Jetzt beginnt das grosse Rechnen

gbi

25.9.2021

Eine Apotheke Mitarbeiterin gibt wenig Test Fluessigkeit der Person auf ein Teststreife fuer der Covid-19 Schnelltest im TopPharm Apotheke am Paradeplatz am 3. November 2020 in Zuerich. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Für Apotheken würde sich ein deutlich tieferer Preis für Corona-Schnelltests nicht mehr rechnen.
Keystone

Wie teuer wird das? Die Ankündigung des Bundesrats, dass Ungeimpfte bald selber für einen Corona-Test bezahlen sollen, rückt die Kostenfrage in den Fokus.

gbi

25.9.2021

Das Geld – damit begründet der Bundesrat seinen Entscheid, dass Ungeimpfte für Corona-Tests künftig selber bezahlen sollen. Denn bei 47 Franken pro Antigen-Test, die der Bund als Preis festgelegt hat, beliefen sich die Totalkosten auf 50 Millionen Franken pro Woche – Ausgaben, die der Bund und damit der Steuerzahler tragen müssten.

Es ginge aber auch günstiger – das zeigt SRF anhand des Beispiels der Olma auf. Die bald beginnende St. Galler Landwirtschaftsmesse will Besucher*innen ebenfalls die Möglichkeit anbieten, sich vor dem Einlass testen zu lassen. Aber berechnet werden hierfür nur 26.50 Franken.

Messe-Direktorin Christine Bolt erklärt die Preisdifferenz mit der Menge: «Während der Olma werden wir hier tausend Leute pro Tag testen. Darum konnten wir mit unserem Testpartner einen attraktiven Preis aushandeln.»



Keine Freude an einem solchen Preisniveau hätte die Apothekerbranche: Apotheken erhalten derzeit vom Bund 47 Franken pro durchgeführtem Test erstattet. Ein Preis von 26 Franken würde nicht rentieren, sagt der Präsident des Apothekerverbands des Kantons Zürich, Lorenz Schmid, zu SRF. Bei einer grossen Massentestung könne man als Anbieter viel effizienter arbeiten als in dezentralen Apotheken oder Praxen.

Preise könnten wieder markant steigen

Die Preisentwicklung könnte aber auch in die andere Richtung gehen – nach oben. Ungeimpfte müssten dann ab dem 11. Oktober mit teils markant höheren Kosten rechnen.

Rentabel sei ein Preis von 47 Franken nur, wenn sich eine grosse Anzahl Personen testen lasse, sagt Viselio-Chef Niklas Zeller dem «Blick». Sein Unternehmen betreibt Testzentren in Basel, Bern, Luzern und Zürich. Er stimmt damit mit den Aussagen der Apotheker überein.

Zeller erwartet, dass die Preise wieder ein Niveau wie im Frühjahr 2021 annehmen dürften – damals bezahlte man je nach Anbieter bis zu 75 Franken pro Antigen-Test. Der Bund hatte erst im März entschieden , sämtliche Testkosten für alle Personen zu übernehmen. 



Den definitiven Entscheid, wie es mit den Covid-Tests weitergeht, will der Bundesrat am 1. Oktober fällen. Erst können sich noch die Kantone zu den Vorschlägen äussern. Dass sich das Thema aber nicht von allein erledigen wird, zeigt die jüngste Entwicklung: Seit die Zertifikatspflicht erweitert wurde und nur noch Geimpfte, Genesene und Getestete Zugang zu Kinos, Theatern oder Beizen-Innenräumen haben, ist die Zahl der durchgeführten Schnelltests sprunghaft angestiegen.

Aktuell würden täglich über 95’000 Zertifikaten aufgrund von Tests ausgestellt – ein Rekordwert, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Vor Einführung der Zertifikatspflicht habe dieser Wert bei knapp 50'000 Tests gelegen. Testen statt impfen laute also bei vielen die Devise. 

Nicht vergessen darf man in der Diskussion, dass der Bundesrat für Ungeimpfte auch weiterhin Ausnahmen vorsieht. Alain Berset betonte vor den Medien, dass all jene, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können, weiterhin kostenlos getestet werden. Dasselbe gelte für unter 16-Jährige sowie für Personen, die Angehörige in Heimen besuchen wollen – und für Ungeimpfte mit Symptomen einer Covid-19-Erkrankung.