Sollte die Schweiz auch auf FFP2-Masken setzen?

tafu

21.1.2021

epa08947401 A woman wears a FFP2 protective mask in Cologne, Germany, 18 January 2021. Since 18 January 2021, FFP2 masks have been mandatory in Bavaria in stores, public transport and doctors' offices. The masks are supposed to provide better protection against the coronavirus than everyday masks. The heads of the German states will meet with German Chancellor Angela Merkel on 19 January 2021, to discuss how to proceed in the corona crisis. The current lockdown is to be extended beyond 31 January 2021. A complete shutdown in Germany and an actual curfew are also being discussed. EPA/SASCHA STEINBACH
Im deutschen Bundesland Bayern sind FFP2-Masken im öffentlichen Verkehr und in Geschäften Pflicht. Eine Option auch für die Schweiz?
Bild: Keystone

Um der Pandemie Herr zu werden, setzt Bayern auf FFP2-Masken-Pflicht. Sollte sich die Schweiz ebenfalls dafür entscheiden, gilt es einiges zu beachten. Denn die meisten Masken werden noch immer falsch getragen.

Deutschland setzt im Kampf gegen die Corona-Pandemie auf strengere Massnahmen: Künftig sind in öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften keine Stoffmasken mehr erlaubt, lediglich medizinische Masken dürfen zum Einsatz kommen. Im Bundesland Bayern gilt sogar eine Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken. In der Schweiz gibt es derartige Regelungen dagegen noch nicht – dort, wo eine Maske getragen werden muss, können die Menschen noch zu den sogenannten Community-Masken greifen.

Was unterscheidet die FFP2-Masken von anderen Produkten? FFP steht für «filtering face piece». Die Masken halten sowohl Aerosole als auch Staub und Rauch ab, mindestens 94 Prozent der Partikel aus der Umgebungsluft werden aufgefangen. Im Gegensatz zu den normalen Stoffmasken schützen die FFP2-Masken also auch den Träger. 



Doch wäre eine Pflicht zum Tragen von FFP2- oder OP-Masken angesichts hoher Infektionszahlen nicht auch hierzulande sinnvoll? Nach Aussage von Hugo Sax, Infektiologe am Universitätsspital Zürich, nicht.

Gegenüber SRF erklärte Sax, dass korrekt getragene Hygienemasken in Kombination mit dem Einhalten der Regeln noch immer ausreichend seien. Und auch wenn die FFP2-Masken tatsächlich eine bessere Filterleistung haben, könne man sie eigentlich nicht ohne Weiteres verwenden.

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FFP2-Masken schützen in der Corona-Pandemie besser vor Infektionen als einfache Stoffmasken – zumindest, wenn sie korrekt getragen werden.

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Nur wenn die Maske korrekt sitze, funktioniere auch der Filter. Das sei aber oft nicht der Fall, so Sax. «Nach dem, was ich im öffentlichen Verkehr sehe, dann ist es so, dass etwa 80 Prozent die Masken nicht korrekt tragen», erklärt er weiter. Jeder, der eine FFP2-Maske trage, brauche zunächst eine klare Einweisung und müsse sichergehen, dass die Maske auch zur Gesichtsform passe.

Denn: Wer eine FFP2-Maske trägt, muss vor allem auf den korrekten Sitz achten. Sie sollte eng am Gesicht anliegen, der Nasenbügel sollte korrekt angepasst und die Kopfbänder müssen entsprechend positioniert werden. An keiner Stelle der Maske darf noch Luft hindurchkommen, sodass stets durch den Filter geatmet wird.

Maske ist nicht gleich Maske

Doch nicht nur beim Tragen einer FFP2-Maske lauern Fallen, bereits beim Kauf gilt es einiges zu beachten. Während es zu Beginn der Pandemie noch Engpässe bei der Versorgung mit medizinischen Masken gab, ist das inzwischen nicht mehr der Fall. Zwar habe es in Bayern zeitweise einen Ansturm auf Apotheken gegeben, eine Versorgungslücke werde aber nicht entstehen, so der «Spiegel». In Fernost haben inzwischen viele Fabriken ihre Produktion massiv ausgeweitet und grosse Mengen der Ware verschifft. Auch werden in Europa inzwischen mehr Masken hergestellt.

epa08947403 A woman wears a FFP2 protective mask in Cologne, Germany, 18 January 2021. Since 18 January 2021, FFP2 masks have been mandatory in Bavaria in stores, public transport and doctors' offices. The masks are supposed to provide better protection against the coronavirus than everyday masks. The heads of the German states will meet with German Chancellor Angela Merkel on 19 January 2021, to discuss how to proceed in the corona crisis. The current lockdown is to be extended beyond 31 January 2021. A complete shutdown in Germany and an actual curfew are also being discussed. EPA/SASCHA STEINBACH
Beim Kauf einer FFP2-Maske sollte auf bestimmte Merkmale geachtet werden.
Bild: Keystone

Um allerdings nicht auf Fälschungen hereinzufallen, die nicht dem Standard entsprechen, sollte man beim Kauf einige Punkte berücksichtigen. Die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt Suva empfiehlt, besonders auf Folgendes zu achten: 

Merkmale FFP2-Maske

  • CE-Zeichen, gefolgt von einer vierstelligen Kennziffer der notifizierten Stelle.
  • Das CE-Zeichen ist auf der Verpackung mit derselben Nummer abgedruckt, ausserdem die Normenbezeichnung EN 149:2001+A1:2009 sowie die Adresse eines Inverkehrbringers in der EU oder in der Schweiz.
  • Der Maske ist eine Kopie der Konformitätserklärung beigelegt oder eine Internetadresse, auf der diese zugänglich ist.
  • Die Konformitätserklärung muss auf eine Baumusterprüfung («type examination») verweisen nach EN 149:2001+A1:2009.
  • In der Konformitätserklärung und auf der Verpackung sind derselbe Hersteller und dieselbe Firmenadresse angegeben.
  • Mit der Maske ist eine Verwendungsanleitung in den Landessprachen mitgeliefert worden.

Auch wenn die FFP2-Maske in der Schweiz noch nicht verpflichtend getragen werden muss, entscheiden sich immer mehr Bürger dafür. So trage das gesamte Personal der Altersheim-Kette Tertianum bereits seit November 2020 ausschliesslich FFP2-Masken, berichtet das SRF. Die Ansteckungen mit dem Coronavirus hätten sich seitdem halbiert, erklärt deren CEO Luca Stäger.



Könnte die FFP2-Maske also tatsächlich helfen, das Infektionsgeschehen im Land weiter zurückzudrängen? Der Gesundheitsökonom Willy Oggier ist sich da sicher und sieht Handlungsbedarf bei der Politik. Er fordert auch für die Schweiz eine FFP2-Tragepflicht in Geschäften und im öffentlichen Verkehr. «Grundsätzlich weiss man in einer Pandemie erst im Nachhinein, was wirkt und was nicht wirkt. Eine Maske richtig zu tragen, ist unabhängig vom Maskentyp ein Gebot der Stunde», so Oggier gegenüber SRF.

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