Kleinste Gemeinde, grösste Wirkung – «NY Times» berichtet aus Corippo 

Bluewin

14.9.2018

Die kleinste Gemeinde der Schweiz will nicht noch kleiner werden – und nun berichtet sogar die «New York Times» über den Überlebenskampf des Dorfes. Bluewin fragte nach, wie es dort nun weitergeht.

Die Schweizer wissen zumeist, dass es im Tessin ein architektonisches Juwel gibt, das erhalten werden soll. Auch der Bund ist sich der Bedeutung des traditionsreichen Ortes bewusst und hat Gelder für eine Renovierung bewilligt.

Und nun adelt gar die «New York Times» die kleinste Schweizer Gemeinde mit einer wohlmeinenden Reportage – selbst die Skeptiker unter den zwölf Einheimischen werden sich geschmeichelt fühlen. Die Überschrift der Amerikaner bringt  Corippos Dilemma auf den Punkt: «Einwohner: 12. Durchschnittsalter: 75. Grösste Herausforderung: Aussterben verhindern.» 

Fokus auf Corippo

Der Aderlass begann bereits in den Fünfzigern. Erst machte die Dorfschule dicht, dann zogen die Rinder-Halter nach und schliesslich warfen auch die Bauern die Flinte ins Korn. Die «New York Times» diagnostiziert nun mit Blick auf das geplante Dorfhotel: Der Patient ist womöglich immer noch im kritischen Zustand, aber in Wahrheit noch längst nicht unter der Erde. 

Das Konzept eines Dorfhotels sei überzeugend und nachhaltig, lobt die US-Zeitung, wundert sich aber: «Auch wenn sich Corippo einer Bedrohung seiner Existenz gegenübersieht, haben die Bewohner wenig euphorisch auf das Hotel reagiert. Einige von ihnen kritisieren, dass der Fokus mehr auf Touristen denn auf Dinge des täglichen Bedarfs liegt. Ein Beispiel ist die unzureichende Wasserversorgung.» 

«Das Hotel könnte Corippo helfen, wenn es nicht bloss Gäste bringt, die nur ein Foto machen wollen», bekundet Bewohnerin Silvana Dal Tin. Der Hintergrund: 2017 hatte das Video eines italienischen Blogggers für Furore gesorgt, weil er den Landstrich «die Malediven Mailands» nannte.

Baubeginn für Herbst geplant

In einer ersten Phase werden zunächst 25 Betten auf eine Gruppe von Häusern verteilt, die bald renoviert werden, erklärt uns Fabio Giacomazzi: «Wir warten auf die Baubewilligung», führt der Präsident der Stiftung Corippo aus und versichert, dass «es nur mehr eine Frage weniger Wochen ist. Wir wollen im Frühjahr 2020 eröffnen und unsere Gäste saisonal empfangen.» Das Doppelzimmer im Stil «einfach und authentisch» soll pro Nacht zwischen 100 und 150 Franken kosten.

Renovierungsarbeiten in einem Haus inm Corippo.
Keystone

Im Herbst soll die Renovierung beginnen: Den Auftakt bildet der Umbau dreier Wohnungen, in denen danach zwölf Betten angeboten werden können.13 weitere Betten entstehen in einem Haus, das bereits an Touristen vermietet wird, und im Gasthof, der um eine Rezeption und ein Restaurant erweitert wird. In der zweiten Phase sollen ein Wellnessbereich und ein Weinkeller hinzukommen: Von den veranschlagten Kosten von insgesamt 3,2 Millionen Franken sind nach Angaben der Stiftung 2,2 Millionen bereits finanziert.

Trotz derlei Innovationen soll der traditionelle Charakter des Dorfes erhalten bleiben, gelobt Stiftungsboss Giacomazzi: «Auf architektonischer Ebene ist das Ziel, historische Gebäude-Merkmale wie die typisch-ländlichen Steinmauern und -dächer zu erhalten.»

Voilà, mehr Bilder aus der Schweiz:

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