Nur ein Skigebiet wartet weiter auf eine klare Ansage – aus Österreich

Von Gil Bieler

21.10.2021

Skifahren in der internationalen Silvretta Ski-Arena Samnaun/Ischgl mit insgesamt 239 Pistenkilometer und 45 Transportanlagen. In der Hochsaison befinden sich taeglich rund 23000 Skifahrer im Skigebiet. Die beiden Talabfahrten nach Samnaun, auch Dutyfree-Runs genannt, werden taeglich von rund 5000 Personen frequentiert. Das Zollfrei-Shopping in Samnaun ist auch bei den Ischgler Gaesten sehr beliebt. Im April finden im Skigebiet jedes Jahr mehrere Open Air-Konzerte mit international bekannten Kuenstlern statt. Das Samnauner Panorama mit den beiden markanten Bergen Muttler und Stammerspitz. (PPR/Tourismus Engadin Scuol Samnaun Val Muestair AG/Andrea Badrutt)
Egal, was kommt: Im Skigebiet Samnaun erwartet man eine bessere Saison als im letzten Winter.
Bild: PPR/Tourismus Engadin Scuol Samnaun Val Muestair AG/Andrea Badrutt

Auf Schweizer Skipisten ist die Covid-Zertifikatspflicht vorerst kein Thema, in den Nachbarländern dagegen schon. Das Skigebiet Samnaun steht vor einer speziellen Situation – wegen der Pistenverbindung mit Ischgl.

Von Gil Bieler

21.10.2021

Ein Hintertürchen hält sich Alain Berset offen: «Im Moment» sehe es danach aus, dass es auf Schweizer Skipisten keine Zertifikatspflicht brauche. Sollte sich die Corona-Situation im Winter verschlechtern, müsse man aber nochmals über die Bücher. Mit diesen Äusserungen zog der Innenminister am Mittwoch einen Schlussstrich unter das Hin und Her der vergangenen Tage. Wenn auch betont vorläufig.

Berno Stoffel, Direktor des Branchenverbands Seilbahnen Schweiz, nimmt diese Ankündigung gleichwohl mit Erleichterung auf: «Wir sind zufrieden. Mit dieser Lösung können wir sehr gut leben», erklärt er auf Anfrage von blue News.

Dass sich die Regeln im Verlauf der Saison noch ändern können, sei verkraftbar: «Wir haben den ganzen letzten Winter mit dieser Unsicherheit gelebt. Ausserdem haben wir jetzt eine stabilere Situation dank der Impfung.»

Wie bereits in der vergangenen Saison könnte die Schweiz einen Sonderweg gehen, mit weniger strengen Vorgaben als bei den Nachbarn. Ohne Zertifikatspflicht, dafür mit Maskenpflicht in geschlossenen Kabinen und in Innenräumen. Wintersportler*innen, die auf der Beizen-Terrasse Sonne tanken, brauchen nicht einmal eine Maske.

In Österreich dagegen deutet alles auf eine 3-G-Regel hin: Auf die Piste soll nur dürfen, wer geimpft, genesen oder getestet ist. Ausserdem wäre in den Seilbahnen das Tragen einer FFP2-Maske obligatorisch.

Samnaun muss «alle denkbaren Varianten aufgleisen»

Das Skigebiet im bündnerischen Samnaun stellt dies vor eine spezielle Situation, schliesslich ist dieses mit Ischgl verbunden. Und womöglich gelten am Ende auf beiden Seiten der Grenze unterschiedliche Vorgaben. «Das ist wirklich die Krux», sagt Mario Jenal, Geschäftsführer der Seilbahnen Samnaun, zu blue News. Fix sei aber gerade auf österreichischer Seite noch nichts. «Wir warten noch auf Klarheit, was gilt. Bis dahin müssen wir aber alle denkbaren Varianten aufgleisen.»

Jenal hat ungute Erinnerungen an die letztjährige Saison, als sich noch kurz vor Start alles geändert habe. Österreich entschied damals, dass der Wintersport nur für Einheimische möglich sein soll, also ohne Übernachtungsmöglichkeit. Woraufhin das Gebiet Ischgl seine Lifte gar nicht erst in Betrieb nahm.

Nun plant Samnaun den Saisonstart für den 25. November. Was auch immer bis dahin noch kommt, eines steht für den Bergbahnen-Chef fest: «Das Ziel muss es sein, dass einheitliche Regeln für alle Wintersportler gelten.» Heisst das, wenn in Österreich eine Zertifikatspflicht gilt, dann könnte man auch in Samnaun nur mit Zertifikat auf die Piste? «Das wäre dann die Konsequenz», bestätigt Jenal.

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Jedoch werde man alles tun, um den Wintersportlern Testmöglichkeiten vor Ort anzubieten. «Wer nicht geimpft oder genesen ist, sollte sich unkompliziert innert 15 Minuten testen lassen können. Es soll jede und jeder die Möglichkeit haben, auf die Piste zu kommen.»

Jenal ist zuversichtlich, dass diese Saison besser wird als die letztjährige: «Wir hatten damals zwar volle Hotels, aber den Bergbahnen haben die Gäste aus Ischgl gefehlt.» Das Resultat: Massive finanzielle Einbrüche trotz prächtiger Pistenverhätlnisse. «In diesem Jahr kann es eigentlich gar nicht mehr so schlimm kommen», ist Jenal überzeugt.

Ein Standortvorteil für die Schweiz?

Hat die Schweiz dank fehlender Zertifikatspflicht einen Standortvorteil gegenüber den anderen Alpenländern? Das glaubt Berno Stoffel von Seilbahnen Schweiz nicht: «Ob jemand seine Ferien in der Schweiz oder in Österreich verbringt, dafür sind andere Argumente entscheidend. Hinzu kommt, dass die Gäste ja für die Restaurants und Hotels ohnehin ein Zertifikat brauchen.»

Stoffel ist überzeugt: Die gesamte Ausgangslage müsste sich noch stark verändern, damit die Zertifikatspflicht doch noch eingeführt würde. «Und selbst wenn, werden wir uns damit arrangieren.»

Zwei Wochen vor dem Saisonstart laeuft die Pistenpraeparation in Samnaun auf Hochtouren. Pistenfahrzeug beim Speichersee oberhalb der Samnauner Alp Trida. Das Skigebiet verfuegt ueber 238 Pistenkilometer, ueber ein Drittel der Pisten laesst sich technisch beschneien und auch ohne Niederschlag bereits Ende November eroeffnen. (PPR/SAMNAUN)
Die Saison in Samnaun soll am 25. November starten. Im Bild: Pistenfahrzeug beim Speichersee oberhalb der Alp Trida. 
Bild: PPR/Samnaun