Kunden sollen Mitarbeitende von Coop benoten

phi

20.9.2021

Eine Mitarbeiterin arbeitet im Coop Bau und Hobby in Ruemlang, am Samstag, 2. Mai 2020. (KEYSTONE/Alexandra Wey)
Feedback vom Kunden: Kassiererin im Coop Bau und Hobby in Rümlang.
Archivbild: KEYSTONE

Wer bei Coop einkauft, könnte danach gefragt werden, wie freundlich das Personal gewesen ist. Während die Gewerkschaften verstärkten Druck befürchten, will der Detailhändler Kunden besser verstehen.

phi

20.9.2021

Dass Kunden die Arbeit von Verkäufern bewerten können, ist nichts Neues. Doch dass nun auch der Detailhandel wissen will, wie freundlich das Personal gewesen ist, ist dann doch nicht alltäglich: Wer mit seiner Supercard bei Coop einkauft, muss sich nun mit dieser Frage auseinandersetzen.

Um das neue Bewertungssystem zu bewerben, lockte Coop Kunden mit einem Gewinnspiel: Unter dem Motto «Einkauf bewerten & gewinnen» winkten jenen, die mitmachen, ein Einkaufsgutschein von 1000 Franken.  Fragen, die es zu beantworten gilt, lauten «Wie beurteilen Sie die Freundlichkeit der Mitarbeitenden an der Kasse?» oder «Wie beurteilen Sie die Freundlichkeit der Mitarbeitenden auf der Verkaufsfläche»?

Wie ein Coop-Sprecher der «Sonntagszeitung» sagte, wolle der Detailhändler «die Kundenwünsche noch besser verstehen». Dass das beim Personal schlecht ankommt, glaubt das Unternehmen nicht: «Weil die Rückmeldungen überwiegend positiv sind, wirken sich die Umfragen motivierend aus.» Gefragt wird auch nach der Auswahl und Frische der Produkte.

Gewerkschaften kritisch

Coop könne genau nachvollziehen, wo der Kunde eingekauft und an welcher Kasse er oder sie bezahlt habe, hiess es von Seiten des Unternehmens. Auf solche Rückschlüsse werde aber verzichtet. Andererseits sollen die Daten helfen, die Rückmeldungen korrekt zu interpretieren, heisst es. Negative Rückmeldungen zögen «konstruktive Gespräche» nach sich.

Die Gewerkschaften sehen die Neuerung kritisch. «Bei den Unternehmen heisst es immer, bewertet werde nur die Leistung des ganzen Teams», sagte Anne Rubin von der Unia der «Sonntagszeitung». In der Realität liessen sich die Daten aber auch einzelne Mitarbeitende herunterbrechen. «Der Filialleiter bekommt aufs Dach, wenn sein Laden schlecht bewertet wird», ergänzt Marco Geu von der Syna.

Zudem seien die Bewertungen nicht unbedingt objektiv: Wenn es eine Schlange an der Kasse gebe, könnten die Mitarbeitenden zu Unrecht abgestraft werden, obwohl einfach nur zu wenig Personal eingeplant worden sei. 

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