Fast ein Viertel der Tessiner kam schon mit dem Virus in Kontakt

SDA/pab

12.7.2021 - 12:41

Der Tessiner Staatsrat Raffaele De Rosa an einer Pressekonferenz der Tessiner Regierung zur Aktualisierung der kantonalen Corona-Massnahmen, am Sonntag, 8. November 2020, in Bellinzona. (KEYSTONE/Ti-Press/Samuel Golay)
Der Tessiner Staatsrat Raffaele De Rosa mahnt die Bevölkerung weiterhin zu Wachsamkeit. 
Bild: Keystone/Ti-Press/Samuel Golay

Im Tessin ist seit Beginn der Pandemie fast jede vierte Person mit dem Coronavirus in Kontakt gekommen: Das belegt eine gross angelegte Studie. Vor einer Infektion sind sie damit aber nicht gefeit.

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12.7.2021 - 12:41

«Dies ist ein wichtiges neues Kapitel im Wissen über das Virus»: Mit diesen Worten präsentierte der Direktor des Tessiner Gesundheitsamtes, Raffaele De Rosa, am Montag die Resultate einer sogenannten Seroprävalenzstudie. Dafür liessen sich 936 Personen Blut entnehmen, um herauszufinden, wie viele Tessinerinnen und Tessiner bereits Antikörper gegen das Coronavirus gebildet haben. 

Die Studie erlaubt einen Langzeitvergleich: Die erste Erhebung fand im Mai 2020 statt, weitere Erhebungen führte der Tessiner Gesundheitsdienst im August und November des vergangenen Jahres sowie im Mai 2021 durch.

Während bei der ersten Erhebung im Mai 2020 lediglich neun Prozent der Getesteten Antikörper gegen das Coronavirus aufwiesen, waren es im November 2020 bereits 14 Prozent. Bei den im Mai 2021 getesteten Personen waren es dann 22,3 Prozent. 

Antikörper halten über ein Jahr an

Auch ein Jahr nach dem Kontakt mit dem Virus fanden sich bei der Mehrheit der getesteten Personen noch Antikörper gegen das Coronavirus, erklärte Martine Bouvier Gallacchi, Leiterin des kantonalen Dienstes für Gesundheitsförderung und Evaluation. Das seien ermutigende Daten. Sie warnte aber zugleich vor voreiligen Schlüssen: Das bedeute nicht, dass diese Personen vor einer Erkrankung geschützt seien.

Bezüglich Alter und Geschlecht gab es keine signifikanten Unterschiede; auch im Blut der getesteten Personen über 80 Jahre seien zwölf Monate nach dem Kontakt noch Antikörper gefunden worden, so Bouvier Gallacchi.

Die Impfung scheine keinen Einfluss auf die Studienresultate zu haben. Der Grund: Das Vakzin nehme ein anderes Eiweiss des Virus ins Visier als der Bluttest der durchgeführten Studie.

«Am Beginn einer neuen Phase»

Die Kantonsvertreter sprachen an der Medienkonferenz auch über die aktuelle Entwicklung der Pandemie. Dieser Sommer sei nicht mit dem letztjährigen vergleichbar, sagte Gesundheitsdirektor De Rosa, einiges sei anders: So kursierten Virus-Varianten, und die Schutzmassnahmen seien weniger strikt. Ausserdem gebe es einen ungeimpften Teil der Bevölkerung, nämlich die Jugendlichen. «Wir stehen am Beginn einer neuen Phase», betonte De Rosa und forderte die Bevölkerung dazu auf, auch in den Ferien wachsam und verantwortungsbewusst zu bleiben.

Jenen, die sich noch nicht impfen lassen haben, sprach er ins Gewissen: «Ich appelliere an diejenigen, die sich noch nicht entschieden haben: Lassen Sie sich impfen, es ist wirklich an der Zeit.»

22 Prozent Delta-Variante

Möglicherweise werde die Studie weitergeführt, hielt Kantonsarzt Giorgio Merlani an der Medienkonferenz fest. Sie sei hilfreich, um ein Bild der Immunität der Tessiner Bevölkerung zu erhalten. Im kommenden November sowie im Mai 2022 könnten weitere Bluttests durchgeführt werden.

Abschliessend informierte Merlani über den Stand der Impfkampagne im Südkanton. Demnach sind aktuell 42,5 Prozent der Tessinerinnen und Tessiner vollständig geimpft. 22 Prozent der positiv auf das Coronavirus getesteten Personen wiesen in der letzten Woche die Delta-Variante auf.

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