«Einer, der immer angepackt hat» – Büezer stirbt bei Seilbahn-Unglück

Von Philipp Dahm

5.6.2019

Ein toter Familienvater, viele Verletzte: Die Betroffenheit stand den Gastgebern der Pressekonferenz zum Seilbahn-Unglück am Titlis ins Gesicht geschrieben. Zwei Kollegen sind offenbar in einem kritischem Zustand.

Schweres Seilbahn-Unglück in Engelberg OW: Kurz nach 14 Uhr informierten Behörden, Bergbahnen und Seilhersteller über den Unfall, der einen Büezer das Leben gekostet hat. Zwei Kollegen wurden schwer verletzt, ein weiterer mittelschwer. Sechs Arbeiter am Förderseil der Gondelbahn am Werk kamen mit Verwundungen davon.

«Ein ganz schlimmer Unfall», sagt Norbert Pratt, der CEO der Titlis-Bahnen sichtlich berührt. Er appelliert, an die Angehörigen des verstorbenen Mitarbeiters zu denken, der Frau und Kinder hinterlässt. Auch der FDP-Politiker Hans Wicki steht als Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Engelberg-Trübsee-Titlis den Reportern Rede und Antwort.

Spürbare Emotionen – Pressekoferenz zum Titlis-Drama.
Screenshot: Keystone

Der tödlich verunglückte Mann habe seit mehr als 20 Jahren in Diensten des Seil-Herstellers gestanden, sagt Pratt. Ein erfahrener Mitarbeiter, der Revisionen wie die am Titlis gewohnt gewesen sei und seine Arbeit geliebt habe, wie ihm die Witwe gesagt habe, so Wicki: «Einer, der immer angepackt hat, wenn es was zu tun gab.»

Auch Arno Inauen zeigt sich wegen des Unglücks «sehr erschüttert», betont als Garaventa-CEO aber auch, dass Sicherheitsrichtlinien eingehalten worden seien, der Angestellte des Seilbahnbauers überhaupt qualifiziert gewesen sei für den Revisionsjob, den er «nicht nur einmal im Jahr» erledigt habe. Prüfen wird das der stellvertretende Obwaldner Oberstaatsanwalt Bernhard Schöni, der die Federführung in der anberaumten Untersuchung des Unfalls übernommen hat.

Die Seile der Titlisbahn wären 2015 installiert worden und sollten nun um zwei Meter gekürzt werden, erklärt der Jurist. Wicki veranschaulicht, wie das Seil zusammengezogen und danach die entstehende Schlaufe abgebunden wurde. Im nächsten Schritt hätte diese Schlaufe durchtrennt und gekürzt werden sollen, sagt Wicki – doch soweit kam es nicht. Die Abbindung, temporäre Abspannung genannt, löste sich, so Oberstaatsanwalt Schöni. «Eventuell ist sie auch gerissen.»

Die Schlaufe des Stahlseils spang deshalb mit Wucht nach oben, das Abspannseil scherte nach unten, rohe Kräfte verursachten einen «Riesechlapf», wie Wicki umschreibt. Das Opfer verstarb noch am Unfallort. Ernst steht es wohl auch um die beiden Schwerverletzten, die nach Zürich und Bern geflogen worden sind – Hans Wicki sagt erst, man habe sich nach ihnen erkundigt, und schickt dann hinterher: «Was jetzt im Moment ist, wissen wir nicht.» 

Für die Abklärung der Unfallursache wurde das Forensische Institut Zürich (FOR) hinzugezogen. Die vom Unfall betroffene Achter-Gondelbahn Engelberg-Trübsee («Titlis-Express») wurde 2015 in Betrieb genommen. Sie bewältigt auf einer Länge von 2,7 Kilometern knapp 800 Höhenmeter und kann pro Stunde 2'400 Personen transportieren.

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