Massnahmenkritische Polizisten verärgern Kollegen

uri/lmy

21.10.2021

Polizisten bewachen Demonstranten im Kocherpark an einer Kundgebung von Coronavirus-Massnahmengegnern, am Donnerstag 30. September 2021, in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)
Manche Polizeibeamten sympathisieren mit den Kritiker*innen der Corona-Massnahmen. Im Bild: Szene einer Demo in Bern. (Symbolbild)
KEYSTONE

Polizisten aus der ganzen Schweiz sollen Mitglied bei der Gruppierung «Wir für euch» sein. Sie sind gegen die Corona-Massnahmen – und sorgen bei Kollegen und Vorgesetzten für Kritik.

uri/lmy

21.10.2021

Ein Video der massnahmenkritischen Gruppierung «Wir für euch», die sich aus Schweizer Polizist*innen zusammensetzen soll, sorgt derzeit für Aufruhr. Der Clip, der in den sozialen Medien kursiert, zeigt rund zwei Dutzend Personen am Vierwaldstättersee, die ihren Rücken mit «Wir für euch»-Pullovern in die Kamera strecken.

Der von einer Person dazu eingesprochene und im Bild laufende Text lautet: «Was in den letzten eineinhalb Jahren geschehen ist, ist aus meiner Sicht in vielen Bereichen rechtsstaatlich zumindest fragwürdig und auf jeden Fall unverhältnismässig.» Danach erscheint ein Kind im Bild, das zwei Personen in Armee- und Polizeiuniform die Hände reicht.



Auch die Trychler, die regelmässig an Demos von Corona-Skeptikern teilnehmen, kommen im Video vor. Sie reichen Personen in Polizei- und Armeeuniform die Hand.

Die Gruppierung «Wir für euch» hat nach eigenen Angaben Mitglieder in Polizeikorps aus der ganzen Schweiz, schreibt der «Blick». Wer dahinterstehe, sei unklar. Erst kürzlich hat die Kantonspolizei Zürich zwei Polizisten freigestellt, die dazu gehört hätten.

Verstoss gegen die Polizei-Ethik

Das Video stösst unter Kollegen und bei der Polizeigewerkschaft VSPB auf deutliche Kritik. «Wir distanzieren uns davon und haben kein Verständnis», hiess es vonseiten der Gewerkschaft gegenüber «20 Minuten». Auch wenn für Polizisten das Recht auf freie Meinungsäusserung gelte, habe «die Bevölkerung ein Anrecht auf urteilsfreie Behandlung».

Die Leute seien keine Kameraden und würden gegen die Polizeiethik verstossen. Der VSPB ist allerdings nicht sicher, ob hinter der Gruppierung wirklich Polizisten stehen. Momentan bleibe das noch eine Behauptung.

Kritik kommt auch von der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten (KKPKS). Es sei stossend, dass sich angebliche Polizisten in der Öffentlichkeit anonym so äussern, sagt ein Sprecher. Die Polizei habe bei der Durchsetzung von Massnahmen, die von politisch legitimierten Organisationen erlassen wurden, keinen Ermessensspielraum.