Freie Termine in Zürich, lange Wartezeiten in Bern

Julia Käser und Tobias Bühlmann

8.4.2021

Eine Frau haelt ein Ticket mit einer Nummer in den Haenden fuer ihre Impfung, im groessten Impfzentrum des Kantons Zuerich, dem Covid-19-Impfzentrum Messe Zuerich, am Dienstag, 6. April 2021. Das Impfzentrum nimmt am 6. April seinen Betrieb auf und pro Tag koennen auf 30 Impfstrassen bis zu 4000 Personen geimpft werden. (KEYSTONE/Alexandra Wey)
Im Impfzentrum in der Zürcher Messe sind derzeit noch Termine zu haben – in anderen Kantonen hingegen sind freie Termine eine Seltenheit.
Bild: Keystone/Alexandra Wey

Der Kanton Zürich bleibt auf freien Impfterminen sitzen – auch deshalb, weil sich einige lieber beim Hausarzt impfen lassen. Anders die Situation in Bern: Dort gibt man sich äusserst zufrieden mit der Impfbereitschaft. 

Julia Käser und Tobias Bühlmann

8.4.2021

In Zürich hat am Dienstag die lang erwartete Impf-Offensive begonnen. 90'000 Termine in seinen Impfzentren hat der Kanton vergangene Woche aufgeschaltet, zunächst nur für die Gruppe der über 75-Jährigen. Später wurden weitere Gruppen zugelassen, also auch Menschen ab 65 Jahren und jüngere Risikopatient*innen.

Vor allem letztere scheinen sehnlichst auf die Termine gewartet zu haben: Am späteren Mittwochnachmittag waren im grössten Impfzentrum des Kantons, in der Messe Zürich, vor allem Wartende zu sehen, die ihren 65. Geburtstag augenscheinlich noch nicht hinter sich haben.

Bei den Älteren scheint die Dringlichkeit, sich impfen zu lassen, dagegen weniger hoch zu sein: Neun Tage nach der Freischaltung von 90'000 Terminen in den Zürcher Impfzentren waren am gestrigen Mittwoch immer noch 18'000 Termine frei. Das veranlasste die Zürcher Gesundheitsdirektion, noch einmal öffentlich darauf hinzuweisen – auch Departements-Chefin Natalie Rickli hat persönlich via Twitter auf die freien Termine hingewiesen.

Impfung lieber in der Arztpraxis

Am Donnerstagmorgen waren dann noch rund 12'000 Termine frei, wie Sprecherin Lina Lanz auf Anfrage von «blue News» mitteilte. Dass vor allem jüngere Personen in der Messe Zürich auf ihre Impfung warteten, lasse sich dadurch erklären, dass Personen der Impfgruppe B, D und E auch jünger als 65 Jahre sein – sofern sie unter chronischen Erkrankungen oder Krankheiten mit dem höchsten Risiko litten. 

Trotz vieler freier Termine gibt man sich in Zürich zufrieden. «Der Rücklauf bei den Registrierungen und Terminbuchungen entspricht etwa unseren Erwartungen», so Lanz. Man dürfe nicht vergessen, dass im Kanton Zürich bereits 140'000 Personen geimpft seien. 

Hinzu komme, dass es in den zugelassenen Impfgruppen Personen gebe, die sich lieber bei ihrem Arzt oder ihrer Ärztin impfen lassen – und dort auf der Warteliste stünden. «Um Ostern wurden rund 500 Arztpraxen mit je 100 Impfdosen beliefert, weitere 260 Praxen kommen noch dazu.» 

Geplant ist, dass die nächsten Impfgruppen in Zürich für die Terminbuchung Ende April freigegeben werden. Laut Lanz kann dies bei Bedarf jedoch vorgezogen werden. Die breite Bevölkerung soll dann ab Ende Mai Impftermine vereinbaren dürfen. 

In Bern brauchen Impfwillige Geduld

Generell scheinen freie Impftermine derzeit eher zur Kategorie Luxusproblem zu gehören. Denn im bevölkerungsmässig zweitgrössten Kanton der Schweiz, in Bern, waren die vergangene Woche freigegebenen Termine für über 65-Jährige (Impfgruppe C) im Nu ausgebucht. Etliche Impfwillige müssen sich also weiterhin gedulden, bis sie ihre erste langersehnte Dosis erhalten.

«Wir sind mit der Impfbereitschaft im Kanton Bern sehr zufrieden. Die aufgeschalteten Termine können innert kürzester Zeit vergeben werden», sagt Gundekar Giebel, Sprecher der Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion des Kantons Bern. 

Man erhalte täglich Anfragen von Bürger*innen weit unter 65-jährig, die sich baldmöglichst impfen lassen möchten. Momentan sind in Bern aber nur die Impfgruppen A, B und C zur Impfung zugelassen. Sollten Termine durch diese Gruppen nicht mehr gefüllt werden können, würden sie unverzüglich für die nächste freigeschaltet, so Giebel. 

Langfristig rechne der Kanton mit 50 Prozent Impfwilligen in der Bevölkerung – «Tendenz stetig zunehmend».