Presseschau «Ein Tsunami»: So kommentiert die internationale Presse die Wahlen

tsha

21.10.2019

Die Schweiz hat gewählt – und nicht nur die heimischen Medien kommentieren das Ergebnis. Die internationalen Pressereaktionen im Überblick.

Auch im Ausland war die Wahl vom Sonntag ein Thema. Zumindest ein bisschen. Während die meisten Medien nur mittels Agenturmeldungen über den Wahltag und das Ergebnis berichteten, analysierten einige Zeitungen die Nationalratswahlen genauer. Eine Auswahl.

«Süddeutsche Zeitung» (Deutschland)

«Für Schweizer Verhältnisse ist am Sonntag geradezu ein Tsunami über das Land hereingebrochen. Eine grüne Welle hat die Eidgenossen erfasst» – so fasst die «Süddeutsche Zeitung» am Montagmorgen die Wahlergebnisse zusammen. Für die Münchner Zeitung, die ihre Analyse mit dem Titel «Klimawandel in Bern» überschreibt, war der Stimmenzugewinn der Grünen keine Überraschung: «Das Wahljahr war vor allem von zwei grossen Themen geprägt: der Sorge um das Klima und der Frauenfrage.» Das habe sich im Wahlergebnis widergespiegelt.

Verwunderlich sei es aber, dass die SP von dieser Gemengelage nicht profitieren konnte, obwohl die Partei «im europäischen Vergleich weit links steht und in vielen Punkten ähnliche Positionen vertritt wie die Grünen».

«Bild» (Deutschland)

«Grüne sind DIE Wahl-Überraschung», titelt Deutschlands auflagenstärkste Zeitung im für sie typischen Telegramm-Stil. Die «Bild» findet es «kurios», dass es in der Schweiz zwei grüne Parteien gibt. «Gemeinsam wären sie zweitstärkste Kraft. Allerdings: Ausser beim Umwelt-Thema haben beide wenig gemeinsam», so das Blatt. «Die SVP, die von der AfD als grosses Vorbild bezeichnet wird, war am Sonntag der grosse Verlierer», heisst es weiter in der Analyse des Wahlergebnisses.

«Kronen Zeitung» (Österreich)

Auch für die österreichische «Kronen Zeitung» sind die Grünen die Sieger des gestrigen Tages. «Die Grünen haben bei der Schweizer Parlamentswahl am Sonntag einen historischen Durchbruch geschafft und klopfen nun an die Regierungstür», schreibt das Boulevardblatt. Das «Machtkartell» aus SVP, SP, FDP und CVP, die sich traditionell die sieben Bundesratssitze teilen, könnte nun «ins Wanken geraten».

«Le Monde» (Frankreich)

Die französische «Le Monde» nennt das gute Abschneiden der grünen Parteien «historisch». Das Wahlergebnis vom Sonntag sei «ein Erdbeben» – zumindest «für Schweizer Verhältnisse». Dennoch sei es nicht überraschend, dass die Debatte über den Klimawandel den Wahlkampf bestimmt habe, schliesslich sei die Schweiz als alpines Land vom Anstieg der weltweiten Temperaturen besonders betroffen.

«The New York Times» (USA)

Die «New York Times» widmet den Schweizer Wahlen eine ausführliche Analyse. Die Wähler hätten die SVP «zurechtgewiesen», indem sie den grünen Parteien zu einem historisch guten Ergebnis verholfen hätten. Denn der Wahlkampf sei von der Angst vor dem Klimawandel geprägt gewesen. Die SVP sei nach wie vor die stärkste Partei im Parlament. «Aber verglichen mit den Wahlerfolgen ultra-rechter Parteien in ganz Europa in den vergangenen Jahren, erscheint sie als grösster Verlierer vom Sonntag.»

Als Beispiel dafür, dass die SVP in Fragen der Wirtschafts- und Umweltpolitik vielen «aus der Zeit gefallen» scheine, zitiert die «NYT» einen Schweizer Käsehersteller aus dem «Bilderbuchdorf» Seelisberg: Man wolle nicht mehr zurück in die Zeiten, als die Schweiz sich vom Rest der Welt und damit auch von den internationalen Märkten isoliert habe, so Hans Aschwanden.

Bilder des Tages

Zurück zur Startseite