Steigende Preise für Nahrung, Wohnen und Energie

Inflation trifft Wenig-Verdienende am härtesten

smi

26.6.2022

Beduerftige Menschen erhalten in den Manegg-Hallen Lebensmittel, fotografiert am 21. August 2021 in Zuerich. Das Programm
Wenn selbst Essen zu teuer wird: Diese Menschen erhalten in Zürich Lebensmittel im Rahmen des Programms «Essen fuer alle» der Pfarrer Sieber Stiftung (Archivbild von 2021).
KEYSTONE

Die Inflation ist in der Schweiz im internationalen Vergleich moderat. Doch der Preisanstieg wirkt sich bereits auf das Budget der Schweizer*innen aus – besonders betroffen sind jene mit geringem Einkommen. 

smi

26.6.2022

Die Schweiz erlebt gerade den stärksten Preisanstieg seit 14 Jahren. Zwar ist die Inflation in der Schweiz mit 2,9 Prozent im Vergleich zum Ausland moderat. Der «Sonntagsblick» hat die Auswahl auf Güter des täglichen Bedarfs eingeengt und kommt so auf 5,5 Prozent höhere Preise als im selben Monat vor Jahresfrist.

Das sind schlechte Nachrichten für alle, aber besonders für jene, die mit einem kleinen Einkommen über die Runden kommen müssen. Bei Ihnen machen Wohnen, Energie und Nahrungsmittel einen grossen Teil Ihrer Ausgaben aus. Das sind just die Bereiche, in denen die Preise besonders stark steigen.

Die grossen Preistreiber sind Erdöl und Gas. Seit Beginn der russischen Invasion der Ukraine sind sie noch teurer geworden. Benzin kostet 25 Prozent mehr als im Mai 2021, Diesel ist 30 Prozent teurer geworden. Den grössten Preisschock liefert das Heizöl: 80 Prozent beträgt der Preisanstieg über die letzten 12 Monate, wie die Preisstatistik von Avenergy zeigt, dem Verband der Schweizer Erdöl-Importeure. 

Die nächste Heizrechnung wird teuer

Damit droht im kommenden Jahr eine gesalzene Nebenkostenrechnung. Viele Vermieter haben ihr Heizöl im letzten Jahr zu wesentlich tieferen Tarifen eingekauft. Gerade wer knapp kalkuliert, tut gut daran, für die Nebenkosten Geld zur Seite zu legen; ebenso die Eigenheimbesitzenden, welche ihren Brennstoff bei der Lieferung bezahlen müssen. 1000 Franken mehr als im Vorjahr könnten Mieter einer schlecht isolierten Vier-Zimmer-Wohnung 2023 bezahlen müssen, wie Carlo Sommaruga in der «Aargauer Zeitung» vorrechnet (zahlungspflichtiger Inhalt). Noch teurer könnte Hausbesitzerinnen ihr Brennstoff zu stehen kommen.

Die Tarife für fossile Treibstoffe machen nicht nur die Mobilität teurer, sie erhöhen auch die Kosten vieler weiterer Güter. Dies, weil sie transportiert werden müssen oder in ihrer Herstellung auf Öl oder Gas angewiesen sind. Yngve Abrahamsen von der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich beschreibt es im «Sonntagsblick» so: «Die Abhängigkeit von ausländischem Öl und Gas treibt die Preise vor sich her.»

Die russische Invasion der Ukraine treibt nicht nur die Preise für Erdöl und Erdgas in die Höhe, sondern auch jene für Getreide. Die Ukraine, eine der weltgrössten Produzentinnen, kann nur noch einen Bruchteil ernten und ausführen. Selbst gelagertes Getreide aus dem vergangenen Jahr sitzt im angegriffenen Agrarstaat fest. Festgefahren sind auch die Verhandlungen um Korridore zur Ausfuhr des ukrainischen Korns.

SNB dämpft Inflation – so gut sie kann

Die Schweizerischen Nationalbank SNB hat reagiert und den Leitzins um 0,5 Prozent erhöht. Dies mit dem Ziel, die Wirtschaft zu bremsen, welche die Inflation zusätzlich antreibt. Für ETH-Ökonomin Sarah Lein ein Schritt in die richtige Richtung, der aber nicht genüge, um weitere Preisanstiege zu verhindern. Sie geht deshalb davon aus, dass die SNB die Leitzinsen nochmals anheben wird, wie sie dem «Sonntagsblick» erklärt. 

Das wiederum wird jene nicht freuen, die bald ihren Hypothekarkredit erneuern müssen. Die Leitzinsen wirken sich direkt auf die Hypozinsen aus. Die Schweiz muss sich auf weitere Preissteigerungen in diversen Bereichen gefasst machen.