1. Mai-Überblick

Mehrere Hundert Teilnehmer in St. Gallen +++ Linksaussen-Demo zieht durch Bern

Agenturen/tgab

1.5.2021

Schweizweit sind am Samstag an über 30 Orten Veranstaltungen geplant, nachdem es 2020 wegen des Coronavirus erstmals in der Geschichte der organisierten Schweizer Arbeiterschaft und damit seit 130 Jahren zum Tag der Arbeit am 1. Mai keine Kundgebungen gegeben hatte. Ein Überblick.

Agenturen/tgab

1.5.2021

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  • 15.27 Uhr
    Linksaussen-Demo zieht durch Bern

    Mehrere Hundert Personen haben sich am Samstag an einer unbewilligten 1.-Mai-Demonstration in Bern beteiligt. Die Polizei hielt sich beim Umzug durch die Innenstadt im Hintergrund, obwohl die Teilnehmerzahl deutlich zu hoch war.

    Im Kanton Bern dürfen an Demonstrationen zurzeit maximal 100 Personen teilnehmen. Die Polizei schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter, sie beobachte die Lage. Die Maskentragpflicht werde offensichtlich eingehalten.

    Weit weniger Menschen hatten sich am frühen Nachmittag beim Berner Bahnhof versammelt. Sie begannen Lieder zu singen und zu tanzen. Offenkundig handelte es sich um Gegner der Corona-Massnahmen; viele trugen keine Masken. Die Polizei wies deshalb nach eigenen Angaben mehrere Personen weg.

    Die befürchtete Konfrontation beider Lager in der Innenstadt blieb aus. Die Polizei markierte überall in der Stadt Präsenz. Von den Gegnern der Corona-Massnahmen war abgesehen vom Bahnhof kaum etwas zu sehen.

  • 15.16 Uhr
    Mehrere Hundert Teilnehmer an friedlicher 1. Mai-Demo in St. Gallen

    An der 1. Mai-Kundgebung in St. Gallen haben am Samstag mehrere Hundert Menschen teilgenommen – weit weniger als in früheren Jahren vor der Corona-Pandemie üblich. Bei Nieselregen bewegten sich die Teilnehmenden durch die Innenstadt, wie eine Korrespondentin der Nachrichtenagentur Keystone-SDA berichtete.

    In der Innenstadt wurden mehrere Reden gehalten. Die Stimmung blieb friedlich, und die Leute trugen Hygienemasken. Die Polizei war mit einem kleinen Aufgebot sichtbar vor Ort.

  • 15.08 Uhr
    Polizei in Zürich kesselt Teilnehmer an unbewilligter Demo ein
    Polizisten stehen vor Demonstranten bei einer Demonstration zum Tag der Arbeit am Samstag, 1. Mai 2021 im Zentrum von Zuerich. Schweizweit sind am Samstag an ueber 30 Orten Veranstaltungen geplant, nachdem es 2020 wegen des Coronavirus erstmals in der Geschichte der organisierten Schweizer Arbeiterschaft und damit seit 130 Jahren zum Tag der Arbeit am 1. Mai keine Kundgebungen gegeben hatte. (KEYSTONE/Alexandra Wey)
    Polizisten stehen vor Demonstranten bei einer Demonstration zum Tag der Arbeit am Samstag, 1. Mai 2021 im Zentrum von Zürich.
    Bild: KEYSTONE/Alexandra Wey

    In Zürich ist die Polizei in der Innenstadt am Samstag gegen eine unbewilligte Kundgebung zum 1. Mai vorgegangen. Sie kesselte am frühen Nachmittag mehrere Demonstranten ein. Dutzende Beamte standen in Schutzausrüstung und mit mehreren Fahrzeugen und Gitterwagen im Einsatz. Über der Stadt kreiste zeitweise ein Helikopter.

    Die Polizei teilte im Kurznachrichtendienst Twitter mit, dass sie einen Umzug nicht toleriere. Laut einem Korrespondenten der Nachrichtenagentur Keystone-SDA befanden sich in der Nähe des Helvetiaplatzes mehrere Hundert Demonstranten und Schaulustige. Scharmützel bleiben zunächst aus. Immer wieder waren Sprechchöre zu hören.

  • 14.42 Uhr
    Tausend Menschen an 1.-Mai-Umzug in Genf
    Des manifestants avec des pancartes et des drapeaux defilent dans les rues de Geneve, lors du defile du 1er mai - Fete du Travail, ce samedi 1 mai 2021 a Geneve. Le traditionnel cortege du 1er mai, place cette annee, sous le signe de ''Solidaires pour la justice sociale, climatique et feministe !''. Des manifestations sont prevues dans plus de 30 endroits en Suisse samedi, apres l'absence de rassemblements du 1er mai en 2020 pour la premiere fois dans l'histoire du travail organise suisse, et donc en 130 ans, en raison du Coronavirus. (KEYSTONE/Martial Trezzini)
    DNeben den Gewerkschaften und linken Parteien marschierten bei dem Umzug am 1. Mai in Genf auch Mitglieder des Zukunftsstreiks und des Frauenstreiks mit.
    Bild: KEYSTONE/Martial Trezzini

    Am traditionellen 1.-Mai-Umzug in der Genfer Innenstadt haben am Samstag bei Regen rund Tausend Menschen teilgenommen. Die Gewerkschaften und Verbände legten an der diesjährigen Kundgebung den Schwerpunkt auf soziale, feministische und klimatische Gerechtigkeit.

