Kokain und Kaufsucht – Zürcher zockte Gemeinde Kilchberg ab

phi

19.6.2019

In Kilchberg ZH sprudeln jährlich 80 Millionen Franken Steuergelder.
Bild: Keystone

Ein 41-Jähriger ersetzt seine Kokain- durch Kaufsucht mit dem Ziel, seiner Frau etwas zu bieten – doch die will gar keinen Luxus. Dieses Leben finanzierte der Mann mit Betrug. Nun ist das Urteil gefallen.

Ein Zürcher hat die Gemeinde Kilchberg um 103'797,40 Franken erleichtert: Das Bezirksgericht Horgen verurteilte den 41-Jährigen wegen gewerbsmässigen Betruges und Urkundenfälschung im Amt zu 15 Monaten Freiheitsstrafe bedingt und einer Busse von 1500 Franken. «Ich bin froh, dass es endlich vorbei ist», sagte der Angeklagte laut «Blick» zur Verkündung.

Der Ingenieur stellte der Gemeinde in gut einem Jahr fast zwei Dutzend fingierte Rechnungen aus – mal für angebliche Beratungen, mal für erlogene Bestellungen von Filteranlagen. «Ich hatte einen ‹Engel› und einen ‹Bengel› auf der Schulter», zitiert ihn die «Zürichsee-Zeitung». Dann habe er sich gesagt, dass der Gemeinde das Geld bei Steuereinnahmen von jährlich 80 Millionen Franken nicht fehlen würden.

«Dabei wollte sie den Luxus gar nicht»

Der Grund für den Betrug: Der Mann hatte eine Kokainsucht in den Griff bekommen – allerdings auf Kosten einer Kaufsucht. «Ich habe meiner Frau Geschenke gemacht, sinnlose Sachen gekauft. Dabei wollte sie den Luxus gar nicht», gestand der reuige Täter. Und: «Als wir einmal Business Class flogen, hat sie sich dafür geschämt.» Er kündigte schliesslich, doch der Betrug flog doch noch auf und mündete in der Entlassung.

Die Entdeckung scheint auch die Rettung des Delinquenten gewesen zu sein: Der Verurteilte hat sich in Therapie begeben, lebt heute kokainfrei und hat der Gemeinde durch Kreditaufnahme den Betrag zurückgezahlt. Sein neuer Arbeitgeber kennt seine Geschichte, seine Familie hält zu ihm. Der «Riesenfehler» endet anscheinend mit einem blauen Auge.

Bilder aus der Schweiz

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