Sommaruga: «Hätte am liebsten die ganze Schweiz eingeladen»

sda/toko

1.8.2020 - 16:02

1. August — Viele Helden aber wenig Publikum bei Rütlifeier 2020

1. August — Viele Helden aber wenig Publikum bei Rütlifeier 2020

An der wegen Corona im kleinen Rahmen gehaltenen Bundesfeier auf dem Rütli hat Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga die Bevölkerung für ihr Verhalten während des Lockdowns gelobt. Sie hätten gezeigt, dass die Schweiz zusammenstehe und "verhäbt".

01.08.2020

Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga hat am Nationalfeiertag der Bevölkerung für ihr bisheriges Verhalten während der Corona-Pandemie gedankt. Die Bundesfeier auf dem Rütli war auf 200 Personen beschränkt worden.

Auf dem Rütli dankte sie der Bevölkerung für ihr bisheriges Verhalten während der Corona-Pandemie. Stellvertretend für alle ehrte sie je 27 Männer und Frauen.

Sie hätte am liebsten die ganze Schweiz aufs Rütli eingeladen, sagte Sommaruga am Samstag auf dem Rütli, «vor allem in dieser besonderen Zeit». Leider sei dies nicht möglich. Symbolisch sei aber die ganze Schweiz auf der Wiese oberhalb des Vierwaldstättersees versammelt.

Wegen Corona war die Zahl der Personen, die auf dem Rütli anwesend sein dürfen, auf 200 beschränkt worden. Sommaruga lud aus jedem Kanton sowie aus der fünften Schweiz je eine Frau und einen Mann ein, insgesamt 54 Personen. Jeder von ihnen habe geholfen, diese Krise zu bewältigen, sagte sie, etwa im Spital, im Verkauf, in der Schule oder in der Nachbarschaft. Sie alle hätte gezeigt, dass die Schweiz «verhäbt». Sie halte stand und halte zusammen.

Die Schweiz sei eben viel mehr als achteinhalb Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern, sagte die Bundespräsidentin. Trotz Corona sei das Land nie still gestanden. Trams seien gefahren, die Post sei angekommen, es habe genug Strom gegeben, die Kehrichtabfuhr habe ihre Tour gemacht und die Schulen hätten sich umorganisiert.

Die Coronakrise sei noch nicht vorbei, sagte Sommaruga. Die Zahl der Ansteckungen steige wieder. Es brauche auch jetzt jede und jeden von uns.

Die SP-Magistratin lobte auch die Leistungen von Bund und Kantonen. In einem Staat, der Unterstützung gebe, könnten die Menschen mutig und solidarisch sein. Die Krise habe auch gezeigt, dass die Schweiz die benachbarten Staaten brauche wie die Nachbarn im Quartier.

Die Schweiz «verhäbt»

In ihrer offiziellen Radio- und Fernseh-Ansprache zum 1. August hatte sie zuvor den Schweizerinnen und Schweizern für ihre Solidarität und Unterstützung gedankt. Die Bewältigung der Coronakrise habe ihr gezeigt, dass die Schweiz «verhäbt».

«Wenn es darauf ankommt, sind wir mehr als 26 Kantone und achteinhalb Millionen Einwohnerinnen und Einwohner», resümierte Sommaruga die Solidarität und Hilfsbereitschaft der letzten Monate angesichts der Corona-Pandemie.

Besonders berührt habe sie der Brief eines Bergbauern, den sie in den letzten Wochen erhalten habe. Ins Couvert habe er einen Teil seiner AHV-Rente gelegt. Die Krise habe alle getroffen, Solidarität sei gefragt, schrieb er dazu. Das Geld sei mittlerweile bei jenen, die es nötig hätten, so Sommaruga.

Genau wie der Bergbauer haben es laut Sommaruga viele Menschen im Land gemacht. Sie hätten einander unterstützt. Dafür möchte sie am heutigen Tag danke sagen. All jenen, die dafür gesorgt hätten, dass das Land trotz Corona nie stillgestanden sei.

Zuverlässige Nachbarn sind wichtig

Auch in dieser schwierigen Situation habe sich gezeigt: «Die Schweiz verhäbt. Sie hält Stand und hält zusammen.» Es habe immer genügend Strom gegeben, der Müll sei zuverlässig weggeräumt worden, die Schulen hätten sich neu organisiert, der Bund habe zu den Betrieben geschaut und auch Gemeinden und Kantone seien da gewesen.



Dass der Austausch nie abgerissen sei, sowohl zwischen Nachbarn als auch zwischen der Schweiz und ihren Nachbarstaaten, sei wichtig gewesen, sagte Sommaruga. «Wir brauchen unsere Nachbarn im Quartier, und wir brauchen gute und stabile Beziehungen zu unseren europäischen Nachbarn. Heute und in Zukunft.»

Die Bundespräsidentin mahnte angesichts steigender Corona-Infektionszahlen weiter zur Vorsicht im Alltag. Nur gemeinsam lasse sich eine erneute Ausbreitung des Virus stoppen, dies hätten die letzten Monate gezeigt, und das mache Mut.

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