    Nach Monaten der Einschränkungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie und der Einschränkung des Demonstrationsrechts freute sich das Organisationskomitee, wieder auf die Strasse gehen zu können. Es wollte wiederum Forderungen der Arbeitnehmenden in der Öffentlichkeit bekannt machen.

    Neben den Gewerkschaften und linken Parteien marschierten bei dem Umzug auch Mitglieder des Zukunftsstreiks und des Frauenstreiks mit. Sie kündigten Demonstrationen für den 21. Mai zugunsten des Klimas und am 14. Juni für die Rechte von Frauen an.

  • 14.16 Uhr
    Unbewilligte 1.-Mai-Kundgebung in Bern

    In der Berner Innenstadt hat eine unbewilligte 1.-Mai-Demonstration begonnen. Trotz Pandemie existiere der Kapitalismus mit all seinen Übeln weiter, hiess es in einem im Internet verbreiteten Aufruf.

    Zur Kundgebung aufgerufen hat ein «Berner Bündnis Revolutionärer 1. Mai». Die Organisatoren bemühten sich nicht um eine Bewilligung für ihre Demonstration. Sie riefen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aber dazu auf, eine Schutzmaske zu tragen und Abstand zu halten.

    «Der Skandal ist der Normalzustand», stand auf einem Transparent an der Spitze des Umzugs geschrieben. Die Zahl der Demonstrierenden hielt sich bei regnerischem Wetter zunächst in Grenzen. Die Polizei markierte Präsenz in der ganzen Innenstadt.

    Im Kanton Bern dürfen an Demonstrationen zurzeit maximal 100 Personen teilnehmen. Das Bündnis rief die Behörden im Internet auf, die Kundgebung zu tolerieren. Es sei absurd, die Demonstrationsfreiheit weiter einzuschränken, während Arbeit und Ausbeutung nahezu ungebremst weiter gingen.

    Die Gewerkschaften verzichteten in Bern auf den traditionellen 1.-Mai-Umzug. Es gab lediglich dezentrale Informationsstände, quer durch die Stadt verteilt. Zudem ist am Nachmittag eine kurze Abschlussaktion auf dem Bundesplatz geplant.

    Beim überdachten Bahnhofplatz griff die Polizei laut eigenen Angaben am frühen Nachmittag ein, nachdem sich dort mehrere Personen ohne Schutzmassnahmen versammelt hatten. Die Gegner der behördlichen Massnahmen gegen das Coronavirus wurden weggewiesen, wie die Polizei im Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte.

  • 12.46 Uhr
    Kundgebungen führen zu ÖV-Unterbrüchen in Zürich
    Ein kurzer Demo-Zug zog am Samstag, 1. Mai, unter anderem durch die Zürcher Langstrasse.
    Ein kurzer Demo-Zug zog am Samstag, 1. Mai, unter anderem durch die Zürcher Langstrasse.
    Bild: KEYSTONE

    In der Stadt Zürich ist es am Samstag aufgrund von 1.-Mai-Anlässen zu Einschränkungen und Unterbrüchen im öffentlichen Verkehr gekommen. Neben Gewerkschaftskundgebungen an verschiedenen Orten zog auch ein kurzer Demo-Zug durch die Stadt.

    Dieser "symbolische" Umzug des 1.-Mai-Komitees zog mit einem Traktor an der Spitze und einer Handvoll Teilnehmenden im Schlepptau beispielsweise über den Limmatquai und durch die Langstrasse.

    Der Gewerkschaftsbund des Kantons Zürich (GBKZ) hatte im Vorfeld fünf dezentrale Kundgebungen in der Stadt angekündigt. Auf dem Lindenhof hatten sich bis kurz vor 11.00 Uhr etwa 50 Personen versammelt, beim Walcheplatz wurde gegen 11 Uhr die erlaubte Teilnehmerzahl von 100 Personen - die wegen der Coronapandemie gilt - wohl ausgereizt, wie ein Augenschein vor Ort zeigte.

  • 10.53 Uhr
    Pandemie soll nicht auf dem Rücken der Frauen ausgetragen werden

    Laut dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB) hat sich in der Corona-Pandemie vor allem die Situation in Berufen mit niedrigen Löhnen verschlechtert. Insbesondere Frauen seien die Leidtragenden.

