Keller-Sutter – nach acht Jahren am Ziel

4.12.2018 - 00:00, Valerie Zaslawski

Einst galt Karin Keller-Sutter als Hardlinerin, heute bezeichnet man sie als sachlich, kooperativ und kompromissbereit. Nun hat sie die Vereinigte Bundesversammlung im ersten Wahlgang in den Bundesrat gewählt.

KKS – dieses Kürzel steht im Bundeshaus für Karin Keller-Sutter. Die FDP-Ständerätin aus dem Kanton St. Gallen galt als Kronfavoritin für die Nachfolge von Bundesrat Johann Schneider-Ammann – und sie hat sich am Mittwochvormittag dann auch durchgesetzt. Die frischgewählte 54-Jährige im Videoportrait:

Lange haftete ihr der Ruf an, eine «Hardlinerin» zu sein, ein «Blocher in Jupe» – weil sie als frühere Justizdirektorin Missstände bei der Ausschaffung abgewiesener Asylbewerber anprangerte. Oder weil sie als Präsidentin der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorenkonferenz die schärferen Massnahmen der Kantone gegen Gewalt im Sport verteidigen musste. KKS wurde als kontrolliert und kühl beschrieben, sogar als berechnend.



Mit dem Einzug in die kleine Kammer 2011 hat sie sich thematisch umorientiert, weg von Polizei und Sport, hin zu Wirtschafts- und Sozialthemen. Sie nahm Einsitz in die Wirtschaftskommission, in die Kommission für soziale Sicherheit und die aussenpolitische Kommission. Daneben hat sie einige Verwaltungsratsmandate in der Privatwirtschaft angenommen.

Sie geht als Favoritin ins Rennen um den Bundesratssitz der FDP: Karin Keller-Sutter.
Bild: Keystone

Seitdem werden ihr neue Attribute zugeschrieben: sachlich, kooperativ und kompromissbereit. Als Mitgestalterin mehrheitsfähiger Lösungen bei wichtigen Geschäften wird sie bezeichnet, als jemand, die selbst mit ihrem Kollegen Paul Rechsteiner (sp.) gut zusammenarbeiten kann.

Eine Dolmetscherin im Bundesrat

Ihre Kritiker im Bundeshaus versuchen der 54-Jährigen, die dieses Jahr die kleine Kammer präsidiert, dies als opportunistischen Zug auszulegen. Doch ist ein Wandel ihrer politischen Position schwerlich auszumachen. Seit jeher gilt sie als eine Frau mit klar liberalem Kompass und einem starken Gestaltungswillen.

Ihre politische Karriere begann am Stammtisch, ihre Eltern führten in Wil ein Restaurant. Mit 17 Jahren trampte sie quer durch Europa, dann liess sie sich zur Konferenz-Dolmetscherin ausbilden. Für Keller-Sutter ist es bereits der zweite Versuch, in die Landesregierung einzuziehen – 2010 scheiterte sie an Schneider-Ammann.

Heute ist der Wunsch nach einer Frau in der Partei stark. Doch aufs Geschlecht reduzieren lassen möchte sich die versierte Politikerin nicht. KKS hat keine Kinder, sie lebt zusammen mit ihrem Mann und Hund Picasso – immer noch in Wil.

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