Mutierte Viren breiten sich in der Schweiz aus – auch an Schulen

sda/toko

18.1.2021 - 18:11

Ein Klasse betritt das Schulhaus, am Tag der Wiedereroeffnung der Lorraineschule, am Montag, 11. Mai 2020 in Bern. Die Schulen wurden nach Ausbruch der Pandemie des Coronavirus, Covid-19 am 16. Maerz geschlossen, die Kinder wurden in Fernunterricht betreut. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)
Die Fälle an den Schulen würden zeigen, dass auch Kinder und Jugendliche von der Coronavirus-Pandemie betroffen seien, sagte Dagmar Rösler, die oberste Lehrerin der Schweiz.
KEYSTONE/Alessandro della Valle (Archivbild)

In der Schweiz breiten sich die Corona-Mutationen aus Südafrika und Grossbritannien weiter aus, bereits 300 Fälle wurden bestätigt — nicht wenige davon an Schulen. 

Zuerst Verbier im Kanton Wallis, dann Wengen im Kanton Bern und jetzt St. Moritz im Kanton Graubünden: Die ansteckenderen Mutationen des Coronavirus aus Grossbritannien und Südafrika breiten sich in der Schweiz aus, knapp 300 wurden bisher gefunden. In Bremgarten im Kanton Bern wurden deshalb am Montag 120 Kinder in Quarantäne geschickt.

Die Quarantäne-Anordnung in Bremgarten geht auf zwei Kinder zurück, die nach der Rückkehr aus den Skiferien in Wengen positiv auf das mutierte Coronavirus aus Grossbritannien getestet worden sind. Neben den Schülerinnen und Schüler der Primarschule und des Kindergartens sind auch die Familie der beiden Kinder sowie Kontaktpersonen der Familie in Quarantäne geschickt worden, wie der Bremgartener Gemeindepräsident Andreas Schwab am Montagmittag auf Schweizer Radio SRF sagte.

Auch in St. Moritz tauchte eine der Mutationen auf, dort aber jene aus Südafrika. Das Gesundheitsamt des Kantons Graubünden stellte zwei Fünf-Sterne-Hotels unter Quarantäne, wie die Staatskanzlei Graubünden bekanntgab. Darüber hinaus werden in St. Moritz die Schulen sowie die Skischulen bis auf weiteres geschlossen.

Tessin will Grenzen wieder kontrollieren

Anlass zur Sorge geben die Mutationen auch im Tessin. In den letzten Tagen war die britische Variante zuerst in einem Altersheim und dann an einer Tessiner Mittelschule bestätigt worden. Die Tessiner Regierung bat den Bundesrat daher am Montag, an der Südgrenze erneut systematische Kontrollen durchzuführen.

Auch im Kanton Basel-Landschaft war vergangene Woche die Mutation festgestellt worden, nämlich in Oberwil. Bei der infizierten Person handelte es sich um eine erwachsene Person. Bei den Tests der Kontaktpersonen sei aber auch ein Schulkind positiv auf das Virus getestet worden.

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Schulen schliessen nein – Masken ja

Die Fälle an den Schulen würden zeigen, dass auch Kinder und Jugendliche von der Coronavirus-Pandemie betroffen seien, sagte Dagmar Rösler, die oberste Lehrerin der Schweiz, am Montagmorgen in den Nachrichten von Radio SRF. Handeln sei daher jetzt angezeigt.

Eine Schulschliessung mit Fernunterricht hält Rösler nicht für nötig. Vorstellen könnte sie sich aber eine Maskenpflicht ab der fünften Primarschulklasse. Bei jüngeren Kindern wäre eine Maskenpflicht schwierig umzusetzen.

Bisher 297 Ansteckungen mit Mutationen

Insgesamt wurden in der Schweiz bislang 297 Ansteckungen mit einer mutierten Form des Coronavirus bekannt, wie das BAG Keystone-SDA auf Anfrage mitteilte. 208 sind der britischen Variante zuzuordnen und 13 der südafrikanischen. Bei 76 Fällen kann nicht genau bestimmt werden, ob es sich um eine der beiden oder um eine andere Variante handelt. Am Freitag hatte das BAG noch 199 Ansteckungsfälle mit mutierten Viren gemeldet.

Weil diese Mutationen dem Bundesrat Sorgen bereiten, ordnete er ab Montag wieder eine Homeoffice-Pflicht an. Dies machte sich im Strassenverkehr bemerkbar: An neuralgischen Stellen, etwa am Gubrist bei Zürich, hätten sich die Fahrzeuge am Morgen kaum gestaut, sagte Barbara Roelli vom Verkehrsinformationsdienst Viasuisse zu Keystone-SDA. Die SBB stellten lediglich einen leichten Rückgang von Passagieren fest, wie Sprecher Raffael Hirt mitteilte.

RS-Start im Homeoffice missglückt

Doch nicht nur die Arbeitnehmenden durften nicht ins Unternehmen – auch die Armee hat aufgrund der Corona-Pandemie für 40 Prozent der angehenden Soldaten einen Start der Rekrutenschule in den eigenen vier Wänden angeordnet.

Der Start im im Homeoffice missglückte jedoch: Die angehenden Soldatinnen und Soldaten konnten sich nicht ins System einloggen. Im Learning Management System sei eine technische Störung aufgetreten, sagte Armeesprecher Stefan Hofer gegenüber Keystone-SDA. Bis zum frühen Abend konnten sich laut Hofer aber erst etwas mehr als 3000 der 5000 Rekruten in das Lernprogramm einloggen.

Weniger Ansteckungen gemeldet

Mit der Homeoffice-Pflicht und dem gestaffelten Einrücken soll die Ausbreitung des Coronavirus – ob in mutierter oder originaler Form – gebremst werden. In den Zahlen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) lassen sich die Folgen der ansteckenderen Form des Coronavirus derzeit nicht ablesen.

Am Montag waren dem BAG für die vergangenen drei Tage 4703 neue Coronavirus-Ansteckungen gemeldet worden. Am gleichen Tag vor einer Woche waren es deren 6523. Als neu hospitalisiert gemeldet wurden für die vergangenen drei Tage 203 Personen (Vorwoche: 249). Zudem wurden 121 neue Todesfälle (Vorwoche: 112) gemeldet.

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