Schmelzende Gletscher: Immer mehr Felsstürze drohen in der Schweiz

tmxh

2.10.2019 - 15:44

Der Felssturz am Piz Cengalo 2017 gehörte zu den grössten in der Schweiz seit 130 Jahren. Naturkatastrophen wie diese drohen in Zukunft häufiger zu werden.
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In der Schweiz steigt die Bedrohung durch lebensgefährliche Felsstürze immer weiter an. Ursache ist das Schmelzen der Gletscher infolge des Klimawandels.

Über zwei Jahre ist es her, dass beim Felssturz am Piz Cengalo bei Bondo acht Wanderer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ums Leben kamen. Jener 23. August 2017, der einen der grössten Felsstürze der Schweiz seit über 130 Jahren mit sich brachte, zeigte auch: Mit dem Abschmelzen der Schweizer Gletscher werden hierzulande gefährliche Felsstürze wahrscheinlicher. Städte und Gemeinden sind gezwungen, unter einer existenziellen Bedrohung zu leben.

Nachdem vor zwei Jahren bei Bondo drei Millionen Kubikmeter Gestein den Berg hinunter stürzten und eine Kettenreaktion auslösten, die massive Überschwemmungen verursachte und Brücken, Strassen und Häuser zerstörte, war es vergangenen Monat wieder so weit: Der Donner tönte abermals, wieder fielen Steine vom Gipfel des Piz Cengalo.

«Du hörst es, und du weisst sofort, was es ist. Dann sieht man den ganzen Staub», zitiert der britische «Guardian» in einer Reportage den stellvertretenden Bürgermeister der Gemeinde, Fernando Giovanoli. Er hatte den Steinschlag von seinem Haus am Berghang beobachten können. Derlei Felsstürze sind in dem Tal, in dem seit über 1'000 Jahren Menschen leben, in der vergangenen Zeit häufiger geworden. 

NASA-Aufnahmen zeigen Folgen des Klimawandels

Immer mehr Steinschläge

In der ganzen Schweiz häufen sich die Berichte über Steinschläge, die zum Teil Strassen blockiert und die Infrastruktur zerstört haben. Für die Schweizer Behörden stellen die immer häufiger auftretenden Steinschläge eine grosse Herausforderung dar. Wesentlicher Grund sind die schmelzenden Gletscher der Schweizer Alpen, deren Böden tauen und damit verbundene Naturkatastrophen wahrscheinlicher machen.

Die Gründe dafür sind komplex. Die Struktur der Berge und ihre Erosion über Jahrtausende hinweg, spielen ebenso eine Rolle wie das sich erwärmende Klima. In den letzten 120 Jahren sind die Temperaturen in den Alpen um knapp zwei Grad Celsius – doppelt so viel wie im globalen Durchschnitt. «Der Klimawandel hat direkte Auswirkungen auf die Eismassen und die schmelzenden Gletscher», zititert der «Guardian» Andreas Bauder, Glaziologe an der ETH Zürich.

Klimaziele sollten erreicht werden

Gletscher, erklärt der Wissenschaftler, tragen zur Stabilität der Alpen bei, weil sie einerseits den Fels stabilisieren können und weil sie andererseits die Berge vor Niederschlägen schützen. Wenn Wasser in den Berg sickert, kann das zu Erosion und Steinschlag führen. Die Folge: Katastrophen wie jene bei Bondo.

«Wenn wir unsere Klimaziele erreichen, hoffen wir, dass sich die Gletscher erholen», sagt Bauder. «Aber selbst wenn wir sie erreichen, wird es eine Weile dauern, bis sich das Klima erholt hat. Die Gletscher werden erst danach reagieren.» Aufgrund des Klimawandels, so der Experte, seien die Hälfte unserer Gletscher bereits verloren und werden bis 2050 vollständig geschmolzen sein.

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