Militärrichter untersucht Jet-Absturz in der Innerschweiz

tjb/SDA

26.5.2021

Auf der Melchsee-Frutt im Kanton Obwalden ist ein Tiger-Kampfjet der Schweizer Luftwaffe abgestürzt. Der Pilot konnte sich mit dem Schleudersitz retten und blieb unverletzt. Der Unfall ereignete sich über unbewohntem Gebiet.

tjb/SDA

26.5.2021

Im Kanton Obwalden ist am Morgen um 9 Uhr ein Tiger der Schweizer Armee abgestürzt. Der Kampfjet ist auf der Melchsee-Frutt verunfallt, wie das Verteidigungsdepartement auf Twitter schreibt. Der Pilot habe sich mit dem Schleudersitz retten können und sei unverletzt geblieben.

Er konnte durch die Rettungsflugwacht geborgen werden, wie das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) mitteilte. Warum genau der Tiger F-5 abgestürzt ist, war zunächst noch unklar. Ein militärischer Untersuchungsrichter hat seine Arbeit aufgenommen.

«Der Jet war als Sparing-Partner für einen F/A-18 unterwegs», sagt Armeesprecher Stefan Hofer auf Anfrage von «blue News» zur Mission. Gestartet ist das Flugzeug am Morgen in Payerne.

Zur Bemerkung eines Twitter-Nutzers, dass in den letzten Tagen vermehrt Kampfjets im Tiefflug in der Innerschweiz unterwegs gewesen seien, kann Armeesprecher Hofer keine Angaben machen. Eine Untersuchung des Unfalls sei bereits eingeleitet, auch dieser Aspekt sei Teil davon.

Der Tiger habe «den Gegner simuliert» und so den jungen Piloten der beiden FA-18 das Luftkampf-Training ermöglicht, erklärte ein anderer Armeesprecher der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Im Rahmen dieses Trainings fliege der Sparringpartner gewisse Manöver, auf welche die beiden FA-18-Piloten richtig reagieren müssten.

Zum Absturz sei es gegen 9 Uhr gekommen. Der Pilot sei zur Kontrolle ins Spital gebracht worden. Denn das Betätigen eines Schleudersitzes übe sehr grosse Kräfte auf den Körper aus.

Unfallort wurde gesperrt

Melchsee-Frutt ist ein Ausbildungs- und Trainingsraum der Luftwaffe. Nähere Angaben zu den Umständen des Absturzes, etwa zum lokalen Wetter und möglichen Windeinflüssen gab es keine Angaben seitens der Armee. All dies sei Aufgabe der laufenden Untersuchung. Der Unfallort sei einstweilen abgesperrt für normale Berggänger.

Der Unfall hat sich über unbewohntem Gebiet ereignet. Pilatustoday zeigt Bilder der Absturzstelle, die ein Lesereporter aufgenommen hat. Darauf sind aus weiter Entfernung einige Trümmer im Schnee zu sehen. 

Erinnerungen an 2016

Im Juni 2016 war letztmals ein Jet dieses Typs abgestürzt. Der Tiger der Patrouille Suisse stürzte beim Training vor einer Flugshow bei Leeuwarden in den Niederlanden ab. Auch damals konnte sich der Pilot mit dem Schleudersitz retten.

Der letzte Flugunfall der Luftwaffe im Inland ereignete sich am 29. August 2016 am Sustenpass. Damals zerschellte ein F/A-18 an einer Bergflanke, der Pilot kam dabei ums Leben. Laut der Untersuchung durch die Militärjustiz soll der damalige Absturz durch den Fehler eines Flugverkehrsleiters ausgelöst worden sein. Er habe eine zu geringe Flughöhe angeordnet.

Die Tiger F-5 wurden ab Ende der 1970er-Jahre beschafft. Sie sind bei der Schweizer Luftwaffe nur noch für Nebenaufgaben im Einsatz, vor allen Dingen für die Entlastung der F/A-18 sowie für die Patrouille Suisse.