Japan liess Patrick Rohr nicht zu seinem Mann einreisen

Von Alex Rudolf

21.9.2021

Japan liess Patrick Rohr nicht zu seinem Mann einreisen.

Japan liess Patrick Rohr nicht zu seinem Mann einreisen.

Der ehemalige SRF-Moderator Patrick Rohr konnte seinen Partner über ein halbes Jahr nicht sehen, weil sie anstatt verheiratet nur eingetragene Partner sind.

21.09.2021

Der ehemalige SRF-Moderator Patrick Rohr konnte seinen Partner über ein halbes Jahr nicht sehen – weil sie nicht verheiratet, sondern nur eingetragene Partner sind.

Von Alex Rudolf

21.9.2021

Der Anruf auf der japanischen Botschaft muss für Patrick Rohr wie ein Schlag ins Gesicht gewesen sein. Zu Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 wollte der Journalist und Moderator seinen langjährigen Partner, Simon Ming, besuchen. Dieser arbeitete damals bereits seit rund anderthalb Jahren für «Ärzte ohne Grenzen» in Japan und hatte gerade einen Vertrag für weitere anderthalb Jahre unterzeichnet.

«Ich erkundigte mich nach einem Visum, um für ein paar Wochen bleiben zu können. Die Sachbearbeiterin der Botschaft erwiderte, ob ich denn meine Frau sehen wolle», erzählt Rohr. Er habe geantwortet, nein, er wolle seinen Mann sehen. «Sie meinte dann, dass dies nicht möglich sei.»

Aufgrund der damals strengen Einreiseregeln für Personen aus Risikoländern – die Schweiz war damals als ein solches eingestuft –, erhielt Rohr eine Absage: Wäre er mit Ming verheiratet gewesen, hätte er ein Visum erhalten.

Wie Rohr erging es bislang zahlreichen homosexuellen Paaren. Dies könnte sich aber bald ändern: Am Sonntag stimmt das Schweizer Stimmvolk über die «Ehe für alle» ab. In der Vorlage geht es darum, auch lesbischen und schwulen Paaren den zivilrechtlichen Bund der Ehe zu ermöglichen. Damit einher würde das Recht auf Adoption sowie das Recht auf künstliche Befruchtung bei lesbischen Paaren gehen.

Sie kennen sich seit 21 Jahren

Für Patrick Rohr war dies ein prägendes Erlebnis: Was nun? «Es lag also an meinem Partner, dafür zu sorgen, dass wir uns während der Pandemie sehen konnten», so Rohr. Dies gestaltete sich jedoch als schwierig, da Ming in Japan lediglich vier Wochen Ferien pro Jahr hat.



Rohr und sein Partner kennen sich seit 21 Jahren. Die Registrierung folgte im Jahr 2009.

Wochen und Monate vergehen, die eingetragenen Partner sehen sich zu Weihnachten, sonst muss der Austausch über Messenger-Dienste oder Video-Anruf-Apps reichen. «Zuletzt haben wir uns über ein halbes Jahr am Stück nicht gesehen, was eine grosse Herausforderung war.»

Die Erlösung folgte erst im vergangenen Sommer. Denn: «Glücklicherweise erhielt ich vom Schweizer Fernsehen und Radio die Möglichkeit, während den Olympischen Sommerspielen in Tokio eine Reihe von Beiträgen über die japanische Hauptstadt zu realisieren», so Rohr.

Auch im ausländischen Spital zählte Partnerschaft nicht

Das ist längst nicht die einzige Benachteiligung, die Rohr und seinem Partner über die Jahre widerfahren ist. «Vor einiger Zeit musste er im Ausland ins Spital, er war in einer kritischen Situation.» Rohr habe auch dort nicht im selben Mass Zugang gehabt, wie dies Eheleute sonst hätten. «Ich wäre gern über Nacht bei ihm geblieben, doch erlaubte man mir das nicht. Das war so richtig brutal.»

Bild: Oliver Hochstrasser / www.oliverhochstrasser.ch
Patrick Rohr hofft am kommenden Sonntag auf ein Ja vom Schweizer Stimmvolk.
Oliver Hochstrasser

Ist Rohr nervös, wenn er an den kommenden Sonntag denkt? Die Meinungsumfragen im Vorfeld sagen der Vorlage einen regelrechten Erdrutschsieg voraus.

«Entschieden ist erst, wenn alle Stimmen ausgezählt sind», so Rohr. «Wichtig ist, dass niemand denkt, die Abstimmung sei schon gewonnen, und deshalb nicht stimmen geht. Das könnte böse ins Auge gehen.» Was würde sich für ihn konkret ändern bei einem Ja? Adoption? Ein rauschendes Hochzeitsfest? Kinder grossziehen, dies könne sich weder er noch sein Partner vorstellen. «Unsere Lebensentwürfe sind nicht sehr familienfreundlich.» So arbeitet Rohr international als Fotojournalist und sein Partner ist ebenfalls auf der ganzen Welt unterwegs.

Eine Hochzeit kann er sich hingegen schon vorstellen. Wird die Vorlage am Sonntag angenommen, wird die eingetragene Partnerschaft nämlich abgeschafft. Jene Paare, die bereits eingetragen sind, können diesen Status behalten oder aber eine Abänderung in eine Ehe beantragen. «Bevor wir uns aber zu sehr freuen, warten wir erst den Abstimmungssonntag ab.»