Gleichstellungsreport – schlechte Noten für die Schweiz

tafi

18.12.2018

Schweizer Frauen verlieren den Anschluss: Der Gleichstellungsreport des WEF kritisiert die zunehmende wirtschaftliche Ungleichheit zwischen Männern und Frauen. Sogar in Ruanda läuft es besser.

Die Gleichberechtigung in der Schweiz kommt kaum voran. Das hat der aktuelle «Global Gender Gap Report» des Davoser Weltwirtschaftsforums (WEF) ergeben. Zwar habe sich die Teilhabe der Frauen am politischen Leben verbessert, aber bei der wirtschaftlichen Chancengleichheit sei die Kluft grösser geworden, heisst es in dem Gleichsstellungsbericht.

Die Schweiz läuft im Ranking der Studie auf Rang 20 ein, verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr leicht um einen Platz. Die Geschlechterkluft ist demnach hierzulande zu gut drei Vierteln geschlossen. Nicht nur in vielen Ländern Skandinaviens und Westeuropas, sondern auch in Ruanda (Platz 5), Nicaragua (Platz 6) oder Namibia (Platz 10) läuft es derzeit besser. Spitzenreiter der Rangliste ist wie im Vorjahr Island, auf den Plätzen folgen Norwegen und Schweden. Deutschland ist 14, die USA landen abgeschlagen auf Platz 51.

Müssen sie sich etwa Bärte wachsen lassen, damit sie endlich gleichgestellt sind? Schweizer Frauen (hier bei einer Demonstration für Lohngleichheit in Bern)  verlieren laut WEF-Gleichstellungsreport vor allem wirtschaftlich den Anschluss.
Keystoen / Archivbild

Einer der Hauptgründe für die rückläufige Entwicklung in der Schweiz: Frauen sind hierzulande in technischen Berufen stark unterrepäsentiert. Dieses Beschäftigungsfeld wachse allerdings überdurchschnittlich stark, während «tradituonelle Frauenberufe» der Automatiserung zum Opfer fallen. Anders gesagt: Frauen verlieren den digitalen Anschluss. Bezeichnend dafü ist, dass im Bereich der Künstlichen Intelligenz in der Schweiz nur 19 Prozent Frauen arbeiten.

Auch bei Führungspositionen hat es im Vergleich zum Vorjahr einen Rückschritt gegeben: Verzeichnete der «Global Gender Gap Report» 2017 noch 36 Prozent Frauenanteil im Managament, sind es dieses Jahr nur noch 34 Prozent. Einer der Hauptgründe dafür, dass Frauen im Berufsleben das Nachsehen haben sei die fehlende Infrastruktur bei der Kinderbetreuung. Laut der Gewerkschaft Travail Suisse ist «die Schweiz eines der entwickelten Länder, das in Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) am wenigsten Geld für die Familienpolitik ausgibt, insbesondere was die Betreuung von Kleinkindern anbetrifft.»



«Mehr denn je können es Gesellschaften sich nicht leisten, auf die Fähigkeiten, Ideen und Perspektiven der Hälfte der Menschheit zu verzichten», kommentierte WEF-Gründer Klaus Schwab den Bericht. Nur mit Teilhabe der Frauen lasse sich das Versprechen einer wohlhabenderen und menschlich orientierten Zukunft umsetzen.



Das WEF misst die Gleichstellung in den vier Bereichen Bildung, Gesundheit, Politik und Wirtschaft. Im Vorjahr hatten die Autoren erstmals seit Veröffentlichung der ersten Studie 2006 eine Vergrösserung der Kluft zwischen Frauen und Männern festgestellt. Vor diesem Hintergrund sei die – wenn auch marginale – Verbesserung in diesem Jahr begrüssenswert.

Weltweit ist die Geschlechterkluft demnach zu 68 Prozent geschlossen. Im jetzigen Tempo werde es 108 Jahre dauern, die globale Lücke zwischen den Geschlechtern zu schliessen, schreiben die Autoren, verglichen mit 100 beim vorigen Bericht. Bis zur Gleichstellung am Arbeitsplatz dauert es demnach sogar noch 202 Jahre.

Bilder aus der Schweiz
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