    Nationalrätin Sibel Arslan (BS/Grüne) betonte am Samstag in einem im Internet übertragenen Livestream des SGB die Wichtigkeit der Mindestlohn-Initiative. Vor allem für Frauen und Migranten sei dies ein Muss, denn der Lohn solle zum Leben reichen. Die Schweiz könne sich das leisten, sagte Arslan.

    Dieser Meinung war auch Unia-Präsidentin Vania Alleva. Durch die Pandemie habe sich die Situation vor allem für Frauen verschlechtert, sagte sie im Livestream. Die Pandemie könne aber auch eine Chance sein, denn es sei Zeit für eine soziale Wende. Man solle solidarisch aus der Krise kommen und letztendlich als Gesellschaft weiter kommen und Lohndiskriminierung beenden.

    Die Pandemie treffe vor allem Frauen, denn die Berufe mit tiefen Löhnen seien von Kurzarbeit betroffen, auch Frauen im Homeoffice seien die Leidtragenden. Es brauche auch Antworten bei den Frauenrenten, denn ein Drittel der Frauen verfüge nicht über eine zweite Säule, sagte Alleva weiter.

  • 10.43 Uhr
    Mehrere Hundert Menschen an Kundgebung in Basel
    An einer Demonstration zum Tag der Arbeit demonstrieren zahlreiche Menschen am Samstag, 1. Mai 2021 in Basel. Schweizweit sind am Samstag an ueber 30 Orten Veranstaltungen geplant, nachdem es 2020 wegen des Coronavirus erstmals in der Geschichte der organisierten Schweizer Arbeiterschaft und damit seit 130 Jahren zum Tag der Arbeit am 1. Mai keine Kundgebungen gegeben hatte. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)
    An einer Demonstration zum Tag der Arbeit demonstrieren zahlreiche Menschen am Samstag, 1. Mai 2021 in Basel.
    Bild: KEYSTONE/Georgios Kefalas

    In Basel haben sich am Samstagmorgen auf dem Messeplatz mehrere Hundert Menschen zu einer bewilligten 1. Mai-Kundgebung versammelt. Sie liessen sich vom regnerischen und kalten Wetter nicht abhalten. Geplant ist später ein Umzug durch die Innenstadt bis zum Barfüsserplatz.

    Im Zentrum der Kundgebung stand die Forderung nach einem staatlich vorgegebenen Mindestlohn von 23 Franken pro Stunde. Eine entsprechende Volksinitiative der Gewerkschaften wird am 13. Juni zur kantonalen Abstimmung kommen.

  • 10.19 Uhr
    Sommaruga und Berset fordern zum Tag der Arbeit Solidarität

    Bundesrätin Simonetta Sommaruga und ihr SP-Bundesratskollege Alain Berset haben zum 1. Mai Solidarität gefordert. Die Arbeitsbedingungen seien wegen der Pandemie in Berufen mit niedrigen Löhnen schlechter geworden.

    Alain Berset sagte in seiner Twitter-Ansprache vom Samstag, die Corona-Krise habe eines mit anderen Krisen gemeinsam: «Die Schwächsten leiden am meisten». Das gelte nicht nur für die gesundheitlichen Folgen sondern auch für die wirtschaftlichen.

    Ungleichheiten würden weiter zunehmen, Jobs mit tiefen Löhnen seien besonders gefährdet. Vor allem treffe diese Krise die Frauen, sagte Berset. Viele hätten den Job verloren, vor allem Frauen in Berufen, welche die Gesellschaft stützten seien betroffen und wo Homeoffice keine Option sei, zum Beispiel im Verkauf, in Spitälern oder in der Pflege. Deshalb sei jetzt und auch nach der Pandemie Solidarität gefragt.

    Sommaruga hatte anlässlich des Tages der Arbeit bereits am Freitag Verkäuferinnen in Lausanne besucht. Bei ihrer Visite im Detailhandel forderte sie Lohngleichheit und Flexibilität, nicht nur von den Arbeitnehmenden sondern auch von den Arbeitgebern. Es brauche geregelte Bedingungen und ein Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.

  • 9.15 Uhr
    SGB am Tag der Arbeit: Zeit für die soziale Wende ist da

    Am Tag der Arbeit wirbt der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) für die soziale Wende. Die Corona-Pandemie schüttle die Welt und den Arbeitsmarkt durch, soziale und wirtschaftliche Narben seien die Folgen, so der SGB. Doch die Krise wecke auch den Mut für Neues.

    Arbeiterinnen und Arbeiter dürften nicht die Kosten der Pandemie tragen. Deshalb sollen schlecht bezahlte Berufe aufgewertet und neue soziale Sicherheiten eingeführt werden, hiess es zum 1. Mai auf der SGB-Webseite. Anders als vor einem Jahr findet der Tag der Arbeit dieses Mal nicht nur im Internet statt. Schweizweit sind am Samstag verschiedene Anlässe geplant, einen Livestream gibt es aber auch dieses Jahr.