat will den Laboren mehr Flexibilität geben und setzt eine Priorisierung in Kraft. Erst sollen Tests von Menschen der Risikogruppe, die entweder Symptome oder Kontakt zu Infizierten hatten, analysiert werden. Als Zweites sollen Tests von Personen aus dem Gesundheitsbereich, als Drittes im Zusammenhang mit kritischen Infrastrukturen ins Labor kommen. Personen mit Symptomen sind als Viertes an der Reihe.

Dagmar Roesler, Praesidentin des Verbands Lehrerinnen und Lehrer Solothurn und per 01.08.2019 Praesidentin des Schweizer Lehrerverbands, portraitiert in einem Schulklassenzimmer der Schule Franziskanerhof am 22. Mai 2019 in Bellach, Kanton Solothurn. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Die Schulen hätten in den letzten Wochen intensiv auf grossflächige Testung hingearbeitet. War das alles umsonst? Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbands der Lehrerinnen und Lehrer, ist unsicher.
KEYSTONE

An fünfter Stelle folgen die repetitiven Testungen an Schulen. Für die Präsidentin des Dachverbands der Lehrerinnen und Lehrer, Dagmar Rösler, ist dies eine Überraschung.

«Viele Kantone fuhren die repetitiven Tests in den Schulen während der vergangenen Wochen massiv hinauf», sagt sie. Schulleitungen und Lehrpersonen hätten unglaublich viel Zeit investiert in die Organisation dieser Testabläufe, mit Eltern sprechen müssen, Fragen beantworten und Abklärungen treffen. «Dass das Testen an Schulen nun weiterhin möglich sein wird, ist angesichts der Priorität 5 infrage gestellt», sagt sie. Aber man müsse erst abwarten, wie sich die Situation entwickelt.

Die Priorisierung der Testung ist aus Cernys Sicht sinnvoll. «Dem Bundesrat geht es darum, die vulnerabelsten Personen zu schützen.»

Klassenlehrperson Tania Martinez zaehlt die Sekunden fuer den Spucktest (PCR-Speichel-Test) in einem Schulzimmer der Schule Pfingstweid in Zuerich, aufgenommen am Dienstag, 11. Januar 2022. Mit regelmaessigen Tests an Schulen versuchen die Behoerden die Ausbreitung des Coronavirus zu verringern. (KEYSTONE/Ennio Leanza)
PCR-Speichel-Test in einer Zürcher Schule Mitte Januar 2022: Dagmar Rösler, Präsidentin des Dachverbands der Lehrerinnen und Lehrer, bemängelt, dass den repetitiven Tests an Schulen keine hohe Priorität zukommt. 
Bild: Keystone