Der Fahrplan im Detail

So kommt der bestellte Impfstoff unters Volk

SDA/gbi

27.3.2021

Bundesrat Alain Berset, rechts, diskutiert mit Sabine Bruckner, Geschaeftsfuehrerin Pfizer Schweiz, Dan Staner, Vizepraesident und Europachef von Moderna, Nora Kronig, Leiterin Abteilung Internationales im BAG, Sven Seitz, Head of Vaccines Business Schweiz, von links, nach einer Medienkonferenz zur Lieferung von Impfdosen und die laufende Impfkampagne, am Donnerstag, 25. Maerz 2021 in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)
Die prominenten Köpfe des Impf-Gipfels beraten sich an der Medienkonferenz vom Donnerstag.
Bild: Keystone

Der April naht – ab dann soll es mit den Corona-Impfungen endlich vorwärtsgehen. Das Ziel ist klar: Bis Ende Juli sollen alle Impfwilligen an die Reihe kommen. So sieht der Fahrplan im Detail aus. 

SDA/gbi

27.3.2021

Zu wenig Impfstoff. So lautete jeweils der Hauptgrund, weshalb es in der Schweiz mit den Corona-Impfungen nicht recht voranging. Doch nun soll sich das ändern: Pfizer/Biontech und Moderna wollen von April bis Juni insgesamt acht Millionen Impfdosen liefern. Schon bald kann also im grossen Stil gespritzt werden.

«Wir haben eine sehr gute Perspektive», sagte Bundesrat Alain Berset nach dem grossen Impf-Gipfel vom Donnerstag – hörbar darum bemüht, Optimismus zu verbreiten. Spätestens in der zweiten Hälfte des Monats Juli sollen alle Personen, die das wollen, eine erste Impfdosis erhalten. 

Der oberste Kantonsarzt Rudolf Hauri doppelte nach: Die Kantone seien bereit für das Impfen im grossen Stil. Bis zu 350'000 Dosen täglich könnten verabreicht werden, rechnete er vor. 

Wer zu welchem Zeitpunkt an die Reihe kommt, zeigen die Pläne des Bundesamts für Gesundheit (BAG). 

Über 75-Jährige und Heimpersonal

Hier sieht es bereits jetzt nicht schlecht aus: Bis Mitte März haben alle Personen über 75 Jahre, die sich impfen lassen möchten, und das Heimpersonal laut BAG eine erste Impfdosis erhalten.

Insgesamt wurden bis Mittwoch – das sind die neusten publizierten Zahlen –  1,34 Millionen Impfungen durchgeführt. Rund 506'000 Personen sind bereits vollständig geimpft, das entspricht 5,9 Prozent der Bevölkerung. Bei rund 320'000 Personen wurde bislang nur die Erstimpfung durchgeführt.

Besonders gefährdete Personen

Wer zur Gruppe der besonders gefährdeten Personen zählt, wird spätestens in der zweiten Hälfte des Monats April eine erste Impfung erhalten. Insgesamt zählt diese Gruppe 2,38 Millionen Personen. Weil Schwangeren derzeit eine Impfung nicht empfohlen wird, sind sie von dieser Berechnung ausgenommen.



Gesundheits- und Betreuungspersonal

Über 426'000 Personen arbeiten in der Schweiz in den Bereichen Gesundheit mit Patientenkontakt und Betreuung, die laut BAG in der zweiten Gruppe geimpft werden. Eine erste Impfdosis sollen diese Personen frühestens in der zweiten April-Hälfte und spätestens in der ersten Hälfte des Monats Mai erhalten.

Die Chancen auf eine Impfung im April sind laut BAG jedoch intakt, da eine Verzögerung nur eintritt, wenn die Impfbereitschaft bei den ersten beiden Gruppen bei 75 Prozent liegt und der Impfstoff von Astrazeneca nicht erhältlich ist. Mit dessen Zulassung wird in den nächsten Tagen gerechnet. 

Alle anderen Personen

Alle Personen, die nicht zu den ersten drei Gruppe gehören, werden laut den Szenarien des BAG im gleichen Zeitraum geimpft. Zu dieser vierten Gruppe gehören Personen, die in engem Kontakt mit besonders gefährdeten Personen stehen (1'257'605 Personen), Personen, die in Gemeinschaftseinrichtungen mit erhöhtem Infektionsrisiko leben oder arbeiten (100'450 Personen), sowie alle gesunden erwachsenen Personen (2'934’416 Personen).

Das BAG geht davon aus, dass sich derzeit rund die Hälfte der Bevölkerung in der Schweiz impfen lassen möchte. Rund ein Viertel sei noch unsicher, und ein Viertel wolle sich nicht impfen lassen.

Frühestens können Personen in dieser Gruppe mit einer Impfung in der ersten Juni-Hälfte rechnen. Dies unter den Bedingungen, dass die generelle Impfbereitschaft nicht über 50 Prozent liegt und der Impfstoff von Astrazeneca zusätzlich vorhanden ist.

Auch bei einer generellen Impfbereitschaft von 75 Prozent und ohne den Impfstoff von Astrazeneca soll diese Gruppe spätestens in der zweiten Juli-Hälfte eine erste Impfung erhalten.

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Kantone rüsten auf

Dass sich in den Kantonen etwas tut, zeigen die Ankündigungen der vergangenen Tage. In Zürich, dem einwohnerstärksten Kanton, wird ab kommendem Montag eine Plattform aufgeschaltet, über die sich Impfwillige für einen Termin registrieren können.

Personen über 75 Jahren können auch direkt einen Termin buchen. Ist diese Gruppe durchgeimpft, kommen die registrierten Personen ab 65 zum Zug. Personen mit Vorerkrankungen wird empfohlen, sich bei ihrer Ärztin oder ihrem Arzt impfen zu lassen. Ende März/Anfang April erhalten weitere 500 Ärzte ein Kontingent von 100 Impfdosen. 

Der Kanton Bern plant, 10'000 bis 12'000 Impfungen pro Tag durchzuführen – sofern der Impfstoff in grossen Mengen eintreffe, wie Gundekar Giebel, Sprecher der Berner Gesundheitsdirektion, dem «Blick» sagte. Bern setzt dabei auf neun Impfzentren sowie Arztpraxen.

Der Kanton Luzern eröffnet heute Freitag ein neues Testcenter in Emmenbrücke, ein zweites wird ab kommendem Montag in der Messe Luzern in Betrieb genommen. Insgesamt können an diesen beiden Standorten bis zu 800 Covid-Test – Schnelltests und PCR-Tests – durchgeführt werden. Denn nebst dem Impfen gilt weiterhin die Devise: «Testen, testen, testen.» Schliesslich können infizierte Personen auch nicht geimpft werden.