«Wir mussten uns oft zusammenraufen»

Von Alex Rudolf

2.7.2021

Final_Inti_Bundesratsreise

Final_Inti_Bundesratsreise

02.07.2021

Für zwei Tage tingelt der Bundesrat durch die Westschweiz und mischt sich unter das Volk. Doch auch für das Gremium ist das traditionsreiche Schulreisli wichtig: Das Teambuilding kam in den letzten Monaten zu kurz.

Von Alex Rudolf

2.7.2021

Der Bundesrat besteht aus lauter Alphatieren, doch hat sich in den letzten Monaten der Pandemie gezeigt, dass das Gremium nur als Team funktioniert. Dass der Teamgeist gepflegt werden muss, liegt da auf der Hand. Das alljährliche Schulreisli der Landesregierung ist dazu der perfekte Anlass.

Der diesjährige Bundespräsident Guy Parmelin (SVP), der die Reise ins heimische Waadtland ausgerichtet hat, sieht darin einen grossen Mehrwert. «Nach den schwierigen Monaten der Pandemie können wir heute auch gemeinsam lachen», sagt der Wirtschaftsminister.

Ist Politik tabu?

Simonetta Sommaruga (SP) pflichtet bei. «Wir haben dieses Jahr derart viel gearbeitet, uns oft zusammenraufen müssen, dass es nun guttut, an einem so schönen Ort über andere Dinge sprechen zu können.» Dabei blickt sie über den herrschaftlichen Garten des ehemaligen Klosters La Lance, wo die Reise am gestrigen Vormittag startete.

Nach einem Apéro mit der Bevölkerung im Sportzentrum Le Chenit stand gestern Abend eine Käse- und Weinprobe im Pays d'Enhaut an. Heute Freitag besucht das Gremium einen Landwirtschaftsbetrieb für Zitrusfrüchte und lädt die Bevölkerung schliesslich erneut zum Apéro: diesmal in Nyon.

Der Fokus liegt also auf dem Austausch mit der Bevölkerung und dem Genuss. Ist Politik denn tabu? «Keineswegs», sagt Uvek-Chefin Sommaruga. Sie sei halt einfach anders präsent. «Wir haben die Gelegenheit, unsere Kolleg*innen auf eine andere Art und Weise zu erleben.»

Ihr Parteikollege Alain Berset bestätigt dies. «Ich freue mich auf die persönlichen Kontakte mit meinen Kolleg*innen, bei denen wir nicht nur über die Dossiers sprechen», sagt der Gesundheitsminister.

Für Spass bleibt sonst wenig Zeit

Sport- und Verteidigungsministerin Viola Amherd (Die Mitte) schätzt vor allem, dass das Gremium einen ganzen Tag zusammen verbringen kann, ohne anderen Terminen nachgehen zu müssen. «Wir können uns gemütlich unterhalten und auch mal einen Spass machen. Dazu haben wir sonst weniger Zeit.»

«Das Teambuilding kam in den vergangenen Monaten eindeutig zu kurz», sagt Karin Keller-Sutter (FDP). Die Justizministerin verweist darauf, dass der Bundesrat zeitweise nicht einmal mehr gemeinsam essen gegangen sei. «Wenn man sich streitet, ist es wichtig, dass man anschliessend wieder friedlich zusammensitzen kann.»

Finanzminister Ueli Maurer (SVP) relativiert. «Für die Journalisten und die Bevölkerung ist die Schulreise wichtiger als für den Bundesrat. Es ist eher ein hektischer Tag.»