Grund für Absturz der «Tante Ju» bleibt länger im Dunkeln

Jennifer Furer

26.3.2020 - 17:24

Am 4. August 2018 stürzte die Ju-52 HB HOT in Flims ab.
Bild: Keystone

Noch ist unklar, wieso am 4. August 2018 der «Tante Ju» mit 20 Menschen an Bord bei Flims abgestürzt ist. Wegen des Coronavirus verschiebt sich die Veröffentlichung des Schlussberichts – obwohl ein Entwurf bereits steht.

Es war das schlimmste Flugzeugunglück der Schweiz in jüngster Zeit: Am 4. August 2018 stürzte eine Ju-52 südwestlich des Piz Segnas in Flims im Kanton Graubünden ab. 20 Menschen starben – 17 Passagiere und 3 Crewmitglieder.

Bis heute ist unklar, was genau die Ursache des Absturzes der altehrwürdigen «Tante Ju» gewesen ist. Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) hat den Schlussbericht eigentlich für das erste Quartal dieses Jahres angekündigt. Doch daraus wird nichts.



«Wir sind grundsätzlich gut vorangekommen, auch wenn sich während des Winters gewisse externe Gutachten zur Forensik und zu metallkundlichen Abklärungen aufgrund der Komplexität des Falles leider etwas verzögert haben», sagt Daniel W. Knecht, Untersuchungsleiter und Bereichsleiter Aviatik bei der SUST.

Der Entwurf des Schlussberichts sei bereits weit gediehen, müsse aber noch im gesamten Untersuchungsteam geprüft und anschliessend übersetzt werden. «Diese gemeinsamen Arbeiten und auch die Übersetzungsarbeiten verzögern sich in der aktuellen Lage deutlich», sagt Knecht.

Zwischenbericht am Jahrestag

Die SUST gehe «nach vorsichtiger Schätzung» davon aus, dass man den Bericht Ende Mai den berechtigten Organisationen zur Stellungnahme vorlegen kann. «Diese Phase dauert nach internationalen Vorgaben zwei Monate», sagt Knecht.

Anschliessend müssten berechtigte Rückmeldungen eingearbeitet und der endgültige Bericht durch die Kommission verabschiedet werden. «Damit dürfte die Veröffentlichung in den Spätsommer/Herbst fallen», sagt Knecht. Zum Jahrestag des Unfalls werde die SUST voraussichtlich wieder einen Statusreport veröffentlichen.

Nach dem Absturz der «Tante Ju» lagen keine Hinweise auf generelle technische Mängel bei den zwei verbleibenden in Dübendorf stationierten Ju-52 vor. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt bewilligte deshalb die Wiederaufnahme des Flugbetriebs unter Einhaltung vorsorglicher Massnahmen. 

Die Ju-Air hat am 17. August 2018 den Flugbetrieb in Dübendorf mit den beiden verbleibenden Maschinen des gleichen Typs wieder aufgenommen. An diesem Tag hob die Ju-52 HB-HOS in Richtung Bensheim (Deutschland) ab.

Zahlreiche Journalistinnen und Zuschauer verfolgten den ersten Flug einer Ju-52 nach dem Absturz.
Bild: Keystone

Seit Ende November 2018 ist die gesamte Ju-52-Flotte der Dübendorfer Ju-Air gegroundet. Die Untersuchung des Wracks der Ju-52 HB HOT habe schwerwiegende strukturelle Schäden im Bereich der Flügelholme ergeben, begründete das Bundesamt für Zivilluftfahrt damals seinen Entscheid.

Da die beiden in Dübendorf stationierten Ju-52 sowohl bezüglich Alter als auch bei den Betriebsstunden der verunglückten Maschine ähnlich sind, müsse sichergestellt sein, dass beide Maschinen diese Schäden nicht aufweisen.

Bilder aus dem Wrack der Ju-52 HB-HOT

Generalüberholung und dritte Maschine

Die Ju-Air gab im April 2019 bekannt, dass sie die beiden verbleibenden Ju-52 generalüberholen will. Dieses Vorhaben, so die Ju-Air damals, hätte nichts mit dem Absturz zu tun.

Für die Revision würden zahlreiche Teile an Flügeln, Rumpf, Fahrwerk, Leitwerken und Steuerflächen sowie Teile der Motoren und Treibstoffsysteme ersetzt.

Da diese Teile auf dem Markt nicht erhältlich seien, müssten sie in Einzelanfertigung neu hergestellt werden. Die Revision dürfte damit voraussichtlich im Jahr 2021 beendet sein. Zudem will die Ju-Air eine dritte Maschine – die Ju-52 HB HOY – aus Mönchengladbach in die Flotte aufnehmen.


Die Coronavirus-Krise: Eine Chronologie

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