So oft werden Schweizer Frauen in der Öffentlichkeit belästigt

tafu

12.12.2019

Frauen werden im öffentlichen Raum immer wieder Opfer von Belästigungen.
Bild: AFP

In Zürich wurde im vergangenen Jahr jede dritte Frau belästigt. In der gesamten Schweiz waren sogar mehr als die Hälfte aller Frauen bereits unerwünschten Annäherungen ausgesetzt. 

Es passiert im Club oder auf dem Heimweg, im Restaurant oder in der Tram: Immer wieder werden Frauen in der Öffentlichkeit Opfer von Belästigungen und Übergriffen. Dass sogar jede dritte Frau im vergangenen Jahr Belästigungen ausgesetzt war, zeigt die städtische Bevölkerungsbefragung der Stadt Zürich, die nun veröffentlicht wurde.

Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, gaben 33 Prozent der Zürcherinnen zwischen 18 und 29 Jahren an, mindestens einmal in den vergangenen zwölf Monaten ausserhalb ihres Zuhauses belästigt worden zu sein. Davon mehr als die Hälfte sogar mehrfach. Laut der Befragung fanden jene Übergriffe am häufigsten auf der Strasse, in öffentlichen Verkehrsmitteln und Clubs, Bars und Restaurants statt.

Unerwünscht und aufdringlich

Auch eine im Frühjahr 2019 von gfs.bern im Auftrag von Amnesty International durchgeführte Studie zur Verbreitung von sexueller Belästigung und sexueller Gewalt in der Schweiz kam zu einem ähnlichen Ergebnis. 59 Prozent der befragten Frauen haben danach in ihrem Leben bereits Belästigungen in Form von unerwünschter Berührung, Umarmung oder Küssen erlebt. Sexuelle suggestive Kommentare, unangemessenes Anstarren sowie aufdringliche Kommentare über die körperliche Erscheinung mussten jeweils mehr als die Hälfte der befragten Frauen bereits über sich ergehen lassen.

Die Orte, an denen die Frauen belästigt werden, sind auch mit Blick auf die gesamte Schweiz meist der öffentliche Raum. Am häufigsten werden Frauen auf der Strasse bedrängt, im öffentlichen Verkehr und in Clubs und Bars kamen nahezu die Hälfte der befragten Frauen in entsprechende Situationen.

Besonders in Clubs und auf der Strasse sind Frauen häufig unerwünschten Annäherungsversuchen ausgesetzt.
Bild: Keystone

Luisa ist hier!

Dass Frauen solche Belästigungen einfach hinnehmen müssen, dem wollen immer mehr Opferhilfeverbände in Zusammenarbeit mit Clubbesitzern entgegenwirken. So hat laut «bzBasel» die Opferhilfe beider Basel die Betreiber von Bars und Clubs aufgefordert, sich dem sogenannten «Luisa-Projekt» anzuschliessen.

Die Idee dahinter ist, dass Frauen, die sich in einer Notsituation befinden, sich mit der Frage «Ist Luisa hier?» an das Personal wenden können und so signalisieren, dass sie belästigt werden und Hilfe brauchen.

Ins Leben gerufen wurde das Projekt 2016 vom Frauen-Notruf in der deutschen Stadt Münster. Die Kampagne wurde schnell in anderen deutschen Städten übernommen, seit Anfang 2018 nehmen auch immer mehr Schweizer Städte daran teil. Aktuell können Frauen in Zürich, Basel, Luzern und Winterthur in teilnehmenden Clubs mit dem Code um Hilfe bitten. Durch Plakate und Aufkleber wird für die Frauen deutlich, ob die entsprechende Bar an dem Projekt teilnimmt.

Gemeldet werden die meisten Fälle von sexueller Belästigung allerdings nicht. In der gesamten Schweiz wurden im Jahr 2018 insgesamt 1'267 Fälle gemeldet, wie die NZZ berichtet. Dass das Problem wesentlich grösser ist, als die Kriminalstatistik andeutet, zeigen die Befragung in Zürich sowie die Umfrage der gfs.bern ziemlich eindeutig.

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