Aufsichtsbehörde prüft möglichen Werbeverstoss bei «Echinaforce»

SDA/dor

16.9.2020 - 22:41

Eine Mitarbeiterin einer Apotheke in Zürich mit dem Naturheilmittel «Echinaforce». (Archivbild)
Source: Keystone/Alexandra Wey

Naturheilprodukt «Echinaforce» als Waffe gegen Sars-CoV-2? Eine solche Wirkung ist beim Menschen nicht belegt. Die Schweizerische Aufsichtsbehörde für Arzneimittel untersucht nun, ob um das Präparat verbotene Publikumswerbung betrieben wurde.

Nach Berichten über das Naturheilprodukt «Echinaforce» als mögliches «Wundermittel» gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 hat die Schweizerische Zulassungs- und Aufsichtsbehörde für Arzneimittel und Medizinprodukte Swissmedic Abklärungen an die Hand genommen. Sie prüft, ob um das Präparat verbotene Publikumswerbung betrieben wurde.

Ein Swissmedic-Sprecher bestätige am Mittwochabend auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA einen entsprechenden Bericht des Ostschweizer Senders TVO. Gemäss der Aufsichtsbehörde könnte eine verbotene Publikumswerbung für ein nicht zugelassenes Anwendungsgebiet eines Arzneimittels vorliegen.

Details gab Swissmedic nicht bekannt. Generell darf bei Arzneimitteln beim Publikum nur in Bezug auf die vom Heilmittelinstitut genehmigten Anwendungsmöglichkeiten geworben werden.

Am Montag hatten Medien eine Studie des Labors Spiez bekannt gemacht, gemäss der das pflanzliche Arzneimittel «Echinaforce» der Thurgauer Firma A. Vogel im Labor gegen Coronaviren hilft. Das Naturheilmittel aus Extrakten des Roten Sonnenhuts wurde bislang verkauft, weil es im Allgemeinen Abwehrkräfte stärken und gegen Erkältungen vorbeugen soll.



Wirkung im menschlichen Körper offen

Die Forscher stellten fest, dass «Echinaforce» im Reagenzglas eine abtötende Wirkung auf die Coronaviren hat. Gemäss der Spiezer Studie ist aber völlig offen, ob der Stoff auch im menschlichen Körper wirkt. Medien berichteten, dass nach Bekanntwerden der Studie in Apotheken die Nachfrage nach «Echinaforce» stark gestiegen sei. Einzelne Apotheken rationierten daraufhin offenbar den Verkauf.

Der Swissmedic-Sprecher erklärte, dass die wissenschaftliche Publikation des Labors Spiez im Fachblatt «Virology Journal» vom 9. September zu falschen Interpretationen geführt habe. Nach Medienberichten sei vor allem in Sozialen Medien undifferenziert darüber berichtet worden. Dies habe bei Konsumenten zu einem Ansturm auf «Echinaforce»-Präparate und illegalen Angeboten auf Online-Plattformen geführt.

Aus der Laborstudie liessen sich wissenschaftlich keine medizinischen Schlüsse ziehen, sagte der Sprecher weiter. Präparate mit «Echinaforce» auf Vorrat zu kaufen sei nicht angebracht. Swissmedic sei zudem seit Anfang Woche zusammen mit Plattformbetreibern und den Kantonen aktiv, um illegale Verkaufsangebote zum Schutz der Konsumenten zu löschen.

In einem Bericht im «Blick» («Thurgauer Naturheilmittel wirkt gegen Corona!») am vergangenen Montag, der von zahlreichen Medien aufgegriffen wurde, war zu lesen, ein pflanzlicher Extrakt von Echinacea purpurea könne – unter anderem – im Reagenzglas auch Coronaviren abtöten. Dort stand auch, dass sich erst noch weisen müsse, ob und in welchem Ausmass Echinaforce bei Menschen gegen Corona wirke. Nachdem die Berichte dennoch zu einer grossen Nachfrage nach Präparaten mit diesen Extrakten führten, sah sich Swissmedic zur Veröffentlichung einer Mitteilung gezwungen, in der es unter anderem heisst, dass die in der Laborstudie beschriebene Wirkung gegen das Coronavirus beim Menschen «nicht belegt» sei.

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